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Wirtschaft

Pläne für Wiederaufbau im Libanon

Nach der Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah diskutieren Experten über die exakte Höhe der Kriegsschäden im Libanon. Sie machen aber auch Hoffnung auf einen kurzfristigen Wiederaufbau-Boom im Zedernstaat.

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145 libanesische Brücken warten auf den Wiederaufbau

Nur kurze Zeit nach Inkrafttreten der Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah am Montag (14.8.2006) denken Wirtschaftsexperten, die internationale Gemeinschaft und private Firmen bereits über den zügigen Wiederaufbau des Libanons nach. Bislang hat die internationale Gemeinschaft 220 Millionen Euro an Hilfen zugesagt. Zudem bot Schweden an, eine Geberkonferenz zum Wiederaufbau des Zedernstaats zu organisieren. Sein Land sei bereit, eine Führungsrolle bei internationalen Wiederaufbaubemühungen zu übernehmen, erklärte Ministerpräsident Göran Persson am Montag. "Wir gehen davon aus, dass der Waffenstillstand eingehalten wird, so dass die Konferenz plangemäß am 31. August in Stockholm stattfinden kann", unterstrich Schwedens Außenminister Jan Eliasson.

Höhe der Kriegsschäden umstritten

Infrastruktur im Libanon - Flughafen Beirut

Die israelischen Angriffe trafen "lebenswichtige" Einrichtungen wie den Beiruter Flughafen

Dabei ist das konkrete Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden im Libanon noch gar nicht absehbar: Während die Vereinten Nationen die Sachschäden auf rund sechs Milliarden Dollar schätzen, geht Alexis Nassan, langjähriger Repräsentant der deutschen Wirtschaft im Libanon, von direkten und indirekten Kriegsschäden in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar aus.

Einig sind sich die Experten allerdings darin, dass vor allem die libanesische Infrastruktur unter den israelischen Bombenangriffen gelitten habe. Laut libanesischen Angaben wurden 29 "lebenswichtige" Einrichtungen zerstört oder beschädigt, darunter der Flughafen von Beirut, Häfen, Wasserreservoirs und Stromwerke. Auch 630 Kilometer des Straßennetzes und 145 Brücken sind nicht mehr passierbar.

Rutscht der Libanon jetzt in die Zahlungsunfähigkeit?

Erschwerend hinzu kommt, dass der Libanon zu Beginn der israelischen Angriffe vor fünf Wochen noch nicht einmal die wirtschaftlichen Folgekosten des verheerenden, jahrzehntelangen Bürgerkriegs verdaut hatte. Die Staatsverschuldung lag zuletzt bei 40 Milliarden US-Dollar, was 180 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht.

Dass der Libanon jetzt in die Zahlungsunfähigkeit gerät, ist trotzdem kein allzu wahrscheinliches Schreckensszenario: "Aus purem Eigeninteresse heraus wird neben der internationalen Gemeinschaft auch die arabische Welt den Libanon unterstützen", glaubt Dietmar Hornung, Senior Economist für Emerging Markets bei der Dekabank. Libanon-Experte Nassan betont, dass beispielsweise Saudi-Arabien dem Libanon bereits eine Milliarde US-Dollar an Wiederaufbauhilfe zugesagt habe.

Ausländische Firmen hoffen auf Wiederaufbau-Boom

Überhaupt warnt Ökonom Hornung davor, die wirtschaftlichen Folgekosten der israelischen Angriffe im Libanon zu überschätzen: "Entscheidend ist es jetzt, das Vertrauen der Wirtschaftsakteure zu stärken, dass der Waffenstillstand von Dauer ist." Dann wäre der Krieg nicht mehr als ein "kurzes, heftiges Gewitter", was die langfristigen wirtschaftlichen Aussichten nicht trüben könne.

Auch die Weltbank teilt diese positive Einschätzung: "Der Wiederaufbau selber wird zur wirtschaftlichen Auferstehung beitragen, weil dadurch Jobs geschaffen werden", heißt es aus Washington. Libanon-Experte Nassan rechnet gar mit einem regelrechten Wiederaufbau-Boom vor allem in der Baubranche, von dem auch kleine deutsche Unternehmen zu profitieren hoffen: "Im Moment bemühen wir uns intensiv um Kontakte zu großen deutschen Baufirmen, die wir als Dienstleister in den Libanon begleiten möchten", sagt Rolf Reppert, Bauingenieur vom Berliner Ingenieurbüro für Terminplanung.

Konjunkturmotor Tourismusbranche leidet am stärksten

Israel Libanon Ölverschmutzung am Strand von Beirut

Das ausgelaufene Öl wird auch an den Touristenstränden angeschwemmt

Nichtsdestotrotz werden die israelischen Angriffe die libanesische Wirtschaft noch lange belasten, denn sie haben den Motor des libanesischen Konjunkturaufschwungs getroffen: Boomte der Tourismus im Zedernstaat noch in den vergangenen Jahren, wurde ihm mit Beginn der israelischen Bombardements klar die Grundlage entzogen. "Hier ist viel Vertrauenskapital zerstört worden, das langwierig wieder aufgebaut werden muss", betont Ökonom Hornung. "Das Gedächtnis der Touristen hält zwar nicht allzu lang, aber immerhin doch eine Saison."

Zumal potenzielle Touristen nicht nur durch die Angst vor neuen kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern auch durch Bilder von der Ölkatastrophe vor Libanons Küste verschreckt werden könnten: Seit dem Bombardement eines Kraftwerks in Dschije am 14. Juli flossen zirka 30.000 Tonnen Öl ins Mittelmeer und verursachten die bisher schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte des Libanons. Deshalb glaubt auch Libanon-Experte Nassan: "Die Tourismuswirtschaft im Libanon ist erst einmal tot."

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