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Kultur

Piusbrüder provozieren den Papst

Gegen den Widerstand des Papstes hat die erzkonservative Piusbruderschaft drei Männer zu Priestern geweiht. Der Vatikan nennt dies illegitim, weil die Pius-Bischöfe keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche haben.

Katholischer Geistlicher mit Ministranten vor einem Altar (Foto: dpa)

Der Weihegottestdienst wurde nach vorkonziliarem Ritus abgehalten

An dem Gottesdienst im Priesterseminar im bayerischen Zaitzkofen nahmen am Samstag (27.06.2009) nach unterschiedlichen Angaben zwischen 1200 und 2000 Menschen teil. Die Weihe spendete der spanische Bischof Alfonso de Galarreta. Seine Exkommunikation war erst im Januar von Papst Benedikt XVI. aufgehoben worden. Der Gottesdienst wurde nach vorkonziliarem Ritus in lateinischer Sprache gefeiert. Die neu geweihten Priester stammen nicht aus Deutschland, sondern aus Schweden, Polen und der Schweiz. Geweiht wurden außerdem zwei Diakone.

Vatikan: Illegitime Handlung

Papst Benedikt XVI. hält eine Oblate hoch (Foto: AP)

Papst Benedikt XVI. sprach sich gegen das Vorgehen der Piusbrüder aus

Benedikt XVI. hatte die Exkommunikation des spanischen und dreier weiterer Piusbischöfe im Januar zwar zurückgenommen. Allerdings stellte der Vatikan klar, dass Priesterweihen der Piusbrüder nach wie vor illegitim seien. Solange die Bruderschaft keine kanonische Stellung in der Kirche habe, übten auch ihre Mitglieder keine rechtmäßigen Ämter in der Kirche aus.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hatte die Weihen als "Affront gegen die Einheit der Kirche" bezeichnet. Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, in dessen Diözese Zaitzkofen liegt, rügte das Festhalten der Piusbrüder an den Weihen als "Akt der Widerspenstigkeit und einer gewissen Borniertheit".

Pius-Sprecher: Keine Priester zu weihen wäre Todesstoß

Der Leiter des Priesterseminars in Zaitzkofen, Regens Pater Stefan Frey, sagte zu Beginn der Feier, er bedauere die "Emotionalisierung der öffentlichen Diskussion" über die Bruderschaft. Wenn sie aufhören würde, "Priester zu weihen, die Messe zu feiern und Sakramente zu spenden, dann würde das faktisch unsere Auflösung bedeuten", erklärte Frey.

Die Bruderschaft könne nur mit neuen Priestern überleben, keine neuen Priester zu weihen käme einem "Todesstoß" gleich, sagte Pater Andreas Steiner, Pressesprecher der Piusbruderschaft in Deutschland. Mitglieder- und Priesterschwund bedrohten die Katholische Kirche, fügte Steiner hinzu. "Die Kirche blutet aus." Deutschland sei zu einem "Missionsland verkommen".

Stetige Provokationen für den Papst

Die neue Kirche der konservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. in Ecône in der Gemeinde Riddes im Wallis in der Schweiz (Foto: dpa)

Die Kirche der Priesterbruderschaft St. Pius X. in Ecône in der Gemeinde Riddes im Wallis (Schweiz)

Die Piusbrüder hatten bereits in den vergangenen Wochen in den USA und in Frankreich Priester geweiht. Vor drei Wochen wurde zudem in Fulda eine Kapelle geweiht. In Zaitzkofen betreibt die Bruderschaft seit 1978 ein Priesterseminar. Nach Angaben der Gemeinschaft wurden dort inzwischen 108 Priester geweiht, die ersten Weihen wurden 1981 gespendet. Am kommenden Montag will die Bruderschaft in der Schweiz acht Priester und zehn Diakone in ihr Amt einführen. Die Zeremonie soll voraussichtlich in Ecône im Kanton Wallis gefeiert werden, wo die Bruderschaft einen Sitz hat.

In der Öffentlichkeit sorgte zuletzt die Holocaust-Leugnung des britischen Pius-Bischofs Richard Williamson für Empörung. Auch er gehört zu den Bischöfen gehört, deren Exkommunikation von Papst Benedikt XVI. aufgehoben wurde.

Die Gemeinschaft lehnt etliche Reformen der Katholischen Kirche ab, darunter das Zweite Vatikanische Konzil. Darin hatte die Kirche Mitte der 1960er Jahre unter anderem ihr Verhältnis zu anderen Religionen revidiert und damit eine Epoche des Miteinanders mit dem Judentum eingeleitet. Außerdem wurde die Liturgie erneuert, weg von der Messe in Latein hin zur Predigt in der Landessprache. (mas/gri/ap/afp/dpa)

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