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Nahost

Plünderungen und Hohlräume

Beim Kampf um die Herzen der Iraker unterlaufen den Amerikanern immer wieder peinliche Pannen: Offensichtlich waren US-Soldaten und Journalisten an den Plünderungen in Bagdad beteiligt.

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US-Soldat in Bagdad: Schwach geworden?

Gelegenheit macht Diebe – diese Erfahrung machen jetzt die Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg. Zwar hat man bisher noch keine Hinweise über den Verbleib der Kunstschätze, die aus dem irakischen Nationalmuseum entwendet wurden, aber es verdichtet sich der Verdacht, dass die Plünderungen und Diebstähle nach dem amerikanischen Einmarsch in Bagdad nicht unbedingt nur auf das Konto marodierender irakischer Bürger oder krimineller Banden gehen. Es könnte durchaus sein, dass zumindest ein Teil der entwendeten Gegenstände sich auch im Besitz amerikanischer Militärs oder auch sie begleitender Journalisten befinden.

Gemälde statt Zigaretten

Erste Hinweise auf diese irakische Variante des alten "Beutekunst"-Themas gab es dieser Tage, als auf dem Dulles International Airport bei Washington ein Techniker des Nachrichtensenders "Fox" festgenommen wurde, der sich auf dem Rückweg aus dem Irak befand und statt der deklarierten Zigaretten im Wert von 20 Dollar ein gutes Dutzend Gemälde mit sich führte, die er aus einem Palast von Saddam-Sohn Uday entwendet hatte.

Die Gemälde stellen keinen nennenswerten Wert dar, sie haben aber den Verdacht der US-Behörden verstärkt, dass auch Ausstellungsstücke des Museums auf diesem Wege in die USA oder in andere Länder gelangen könnten. Ohne Details zu nennen, haben offizielle Stellen der amerikanischen Zollbehörde wissen lassen, dass man weitere Fälle untersucht, in die Soldaten und Journalisten verwickelt seien. In mindestens einem dieser Fälle handle es sich tatsächlich um ein Stück aus der Museumssammlung.

Unschätzbare Werte zerstört

Bei den Plünderungen der Museen von Bagdad und Mosul sowie der Verwüstung der Nationalbibliothek sind unschätzbare Werte zerstört worden und Washington war heftiger Kritik weltweit ausgesetzt, dass es sich nicht um ausreichenden Schutz dieser Kulturgüter gekümmert habe. Immerhin haben die USA inzwischen aber eine Einheit des FBI dafür abgestellt, die Spuren des Plünderungsgutes ausfindig zu machen, um die gestohlenen Gegenstände zu finden und in den Irak zurück zu bringen. Verstärkt werden dabei heimkehrende Militärs und Journalisten überprüft, die beim Einmarsch nach Bagdad ja immer wieder überraschende Funde gemacht hatten.

Die US-Behörden suchen deswegen nicht nur nach Kunstschätzen, sondern auch nach Hunderttausenden Dollar, die offenbar auch von Soldaten entwendet wurden: So haben amerikanische Truppen in den Villen irakischer Offizieller mindestens 600 Millionen Dollar gefunden – frisch verpackt mit Banderolen der jordanischen Staatsbank und in Leichtmetallkoffern gelagert. Die Geldkoffer waren in Wachhäusern und in Hundehütten versteckt und man untersucht nun, ob es sich hierbei um echtes Geld handelt. Erste Hinweise bestätigen die Echtheit des Geldes – zumal es Beweise geben soll, dass kurz vor dem Krieg knapp eine Milliarde US-Dollar von der jordanischen Staatsbank abgehoben worden sei.

400 Millionen Dollar und die Hohlräume von Panzern

Stimmt dies, dann gibt es den berechtigten Verdacht, dass die fehlenden 400 Millionen möglicherweise irgendwo und irgendwie gestohlen wurden. Ein Verdacht, der bekräftigt wurde durch den Fund einiger Hunderttausend Dollar, die in "Hohlräumen" amerikanischer Panzer versteckt waren. Mindestens vier Militärs seien im Zusammenhang mit diesem Fund verhaftet worden. Das Militär bewahrt aber Stillschweigen über den Vorgang. Offenbar will man die weitere Untersuchung nicht gefährden. Der Verdacht, dass diese Geschichte zutrifft, liegt aber nahe. Angesichts solcher Summen würden wahrscheinlich nicht nur einfache Soldaten "schwach", die mehrheitlich aus wirtschaftlich und sozial schwachem Milieu stammen.

Amerikanische Spezialteams sind dieser Tage im Irak aber nicht nur auf der Suche nach solchem Diebesgut. Sie sichten auch in einer Sisyphus-Arbeit Dokumente und Bücher offizieller Stellen, um ein genaueres Bild über Vorgänge und Abläufe unter dem Saddam-Regime zu bekommen. So sind Spezialisten in Umm Qasr dabei, auch die einfachsten Unterlagen der Hafenbehörde zu scannen und am Computer auszuwerten, um illegalen Exporten über diesen Hafen auf die Spur zu kommen. Auch in Bagdad werden auf diese Weise offizielle Dokumente ausgewertet oder von dort zur Auswertung in die USA geschafft.

Plünderungen in anderem Licht

Ein großer Teil der alten Unterlagen von Ministerien und städtischen Einrichtungen ist freilich beim Einmarsch der Amerikaner in die irakische Hauptstadt Verwüstungen, Plünderungen und auch Bränden zum Opfer gefallen, die vor diesem Hintergrund möglicherweise in einem anderen Licht gesehen werden müssen als bisher: Sie waren möglicherweise nicht allein Ausdruck blinder Zerstörungswut eines unkontrollierten Mobs, sondern auch der gezielte Versuch, inkriminierende Unterlagen verschwinden zu lassen.

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