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Südamerika

Plünderungen wegen Bargeldknappheit in Venezuela

Die innenpolitische Lage in Venezuela spitzt sich immer mehr zu. Ein Bargeld-Engpass hat nun zu Protesten und Plünderungen geführt. Auslöser war die Ankündigung von Präsident Maduro, die größte Banknote abzuschaffen.

Nach Angaben eines oppositionellen Parlamentariers wurden in der Bergarbeiterstadt Callao im Süden Venezuelas bei Geschäftsplünderungen drei Menschen getötet und viele weitere verletzt. In Maracaibo, der zweitgrößten Stadt des Landes, bewarfen wütende Demonstranten nach Augenzeugenberichten Polizisten mit Steinen. In Maturín, rund 500 Kilometer östlich der Hauptstadt Caracas gelegen, gab es Straßenblockaden und Plünderungen. Auch in Puerta la Cruz am karibischen Meer kam es nach Angaben einer Bankangestellten zu Ausschreitungen, weil Bankkunden kein Bargeld abheben durften. Die Polizei gab demnach Warnschüsse ab, um die Proteste zu beenden. Alle Geschäfte in der Stadt seien geschlossen worden. In der Stadt Santa Barbara im Zentrum des Landes wurden bei einem versuchten Überfall auf einen Geldtransporter vier Menschen verletzt, als die Fahrer das Feuer eröffneten.

Im Kern geht es um die Abschaffung des bislang größten Geldscheins mit einem Wert von 100 Bolívares. Seit vergangener Woche wird der Hunderterschein nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptiert. Die eigentlich für denselben Tag geplante Ausgabe von größeren Scheinen mit einem Wert von 500 bis 20.000 Bolívares verzögerte sich aber. Millionen Venezolaner stehen nun ohne genügend Bargeld da, um Lebensmittel und Weihnachtsgeschenke zu kaufen. Die für ungültig erklärten 100-Bolívares-Scheine machten zuletzt mehr als drei Viertel des im Umlauf befindlichen Bargeldes aus. Die Banknote war wegen der Inflation allerdings nur noch knapp drei US-Cent wert, die Venezolaner trugen daher immer dicke Geldbündel mit sich herum.

Viele haben kein Bankkonto

Die alten Geldscheine können nur noch wenige Tage lang in der Zentralbank umgetauscht werden. Tausende Menschen aus dem ganzen Land reisten deshalb in die Hauptstadt Caracas, vor der Bank bildeten sich lange Schlangen. Etwa 40 Prozent der Venezolaner verfügen über kein Bankkonto. Viele können daher keine elektronischen Überweisungen vornehmen und sind auf Bargeld angewiesen.

Kreativer Protest gegen die Geldpolitik des Landes (Reuters/C.Eduardo Ramirez)

Kreativer Protest gegen die Geldpolitik des Landes

Präsident Nicolas Maduro machte Politiker der Opposition für die Unruhen verantwortlich. Es gebe Foto- und Video-Beweise für die Beteiligung von Oppositionsabgeordneten an "versuchtem Vandalismus und Gewalttaten", sagte er. Nach Angaben des Präsidenten hatten Randalierer in der Stadt Guasdualito an der Grenze zu Kolumbien zwei staatliche Banken in Brand gesetzt. Die verantwortlichen Oppositionspolitiker gehörten auch einer "Schmuggelmafia" an und würden bald festgenommen, so Maduro.

Maduro sieht Verschwörung

Maduro hatte den Banknoten-Tausch mit dem Kampf gegen internationale Mafiabanden begründet, die seinen Angaben zufolge Milliarden in 100-Bolívares-Scheinen ins Ausland verschoben haben, vor allem nach Kolumbien. Maduro sieht darin eine von den USA unterstützte Verschwörung zur wirtschaftlichen Destabilisierung seines Landes. Auch eine Schließung der Grenzen nach Kolumbien und Brasilien begründete Maduro mit Geldschmuggel in Millionenhöhe durch die "Mafia".

Venezuela steckt in einer schweren Wirtschaftskrise mit drastischen Preissteigerungen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2016 mit einer Inflationsrate von 475 Prozent. Wegen Versorgungsengpässen gab es in dem südamerikanischen Land immer wieder Unruhen und Plünderungen. Die Opposition macht Maduro für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich.

cgn/jj (afp, rtr)

 

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