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Kultur

Piraten in der Straße von Malakka

Die Schifffahrtswege durch die Meerenge von Malakka sind sehr gefährlich: Moderne Piraten machen die Gewässer unsicher. Mit ihren Erpresser-Methoden verfolgen sie die Handelsschiffe weltweit, fürchten die USA.

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Malaysische Polizeiboote bieten kaum Schutz

Ob nur der Schiffs-Safe aufgebrochen wird, Geiseln genommen oder ganze Supertanker entführt werden - das Durchqueren der Straße von Malakka ist lebensgefährlich. Doch obwohl die Überfälle in den letzten Jahren immer dreister geworden sind, gibt es noch immer kein gemeinsames Sicherheitskonzept der Anrainerstaaten.

Karte Straße von Malakka

Karte der Straße von Malakka

Enorme Gefahr für Seeleute

Die Piraten von heute haben mit den romantischen Freibeutern früherer Jahrhunderte nichts gemein. Auf hoch motorisierten Schnellbooten lauern sie in der Meerenge von Malakka ihren Opfern auf - bis an die Zähne bewaffnet mit Maschinengewehren, Granatwerfern und modernster Satellitentechnik. Die Schiffsbesatzungen haben dem meist wenig entgegenzusetzen: rund 50.000 Schiffe durchfahren im Jahr die fast 900 Kilometer lange und nur zwei bis drei Kilometer breite Seestraße, viele von ihnen unter Billigflaggen und mit der gerade notwendigen Besatzung an Bord.

Jagt auf Piraten in der Straße von Malakka

Jagt auf Piraten in der Straße von Malakka

Kapitäne und Mannschaften leben gefährlich, denn die Piraten gehen brutal vor. Sie morden, entführen, erpressen - und bis heute ist es nicht gelungen, ihnen ihr blutiges Handwerk zu legen. Zunächst hatte es in diesem Jahr so ausgesehen, als seien auch die Operationsgebiete der Piraten vom Tsunami im vergangenen Dezember verwüstet worden.

Doch inzwischen registriert das Internationale Maritime Büro (IMB) in Kuala Lumpur, das die Sicherheit in der Malakka-Straße überwacht, neue Zwischenfälle. Kapitän Abhyankar vom IMB berichtet: "Im Jahr 2000 zählten wir 75 Überfälle, im Jahr darauf nur noch 17. 2003 waren es dann 28 und 38 im vergangene Jahr. Abgesehen von dem Höhepunkt in 2000, der ein ernsthaftes Problem war, haben wir die Situattion unter Kontrolle bekommen. Aber jetzt steigt die Zahl der Überfälle wieder an. Und es wird immer gewalttätiger."

Gemeinsames Vorgehen der Anrainer

Piraten in der Straße von Malakka

Geiuselnahme durch Piraten in der Straße von Malakka

Seit dem vergangenen Jahr patroullieren Schiffe der drei Anrainerstaaten Indonesien, Malaysia und Singapur gemeinsam in der Straße von Malakka. Doch was auf den ersten Blick wie eine konzertierte Aktion aussieht, dient auch der gegenseitigen Überwachung. In den jeweiligen Hoheitsgewässer dürfen immer nur die eigenen Schiffe Piraten verfolgen. Keine Seite möchte Befugnisse und Kontrollrechte an eine zentrale Stelle übertragen.

Der indonesische Seerechtsexperte Professor Hasyim Djalal erläutert, warum das so ist. "Indonesien ist sehr offen für Kooperationen mit jedem Benutzer der Malakka-Straße in Übereinstimmung mit der internationalen Seerechtskonvention", erklärt er. "Aber Indonesien, Malaysia und andere Länder sind sehr empfindlich, wenn sie befürchten, dass ihre Souveränität verletzt wird. Und deshalb sind sie zwar offen für Zusammenarbeit. Aber sie sind sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, andere Länder in der Straße von Malakka patroullieren zu lassen."

Globale Bedrohung

Rund ein Viertel des globalen Handels wird über die Straße von Malakka verschifft - kein Wunder, dass andere Länder die Piraten nicht nur als Problem der Anrainerstaaten sehen: In Washington sieht man die Seestraße nicht nur als Aufmarschgebiet von Piratenschiffen. In der unübersichtlichen Region könnten sich auch Terroristen breit machen und mit dem Kapern gefährlicher Ladungen ein neues Erpressungspotenzial schaffen, fürchtet man in den USA.

Ganz von der Hand zu weisen ist das nicht. Konkrete Hilfsangebote seitens der USA und Japans haben Singapur, Malaysia und Indonesien mit Verweis auf die eigene Souveränität dennoch stets zurückgewiesen. Weder in Jakarta noch in Kuala Lumpur möchte man amerikanische Elitesoldaten vor der Haustür haben. Die gemeinsamen Patroullien der Anrainerstaaten haben die Sicherheit in der Malakka-Straße nicht entscheidend verbessert.

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