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Fokus Südosteuropa

Pläne zwischen Griechenland und Israel

Als erster israelischer Premier hat Benjamin Netanjahu Griechenland besucht. In Gesprächen mit Regierungschef Giorgos Papandreou ging es vor allem um die Lage im Nahen Osten, aber auch um engere bilaterale Kooperation.

Israels Premieminister Benjamin Netanjahu (re.) im Gespräch mit Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou Athen (Fotol: AP)

Israels Premier Netanjahu (re.) bei seinem griechischen Amtskollegen Papandreou

Mitte August ist die Urlaubssaison in Griechenland auf ihrem Höhepunkt. Zu diesem Zeitpunkt finden in Athen keine Politik und erst recht kein Staatsbesuch statt, es sei denn, man möchte, dass der Besuch bloß keine große Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Genau das scheint der griechische Ministerpräsident Papandreou zu wollen. Nur drei Wochen nach seinem Blitzbesuch in Tel Aviv empfängt er nun bei glühender Hitze den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu in Athen. Im Schnellverfahren wollen beide Länder ihre Beziehungen ausbauen, und sie haben wohl einiges nachzuholen, denn Griechenland hat Israel erst 1993 völkerrechtlich anerkannt. Die Interessenlage scheint eindeutig: Nach dem heftigen Streit mit der Türkei um den Angriff auf eine Gaza-Hilfsflotte sucht Israel neue Freunde und Bündnispartner, während das krisengeschüttelte Griechenland alternative Einnahmequellen und neue Impulse für seine Wirtschaft braucht.

Athen setzt auf Tourismus

Bucht in Kreta, Griechenland, mit vielen Sonnenschirmen an einem Sandstrand (Foto: Picture Alliance/Chromorange)

Griechen wollen mehr Touristen aus Israel

Der griechische Ministerpräsident Papandreou deutet sogar eine "strategische Zusammenarbeit" mit Israel an. Es sei ein Treffen der Wirtschaftsminister und auch der Tourismusminister vereinbart, damit Unternehmer aus Griechenland und Israel zusammenkommen, sagte Papandreou und fügte hinzu, es gehe dabei um innovative Investitionen, Israel habe bereits einen großen Beitrag zur Innovation geleistet. "Wir wollen Innovationen gemeinsam vorantreiben, etwa bei den alternativen Energiequellen, in der Landwirtschaft oder auch im Bereich der Sicherheit. Deswegen werden wir eine gemeinsame Kommission gründen, die unsere Zusammenarbeit strategisch vorantreiben wird", so Papandreou. Ein Beispiel aus dem Tourismus: Für 2010 wird eine Zunahme der Zahl israelischer Besucher in Griechenland um 40 Prozent vorausgesagt. Wohl die einzige gute Sommernachricht für die schwächelnde Tourismusbranche des Landes. Die Regierung Papandreou würde gerne noch mehr Urlauber aus Israel auf die griechischen Inseln locken.

Neue Bündnispartner gesucht

Griechische Flagge im Hintergrund, vorne rechts israelische und links türkische (Grafik: DW)

Griechenlands Drahtseilakt zwischen Istanbul und Jerusalem

Netanjahu hat wiederum andere Sorgen: Medienberichten zufolge sucht die israelische Luftwaffe dringend neue Übungsgebiete, nachdem die Türkei ihren Luftraum für israelische Militärflüge gesperrt hat. Griechenland wäre eine ernsthafte Option für die Israelis, die sich im Gegenzug möglicherweise bereit erklären, moderne Militärtechnologie zu liefern. Dabei möchte Griechenland auf jeden Fall den Eindruck vermeiden, man schmiede ab sofort eine gemeinsame Front gegen die Türkei. Papandreou gibt sich zuversichtlich, dass ihm dieser diplomatische Drahtseilakt auch gelingen wird: "Die griechisch-türkischen oder auch die türkisch-israelischen Beziehungen stehen nicht in Konkurrenz zu den guten Beziehungen, die wir nun entwickeln wollen. Frieden und Konfliktlösung setzen nun mal regionale Zusammenarbeit voraus", versicherte Papandreou, räumte indes ein, gelegentliche Spannungen mit dem Nachbarland Türkei ein. "Die Zypernfrage bleibt offen, aber die Grundeinstellung ist doch die, dass wir gute Nachbarschaftsbeziehungen auf der Grundlage des Völkerrechts pflegen wollen", so Papandreou.

Im griechischen Staatsradio hieß es, bei den Gesprächen zwischen Papandreou und Netanjahu solle es vor allem um die Lage im Nahen Osten gehen. Das war wohl etwas übertrieben, aber nicht ganz verkehrt: Der griechische Ministerpräsident würde lieber heute als morgen vermitteln, denn er ist ein versierter Außenpolitiker und Präsident der Sozialistischen Internationale, für die auch der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak als Vizepräsident tätig ist. Der Name Papandreou öffnet heute noch viele Türen im Nahen Osten. Die Frage ist nur, ob das reicht, damit man Erfolg hat im Labyrinth des Nahostkonflikts.

Autor: Jannis Papadimitriou

Redaktion: Mirjana Dikic/Gero Rueter

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