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Politik

Pläne für US-Angriff auf Iran?

Die USA haben US-Medienberichten zufolge mit detaillierten Planungen von Angriffen auf Iran begonnen. Dabei soll auch der Einsatz von atomaren Waffen erwogen werden.

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Im Visier: Iran und seine Atomanlagen

Die Behauptung kommt nicht von irgend jemandem, sondern von Seymour Hersh im Magazin "New Yorker“. Dem Mann, der einst das amerikanische Massaker im vietnamesischen My Lai (1968) aufdeckte und dann 2004 die Misshandlungen im irakischen Gefängnis von Abu Ghraib.

Seymour Hersh

Enthüllungsjournalist Seymour Hersh

In der jüngsten Ausgabe des "New Yorker“ beschreibt Hersh, dass US-Sondereinheiten bereits im Iran aktiv seien und dort Verbindung mit verschiedenen ethnischen Minderheiten aufgenommen haben - wie den Azeris, den Balutschen und den Kurden, die alle immer wieder Probleme mit der Zentralregierung in Teheran haben. Flugzeuge der US-Marine im Arabischen Meer führten bereits seit dem vergangenen Jahr simulierte Anflüge für Atomangriffe in unmittelbarer Nähe iranischer Raketenstellungen durch und in Washington arbeite man unter Hochdruck an Strategien für einen Militärschlag gegen den Iran. Und hierbei wird sogar der Einsatz von taktischen Atomwaffen in Erwägung gezogen.

Es geht um den Atomstreit - und um Energievorkommen

Im Vordergrund dieses Szenarios stehe der Atomstreit mit Teheran, Hersh zitiert aber Experten, die erklären, der Iran sei im Grunde schon länger als der Irak ein Ziel für George W. Bush und die ihn unterstützenden Neokonservativen. Ihnen gehe es sicher auch um die Gefahr einer iranischen Atombombe, aber noch um viel mehr: Die Bush-Verwaltung betreibe den Sturz des iranischen Regimes, weil sie die Kontrolle über die Erdöl- und Erdgasvorkommen im Iran und in den angrenzenden Ländern erlangen wolle.

Die Bush-Strategen gehen dabei von einer ebenso einfachen wie falschen Annahme aus: Wenn amerikanische Angriffe erst einmal auch nur einen Teil der iranischen Atomanlagen zerstört hätten, dann sei dies doch eine empfindliche Demütigung des Regimes und dann werde die iranische Bevölkerung sich gegen dieses Regime erheben. Iran-Kenner - auch in den USA - gehen eher von einer gegensätzlichen Folge aus: Ein US-Angriff würde im Iran die Reihen enger schließen und die Atomfrage erst Recht zu einer "Sache der nationalen Ehre“ machen.

Und Washington würde auch beim iranischen Regime eher das Gegenteil von dem erzielen, was man mit Säbelrasseln erreichen will: Je mehr Washington mit Krieg droht, desto mehr wird Teheran zur Überzeugung gelangen, dass solch eine Entwicklung nur durch den Besitz von Atomwaffe zu verhindern sei.

Weitere Internationalisierung der Gewalt

Iran, Atomkraftwerk, Natanz

Urananreicherungsanlage in Natans

In den USA gibt es nach dem Bericht des "New Yorker“ keineswegs eine übereinstimmende Meinung über die Iran-Strategie des Weißen Hauses. So halten zahlreiche Experten des Pentagon und der Geheimdienste einen Angriff auf die iranischen Atom-Anlagen zumindest für schwer durchführbar, auf jeden Fall aber für äußerst gefährlich: Man wisse in den USA nicht, an wie vielen Orten sich die iranischen Atomanlagen befinden und um wie viele es sich dabei handelt. Auch die Tatsche, dass einige Anlagen - etwa in Natans - unterirdisch und schwer befestigt seien, löst einige Skepsis über einen erfolgreichen Angriff aus.

Skeptiker in den USA warnen außerdem vor den Folgen, die ein solches Vorgehen weltweit haben könnte und würde: Nicht nur im Irak, wo die direkten Einflussmöglichkeiten des Iran sehr groß sind sondern in der islamischen Welt insgesamt, wo man einen solchen Angriff als direkten Affront betrachten und beantworten würde. Auch hier könnte die Bush-Verwaltung genau das auslösen, was sie angeblich vermeiden und verhindern will: eine weitere Internationalisierung der Gewalt.

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