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Wissen & Umwelt

Planet Erde unter Druck

Die Weltbevölkerung wächst, Ressourcen gehen zur Neige - der Planet steht unter Druck. Wie soll es auf der Erde weitergehen? 3000 Experten suchen seit Montag auf einer Konferenz in London nach Lösungen.

Eine Satellitenaufnahme zeigt die größte Eisausdehnung in der Arktis für den Zeitraum 2008-09 (Foto: picture-alliance/dpa)

Schlimmste Klima-Szenarien schon übertroffen

2012 ist das Jahr von "Rio+20". Viele erhoffen sich von dem UN-Gipfeltreffen in Brasilien einen Wendepunkt in den internationalen Bemühungen um Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung bei der Verteilung der Ressourcen, über die der Planet Erde verfügt. "Rio+20" spielt auf den 1992 ebenfalls in Rio de Janeiro veranstalteten Erdgipfel an, auf dem die Entwicklungsrichtlinien der Agenda 21 entstanden und die UN-Konventionen über Klima und Biodiversität auf den Weg gebracht wurden.

Symbolbild trockene, aufgerissene Erde (Foto: dapd)

Während in einigen Regionen immer öfter Wasser fehlt...

Noch eine Konferenz?

In den Monaten vor "Rio+20" mangelt es nicht an Kongressen und Veranstaltungen zu den üblichen Themen wie Nachhaltigkeit, Klimawandel, Energie, Wasser oder Ernährungssicherheit. So auch in London, wo sich vom 26. bis 29. März unter dem Titel "Planet under pressure" etwa 3000 Experten austauschen werden.

Könnte da nicht leicht eine Art Konferenzmüdigkeit entstehen, die dann am Ende die Wirkung aller Diskussionen und Lösungsvorschläge blockiert? Die Gefahr sei nicht ganz von der Hand zu weisen, sagt der Umweltexperte Steffen Bauer vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). Der große Unterschied zu anderen Konferenzen: "Planet under Pressure" sei eine wissenschaftliche und nicht politische Veranstaltung. "Zudem werden zahlreiche Nobelpreisträger vertreten sein. Das macht Hoffnung, dass die Empfehlungen am Ende der Konferenz dann auch bei der Politik Gehör finden werden", sagt Bauer.

"Nein, es gibt keine Konferenzmüdigkeit", sagt natürlich auch Mark Stafford Smith von der australischen Wissenschaftsbehörde CSIRO. Stafford Smith ist einer der beiden Vorsitzenden der Veranstaltung "Planet under Pressure". Selbst wenn die "Rio+20"-Konferenz zu keinem konkreten Ergebnis käme, bleibe diese UN-Konferenz "das ideale Forum, um die Probleme rund um die Nachhaltigkeit politisch anzugehen", so Smith im Gespräch mit der Deutschen Welle. Die Monate vor Rio sieht er daher natürlich auch als idealen Zeitpunkt für eine weitere groß angelegte Konferenz. Man wolle ja auch aktiv Lösungen anbieten.

Nach heftigen Monsun-Regenfällen bahnen sich in Indien Einwohner ihren Weg durch überflutete Straßen (Archivbild 2088: picture-alliance/dpa)

...müssen in anderen die Menschen immer häufiger vor den Fluten fliehen

Herausforderungen und Lösungsansätze

Das Motto der Konferenz überrascht daher nicht: "Knowledge towards Solutions" - Wissen einsetzen, um Lösungen zu finden. Die Veranstaltung, die von der Royal Society ausgerichtet und von mehreren Organisationen veranstaltet wird, hat das ehrgeizige Ziel, nicht nur einen bestimmten Aspekt, sondern den globalen Wandel als Ganzen anzugehen.

"Wir wollen die wissenschaftlichen Fortschritte der letzten zehn Jahre Revue passieren lassen und die Agenda zum Thema globaler Wandel für die nächsten zehn Jahre setzen", so Stafford Smith, der auch wissenschaftlicher Direktor des Klimaanpassungsprogramms der australischen Wissenschaftsbehörde ist. Der Klimawandel ist nur eine der riesigen Herausforderungen, vor der die inzwischen sieben Milliarden Menschen stehen. Die übermäßige Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die Umweltverschmutzung und die Übersäuerung der Meere kommen noch hinzu.

Das sei natürlich nicht alles neu, betont Bauer, der selbst an der Konferenz teilnehmen wird. Aber der wissenschaftliche Austausch sei wichtig, und dass man Handlungsoptionen formuliere, die dann den politischen Entscheidungsträgern vorgelegt werden könnten - vor Rio+20. "Ich bin optimistisch gespannt, was in London herauskommt. Der Rest ist Spekulation", sagt Steffen Bauer.

Der Faktor Mensch

"Die Menschheit verändert den Planeten inzwischen so gewaltig, wie dies in der Vergangenheit nur die geologischen Prozesse getan haben", so Stafford Smith. Auf der Konferenz wolle man sich dem wissenschaftlichen Verständnis über die Zusammenhänge im Erdsystem zwischen Atmosphäre, Land und Ozean widmen und Konsequenzen für den Umgang des Menschen mit dem Planeten ziehen. "Wir brauchen ein Gleichgewicht zwischen dem ökonomischen Wohlbefinden und den möglichen Auswirkungen auf natürliche Ressourcen sowie die Umwelt."

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Klimagipfel in Durban Dezember 2012 - eine gemischte Bilanz (16.12.2011)

"Wenn man versucht, eines dieser Probleme isoliert zu betrachten und zu lösen, dann führt das oft zu Problemen in anderen Bereichen. Diesen Fehler haben wir in den letzten 20 Jahren oft gemacht", so der australische Experte Stafford Smith. Durch den Anbau von Pflanzen für Biotreibstoffe fehle beispielsweise Land für die Kultivierung von Nahrungsmitteln.

Die Notwendigkeit, die unterschiedlichen Sektoren als zusammenhängendes Ganzes zu sehen, ist ein zentraler Punkt der Londoner Veranstaltung. "Ich hoffe, dass sich unsere Konferenz von anderen dadurch abheben wird, dass wir gerade diesen integrierten Ansatz auf der globalen Ebene diskutieren und in den Rio-Prozess einbringen wollen", sagt Stafford Smith.

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