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Filme

Pixomondo - Der deutsche Oscar

Die Firma Pixomondo schuf die fantastischen Spezialeffekte für den Film "Hugo Cabret". Dafür gab es jetzt einen Oscar. Dabei ist das Unternehmen gerade einmal zehn Jahre alt.

Es begann im Keller des Elternhauses. Im hessischen Pfungstadt gründete Thilo Kuther eine kleine Firma, die sich mit der Umsetzung von Spezialeffekten für Film und Fernsehen beschäftigte. "Wir haben im Bad die Dusche ausgebaut und fünf Rechner übereinander gestapelt - das war unser erster Serverraum", erinnert sich der heutige Deutschland-Chef von Pixomondo, Christian Vogt.

Die Firma wuchs rasch. 2008 verlegte sie ihren Unternehmenssitz nach Frankfurt/Main. Inzwischen arbeiten 670 Mitarbeiter für Pixomondo - weltweit. Man betreibt Niederlassungen an elf Standorten, darunter Los Angeles und Shanghai, Peking und London.

Weltweit gefragt: Pixomondo

Pixomondo ist neben zwei Münchner Anbietern die führende deutsche Firma in Sachen Special Effects. Und nicht nur das. Sie spielt weltweit mit in der ersten Liga, wenn es um die Bearbeitung von digitalen Dienstleistungen beim Film geht.

Dass der amerikanische Film "Hugo Cabret" von Starregisseur Martin Scorsese gerade den Oscar für die besten Spezialeffekte bekommen hat, ist vor allem das Verdienst von Pixomondo. Es ist der sichtbare Beweis dafür, dass das Unternehmen heute zu den Größen in der Branche zählt. Bei der Produktion "Hugo Cabret" lässt sich das auch in trockenen Zahlen ausdrücken: Die Pixomondo-Mitarbeiter haben bis zur Fertigstellung des Films 850 Einstellungen bearbeitet. Das sind rund 98 Prozent der digital bearbeiteten Bilder. Und da "Hugo Cabret" zu großen Teilen am Computer entstand, kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die Frankfurter Firma den Löwenanteil am Spezialeffekte-Oscar verdient hat.

Alex Henning, Rob Legato und Ben Grossmann mit den Oscars auf der Bühne (Foto: REUTERS/Mike Blake)

And the Oscar goes to... Alex Henning, Rob Legato and Ben Grossmann (von l.)

Das sah man in der Oscar-Nacht nicht auf den ersten Blick. Die amerikanischen Pixomondo-Mitarbeiter Ben Grossmann und Alex Henning sowie Scorseses Mann für Special Effects, Robert Legato, nahmen die goldenen Statuetten in Los Angeles entgegen. Pixomondo wird das verschmerzen. Längst sieht man sich als Global Player. "Wir sind überglücklich und stolz, nach unserer Arbeit für 'Hugo Cabret' nun den Oscar in den Händen zu halten", sagt Christian Vogt. Man habe bewiesen, dass Pixomondo die kompletten visuellen Effekte für eine große Hollywood-Produktion pünktlich liefern könne.

Was zählt, ist auch der Preis...

Zuverlässige Arbeit auf hohem Niveau bescheinigt auch Thomas Haegele deutschen Special Effect-Schmieden wie Pixomondo. Haegele ist Professor an der Filmakademie Baden-Württemberg und Mitglied der weltweit aktiven Visual Effects Society. Deutsche Firmen seien bei der digitalen Postproduktion weltweit sehr gut unterwegs, sagt Haegele. Außerdem könnten sie preiswert produzieren: "Die haben gelernt mit überschaubaren Budgets auszukommen und sind daher oft günstiger als amerikanische Firmen." Handwerklich gute Arbeit, Pünktlichkeit bei der Abgabe machten sie konkurrenzfähig, meint Haegele.

Szene aus Hugo Cabret mit Asa Butterfield und Ben Kingsley (Foto: Paramount Pictures, Jaap Buitendijk/AP/dapd)

Im Film tüffteln Ben Kingsley und Asa Butterfiled - hinter den Kulissen die Pixomondo-Mitarbeiter

Wenn man als Zuschauer Filme wie "Hugo Cabret" im Kino sieht, dann bekommt man die Arbeit der Spezialisten freilich nur indirekt mit. Für den Scorsese-Film haben knapp 500 Mitarbeiter in neun Städten weltweit über zwölf Monate gearbeitet. Die große Kunst der Spezialeffekte besteht darin, diese Arbeit "unsichtbar" zu machen. Alles soll so echt wie möglich aussehen. Wenn der junge Hauptdarsteller im Film "Hugo Cabret" am Zeiger einer gigantischen Pariser Bahnhofsuhr hängt und viele hundert Meter über dem Erdboden schwebt, dann ist das nur für das Kino-Publikum aufregend. Entstanden sind solche Sequenzen im Studio und am Computer. Und wenn der junge Hugo in einer Traumsequenz auf seinen Körper schaut und dieser sich dann in Sekundenbruchteilen in einen Maschinenmenschen verwandelt, dann ist das natürlich auch die große Kunst digitaler Postproduktion.

Emmerich ebnete den Weg nach Hollywood

Pixomondo dürfte mit dem Oscar für Spezialeffekte nun weltweit für Furore sorgen. Bekannt in der Filmszene war Pixomondo freilich schon vorher. Einen ersten großen Erfolg im deutschsprachigen Raum landete das Unternehmen vor vier Jahren mit der Bearbeitung des Films "Der rote Baron" mit Matthias Schweighöfer.

Den Sprung nach Hollywood ebnete dann Regisseur Roland Emmerich, der Pixomondo nach Los Angeles holte. Dort tüftelten die Mitarbeiter die Effekte für Emmerichs Katastrophenopus "2012" aus. Doch auch in Europa war man ein gefragter Partner von Produzenten und Regisseuren. Unvergessen die Effekte für Lars von Triers in Cannes uraufgeführten Film "Melancholia", in der die Pixomondo-Leute effektvoll die Welt untergehen ließen.

Szene mit Kirsten Dunst aus Melancholia (Foto Cannes Filmfest)

Auch der europäische Film braucht Tricks: Weltuntergang in "Melancholia" mit Kirsten Dunst

In den letzten Jahren hat sich die Arbeit für die Trickfilmspezialisten der Branche rasant verändert. "Früher waren Special Effects sündhaft teuer", sagt Sven Martin, Visual Effects Supervisor bei Pixomondo. Noch vor zehn Jahren hätten die Effekte auf riesigen Spezialmaschinen berechnet werden müssen. Mit wachsender Rechnerleistung, spezieller Software und vielen gut ausgebildeten jungen Menschen habe sich das umgekehrt: "Heute ist digital oft billiger als real."

Das gilt übrigens nicht nur für die Arbeit an großen Kinofilmen. Auch das Fernsehen ist ein Abnehmer der Pixomondo-Dienstleistungen. Wissenschaftssendungen oder auch Werbefilme werden von den Frankfurtern bearbeitet. Und schließlich holen sich Kunden auch für große Veranstaltungen und Events die Digital-Profis ins Haus. Nach dem Oscar für "Hugo Cabret" dürften sich die Auftragsbücher von Pixomondo weiter füllen.

Autor: Jochen Kürten (mit dpa)
Redaktion: Sarah Hofmann

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