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Ostmitteleuropa

PISA-Studie in Polen

- Ergebnisse weit unter dem europäischen Durchschnitt

Danzig, 14.01.2002, TYGODNIK SOLIDARNOSC, poln.

Um die Bildung der Polen ist es leider nicht gut bestellt. Dies wurde nicht nur durch die Ergebnisse des Probeabiturs bestätigt, sondern auch durch die Untersuchungen, die unter der Schirmherrschaft der Organisation OECD an 4 000 polnischen Jugendlichen im Alter von fünfzehn Jahren an den Berufs- und Mittelschulen durchgeführt wurden. Es hat sich dabei erwiesen, dass unsere Jugend nicht nur mit der Lösung komplizierter mathematischer Fragen große Probleme hat, sondern auch mit dem Verstehen eines Textes sowie mit der Nutzung von einfachen Informationen. Ein Teil der untersuchten Schüler wurde als "aktive Analphabeten" bezeichnet. (...)

Aus diesen Untersuchungen geht außerdem hervor, dass polnische Schüler Probleme nicht nur mit der Sprache haben sondern, dass ihr mathematisches Denken genauso schlecht oder sogar noch schlechter ist. Ähnliche Ergebnisse wurden aber auch beim Probeabitur erzielt. Unsere Jugendlichen haben durchschnittlich mit 470 Punkten abgeschnitten, wobei dieses Ergebnis weit unter dem Durchschnitt der Jugend aus anderen Staaten (500 Punkte) lag (...)

Die Bildungsministerin, Krystyna Lybacka, ignoriert die vielen Stimmen der Wissenschaftler, die davor warnen, dass die Abschaffung der Mathematik in der Abiturprüfung dazu führen wird, dass bei uns "Halbintelligente" ausgebildet werden. (...)

Warum aber hat die polnische Jugend so schlecht abgeschnitten? Es ist kaum zu glauben, dass wir weniger intelligent sind als die Tschechen, Ungarn oder Briten.

Stanislaw Drzazdzewski vom Bildungsministerium ist der Meinung, dass bei der Auswertung der Untersuchungen große Vorsicht geboten sei. Die polnischen Schüler haben nämlich bisher keine solchen Fragen beantworten müssen, die in diesem Test gestellt wurden. Wenn man ihr Wissen genauer überprüfen würde, würden sie sicherlich besser abschneiden: "Unser Bildungswesen beruht nach wie vor auf dem alten Lehrsystem. Obwohl viele Schulen versuchen es zu ändern, wird das Wissen "enzyklopädisch" wiedergegeben. Die Schüler lernen weder selbständig zu denken, noch Probleme zu lösen. Das Lehren besteht vor allem aus der Erfüllung des vorgesehenen Programms", sagt Stanislaw Drzazdzewski. (...)

Als milderderne Umstände kann man dabei jedoch die Tatsache erwähnen, dass unser Staat arm ist und dass für das Bildungswesen bei uns viel weniger Geld zur Verfügung steht als in den hochentwickelten Staaten. (...) Anderseits hängt aber nicht alles vom Geld ab - wie man den schwachen Ergebnissen der untersuchten Schüler in Deutschland oder Luxemburg entnehmen konnte. Das Bildungsniveau wird nämlich hauptsächlich von den Lehrern bestimmt. Von der Bildung und Vorbereitung der Lehrer werden nicht nur unsere Ergebnisse bei den nächsten derartigen Untersuchungen abhängen. Vor allem wird sie entscheidend dafür sein, ob die polnische Jugend eine solche Ausbildung bekommt, die es ihr ermöglicht, sich bewußt am Leben in der Demokratie zu beteiligen und rationale Entscheidungen zu treffen. (Sta)

  • Datum 17.01.2002
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  • Permalink http://p.dw.com/p/1i81
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