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Afrika

Pistorius-Prozess nach kurzer Anhörung vertagt

Der körperbehinderte Sportler Oscar Pistorius, der wegen Mordes an seiner Freundin angeklagt ist, musste zur ersten Anhörung erscheinen. Nach 15 Minuten wurde die Verhandlung vertagt.

Oscar Pistorius vor Gericht (Foto: REUTERS/Mike Hutchings)

Oscar Pistorius vor Gericht

Die Verhandlungstag endete nach kurzen 15 Minuten. Die erste Anhörung im Fall Pistorius wurde auf den 19. August 2013 vertagt. Die Staatsanwalt will im Mordfall Reeva Steenkamp erst weiter ermitteln.

Pistorius hat zugegeben, seine Freundin Reeva Steenkamp in der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 2013 in seiner Villa in einem Vorort von Pretoria erschossen zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor. Pistorius sagt, er habe seine Freundin mit einem Einbrecher verwechselt.

Oscar Pistorius und Reeva Steenkamp (Foto: REUTERS/Thembani Makhubele)

Pistorius mit Steenkamp - eine Woche vor den Todesschüssen

Der tiefe Fall des "Blade Runners"

Die Anklage des Sportstars hat in den vergangenen Monaten nicht nur die Menschen in Südafrika, sondern auch die internationalen Medien beschäftigt, die ausführlich über den tiefen Fall des "Blade Runners" berichteten. Dieser Spitzname wurde ihm gegeben, weil er der erste Läufer war, der mit zwei amputierten Beinen auf Karbon-Prothesen an den Olympischen Spielen teilnahm. Er qualifizierte sich nicht nur für das Halbfinale des 400-Meter-Laufs, sondern auch für das Finale der 4×400 Meter-Staffel. Er nahm auch an den anschließenden Paralympischen Spielen teil und holte dort zwei Gold- und eine Silbermedaille.

Zurück in Südafrika wurde der Sportheld begeistert empfangen, erinnert sich Janet Whitton, Sportjournalistin beim südafrikanischen TV-Kanal SABC 1. "Alle haben ihn geliebt, egal welcher Rasse sie angehörten oder aus welcher gesellschaftlichen Klasse sie stammten. Sogar die, die sich nicht für Sport interessieren, haben ihn verehrt."

Südafrika im Schockzustand

Oscar Pistorius rennt während der Olympischen Spiele (Foto: Martin Meissner/AP/dapd)

Seine Prothesen verhalfen Pistorius zum Spitznamen "Blade Runner"

Der Schock war deshalb nach der Tat umso größer. "Ich habe an das Gute in ihm geglaubt", sagte eine enttäuschte Passantin am Tag nach dem Tod von Steenkamp einem Reporter der DW. "Am Anfang konnte ich es nicht fassen und habe erstmal alles überprüft. Danach war ich einfach nur schockiert", erzählte ein anderer Passant. "Ich glaube einfach nicht, dass Oscar Pistorius zu einem kaltblütigen Mord in der Lage ist", so ein Dritter, der einen Unfall im Hause Pistorius vermutete.

Aber jetzt, rund drei Monate nach dem Vorfall, seien die meisten Südafrikaner schon skeptischer, ob Pistorius wirklich unschuldig ist, sagt Whitton. "Wir haben in Südafrika eine sehr hohe Kriminalitätsrate, es gibt viel Gewalt gegen Frauen und deswegen hat man hier wenig Mitgefühl für ihn", meint die Sportjournalistin. Außerdem wären nach der Ermordung von Steenkamp weitere negative Dinge über Pistorius bekannt geworden, wie zum Beispiel seine Hitzköpfigkeit und seine Vorliebe für Waffen. "Das wirft kein gutes Licht auf ihn."

Verurteilung wegen Steuerhinterziehung

Medienvertreter vor dem Gericht (Foto: STEPHANE DE SAKUTIN/AFP/Getty Images)

Medienrummel beim Prozessauftakt am 20. Februar 2013 in Pretoria

Nach der Mordanklage wurde auch bekannt, dass er mit einem Jahreseinkommen von umgerechnet 480.000 Euro seine Steuern nicht immer bezahlt hat. Dafür wurde er Ende Mai in einem getrennten Verfahren zu einer Geldstrafe von etwa 80.000 Euro verurteilt. Auch das verstärkte das negative Bild bei vielen Südafrikanern.

Inzwischen habe das allgemeine Interesse an Pistorius allerdings leicht abgenommen, erklärt Sportjournalistin Whitton im Gespräch mit der DW. Und nachdem der Prozessbeginn nun auf den 19. August 2013 verschoben wurde, ist es noch nicht abzusehen, wann mit einem Urteil gerechnet werden kann.

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