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Afrika

Piraten lassen britisches Ehepaar frei

Nach mehr als einem Jahr in der Gewalt somalischer Piraten ist ein britisches Ehepaar wieder in Freiheit. Die Seeräuber ließen die beiden Rentner gegen Zahlung eines Lösegeldes ziehen.

Motorboot mit somalischen Piraten (Foto: AP)

Somalische Piraten machen die Gewässer unsicher

Der 60 Jahre alte Mann und seine 57-jährige Ehefrau sahen müde aus, wirkten aber auf den ersten Blick körperlich unversehrt. Ihnen wurden Handys gegeben, um ihre Angehörigen verständigen zu können. "Nein, wir wurden nicht gut behandelt", sagte Rachel Chandler zu Journalisten, als sie am Sonntag (14.11.2010) den gesicherten Sitz der Regionalverwaltung in der zentralsomalischen Stadt Adado an der Grenze zu Äthiopien betrat. Noch am gleichen Tag sollte das Ehepaar mit einem Flugzeug in die kenianische Hauptstadt Nairobi gebracht werden, um von da in ihre Heimat in der südenglischen Grafschaft Kent zurückzukehren.

Ihre Entführer hatten das Ehepaar an die selbsternannte Regierung der Region übergeben. Für die Freigabe soll ein Lösegeld von bis zu eine Millionen Dollar (730 000 Euro) gezahlt worden sein, das von Privatleuten sowie der somalischen Regierung stammen soll. Das Auswärtige Amt in London äußerte sich zunächst nicht. Die Behörden hatten mehrfach klargestellt, es sei britische Politik, in Fällen wie diesen kein Lösegeld zu zahlen.

Porträt von Paul und Rachel Chandler vor ihrer Entführung (Foto: AP)

Paul und Rachel Chandler vor ihrer Entführung

Überfall in der Nähe der Seychellen

Das Paar war Ende Oktober 2009 in der Nähe der Seychellen im Indischen Ozean auf seiner Segelyacht "Lynn Rival" von Piraten überfallen worden. Nach Angaben von Stammesältesten erklärten sich die Piraten zu der Freilassung bereit, nachdem sie weitere 320.000 Dollar (234.000 Euro) Lösegeld erhalten hatten. Bei einem gescheiterten Befreiungsversuch vor einigen Monaten waren bereits 400.000 Dollar an die Piraten geflossen. Die Summe war offenbar von Verwandten des Paares aufgebracht worden. Die Piraten hatten ursprünglich ein Lösegeld von sieben Millionen Dollar verlangt.

Entführungen immer häufiger

Anti-Pirateneinsatz der EU in einem Schlauchboot (Foto: DW)

Anti-Pirateneinsatz der EU: Trotz Präsenz der Soldaten werden immer wieder Schiffe gekapert

Schwerbewaffnete Piraten aus Somalia machen die Gewässer vor der Küste Ostafrikas zu den gefährlichsten der Welt. Einem Anfang November veröffentlichten UN-Bericht zufolge gelingt es den Seeräubern immer häufiger, Schiffe in ihre Gewalt zu bringen. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres kaperten sie trotz des Einsatzes einer internationalen Flotte von Kriegsschiffen vor der Küste Somalias 37 Schiffe - im Vorjahreszeitraum waren es noch 33 Schiffe. Meistens überfallen die Piraten Frachter, allerdings geraten auch immer wieder Yachten und Segelschiffe in ihre Fänge. Erst am Freitag wurde im Golf von Aden ein chinesisches Schiff entführt und nach Somalia verschleppt. Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, befinden sich auf dem unter panamaischer Flagge fahrende "Yuan Xiang" 29 chinesische Besatzungsmitglieder.

Autorin: Annamaria Sigrist (afp, rtr, dpa)
Redaktion: Siegfried Scheithauer

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