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Afrika

Plötzlich Beamter im Südsudan

Ein Jahr nach seiner Unabhängigkeit ist der Südsudan von einem funktionierenden Staat noch weit entfernt. Die frisch gegründeten Verwaltungen schulen weiterhin viele neue Mitarbeiter - mit deutscher Unterstützung.

Rund 30 Männer und Frauen sitzen in einem kleinen Konferenzraum in einem Regierungsgebäude in der südsudanesischen Hauptstadt Juba. Gebannt schauen sie nach vorne auf die weiße Tafel, vor der die Dozentin steht. "Wir schauen uns jetzt die Verfassung der Republik Südsudan an. Artikel 156 - der Justizdienst", erklärt sie.

Die Zuhörer arbeiten alle in der öffentlichen Verwaltung – in Dörfern, Städten oder der Kreisverwaltung. "Ich bin im Gleichstellungsministerium", erzählt Coleta Akusatro, eine der Kursteilnehmerinnen. Ihr Fachgebiet dort: Frauenbildung.

Fast keine Infrastruktur

Menschen unter einem Baum (Bild: Reuters)

Abgeschnitten von der Welt - die Infrastruktur ist kaum ausgebaut

Keine leichte Aufgabe: Fast zwei Drittel der Frauen in ihrem Zuständigkeitsbereich können nicht lesen und schreiben. Auch die anderen Kursteilnehmer stehen vor großen Herausforderungen. Der Südsudan ist mit 600.000 Quadratmetern fast doppelt so groß wie Deutschland - aber weite Gebiete sind nicht durch Straßen erschlossen und daher kaum erreichbar. Ein funktionierendes Sozial- und Gesundheitswesen gibt es nicht. Auch im Bildungssektor wartet noch viel Arbeit: 98 Prozent der Bevölkerung haben nicht einmal die Grundschule abgeschlossen.

Im Kurs sollen Coleta Akusatro und ihre Kollegen nun lernen, wie sie ihre Verwaltungsbereiche so führen können, dass der Staatsaufbau im Südsudan gelingt. "Wir haben schon das Finanzwesen, die Struktur der lokalen Verwaltung und die Projektplanung durchgenommen", erzählt sie. Nun steht als nächste Einheit Verwaltungsrecht auf dem Programm.

50 Jahre ohne Staat

Zeltlager Rückkehrer (Bild: Jared Ferrie)

Auch sieben Jahre nach Ende des Bürgerkrieges ist der Südsudan noch ein armes Land

Die Beamten sollen einen Staat aufbauen - ohne selbst zu wissen, wie das geht. Verwaltung war lange Zeit ein Fremdwort. Die britischen Kolonialherren bauten nur in den größeren Städten eine Verwaltung auf. Den Großteil des Landes regierten traditionelle Herrscher. Nach der Unabhängigkeit 1956 brach ein Bürgerkrieg aus - und alles blieb beim Alten: Die neuen Herrscher aus dem Nordsudan stellten die Städte unter ihre Administration und überließen den Rest des Landes sich selbst.

2005 trat ein Friedensvertrag zwischen dem Norden und den Rebellen der Südsudanesischen Volksbefreiungsfront SPLM in Kraft. Der Süden wurde autonom - und brauchte über Nacht Beamte. "Es gibt Menschen, die Positionen inne haben, weil sie die richtigen Freunde oder Verwandte hatten oder einfach gerade da waren, als dringend Personal gebraucht wurde", sagt Marion Hörmann. Sie leitet das Regierungsführungs-Programm der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Die Hälfte der Beamten hat keinen Schulabschluss

Mann vor südsudanesischer Flagge (Bild: picture alliance/Photoshot )

Viele Beamte waren früher SPLA-Rebellen

Nach einem Bericht der britischen Zeitschrift "The Economist" hat nur etwa die Hälfte die Grundschule abgeschlossen. Auch die südsudanesische Regierung hat erkannt, dass das auf die Dauer nicht gut gehen kann. Zusammen mit der GIZ und anderen internationalen Organisationen hat sie daher ein Reformprogramm für den öffentlichen Dienst aufgelegt.

Denn nur wenn die lokale Verwaltung dafür sorgt, dass auch die Entwicklung abgelegener ländlicher Gebiete vorankommt, kann es auf Dauer im Land friedlich werden. Die einseitige Verteilung der Ressourcen gilt als einer der Auslöser für den jahrzehntelangen Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südsudan: "Steuern wurden erhoben und nach Khartum geschickt. Die Regierung dort entschied dann, wo das Geld investiert werden sollte", sagt Martin Aciek Malual. Er arbeitet bei einer lokalen Verwaltungsbehörde, die den Reformprozess steuert.

Weder Geld noch Öl fließen

Das Ergebnis in der Vergangenheit: Während im Süden kaum Geld in Straßen, Schulen oder Krankenhäuser investiert wurde, wurde der Norden immer wohlhabender. In den 2000er Jahren gingen fast 90 Prozent aller Investitionen in ein Gebiet rund um die damalige Hauptstadt Khartum. Das soll mit gut ausgebildeten Mitarbeitern nun anders werden. Nur eine wichtige Ressource fehlt Coleta Akusatro und den übrigen Absolventen des GIZ-Trainings: Geld. Denn das Budget des Südens bestand bisher zu 98 Prozent aus Öleinnahmen. Doch die fließen nicht mehr, seit der Norden zu Jahresbeginn die Leitungen schloss, durch die das Öl bisher exportiert wurde.

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