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Kultur

Piusbruderschaft contra Vatikan

Die Priesterbruderschaft Pius X. will am 27. und 29. Juni eigenmächtig neue Priester weihen. Sie stellt sich damit erneut gegen den Papst. Die Folgen sind noch nicht abzuschätzen. Eine Chronologie der Entwicklung.

Die Kirche der konservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. in Ecône (Schweiz) - Foto: dpa

Auch im schweizerischen Ecône will die Piusbruderschaft neue Priester weihen.

Am 21. Januar 2009 hebt der Vatikan die Exkommunikation von vier Bischöfen der ultra-konservativen Priesterbruderschaft Pius X. auf. Diese waren vor mehr als 20 Jahren (Juni 1988) von Erzbischof Marcel Lefebvre, dem Gründer der Gemeinschaft, gegen das ausdrückliche Verbot des Papstes geweiht worden. Einige Tage vor der Bekanntgabe aus Rom wird ein in Deutschland aufgezeichnetes Fernsehinterview veröffentlicht, in dem einer der betroffenen Bischöfe, Richard Williamson, die Existenz von Gaskammern und den millionenfachen Mord an den Juden während des Dritten Reiches leugnet. Darin behaupt er, es gebe keine eindeutigen historischen Beweise für die Existenz von Gaskammern zur Vernichtung der Juden.

Papst Benedikt XVI. um Schadensbegrenzung bemüht

Sofort steht der Antisemitismusvorwurf gegen die katholische Kirche im Raum. Bereits in den Jahren zuvor hatte der Vatikan mit der Wiederzulassung der tridentinischen Messe für Irritationen gesorgt. In der darin enthaltenen Karfreitagsfürbitte ist es erlaubt, für die Bekehrung der Juden zu Christus zu beten. Papst Benedikt XVI. beteuert umgehend, mit der Aufhebung der Exkommunikation und der Wiederzulassung der alten Messe habe er lediglich die Rückkehr der traditionalistischen Gemeinschaft ermöglichen wollen. In der Mittwochsaudienz vom 28.01.2009 trägt er sichtlich nervös die Bitte vor, Bedingung hierfür sei aber auch die Anerkennung des Lehramtes und der Verlautbarungen des zweiten vatikanischen Konzils durch die Bruderschaft.

Kritik am Vatikan aus Deutschland

Papst Benedikt XVI. - Foto: dpa

Papst Benedikt XVI. will die Piusbruderschaft wieder in die katholische Kirche eingliedern.

Zahlreiche Vertreter aus Politik und Gesellschaft, allen voran die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, aber auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sind empört über das Verhalten des Papstes und seiner Kurie. Die Kanzlerin bitte um eine Klarstellung aus Rom. In einem persönlich unterzeichneten Brief an alle Bischöfe der Weltkirche räumt Benedikt XVI. am 10. März 2009 handwerkliche Fehler der Kurie ein. Gleichzeitig erneuert er auch seinen Willen, die Priesterbruderschaft wieder in die katholische Kirche eingliedern zu wollen. Bis die Glaubenskongregation aber eine Lösung gefunden habe, hätten Bischöfe und Priester der Gemeinschaft nicht das Recht, Weihen oder ähnliche Handlungen vorzunehmen.

Priesterbruderschaft widersetzt sich weiterhin Rom

Trotzdem weihen Bischöfe der Piusbruderschaft im März und Juni 2009 in der Schweiz und in den USA junge Männer zu Subdiakonen und Priestern. In Fulda weiht die Bruderschaft eine Kapelle. Rom reagiert und erklärt die für Ende Juni geplanten Weihen in Zaitzkofen bei Regensburg und im schweizerischen Ecône für unerlaubt und verweist auf die noch offenen Annäherungsprozess. Die Priesterbruderschaft begründet ihr Vorgehen dagegen mit einer Notsituation der Kirche in Deutschland und in der Schweiz. Ausdruck hierfür sei die sinkende Zahl der Priesterweihen in der katholischen Kirche, heißt es in einer Erklärung.


Autor: Clemens Finzer
Redakteur: Klaus Krämer