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Seeräuber wollen Lösegeld

Piraten entführen 2016 mehr als 60 Seeleute

Wer beim Thema Seeräuber nur an den legendären Hamburger Klaus Störtebeker oder die "Fluch der Karabik"- Filme denkt, liegt falsch. Piraten sind auch heute noch sehr aktiv.

Symbolbild Piraterie Afrika (Archivbild/picture-alliance/dpa/S. Elliott)

Piratensymbol an der Wand einer Bar in Kenia (Archivbild)

Piraten haben im vergangenen Jahr bei 15 Überfällen 62 Seeleute von ihren Schiffen entführt, um Lösegeld zu erpressen. Das seien rund drei Mal so viele Überfälle und entführte Personen wie im Jahr zuvor, teilte das Internationale Schifffahrtsbüro (IMB) der Internationalen Handelskammer (ICC) in Berlin und anderen Städten mit.  2015 gab es 19 Entführungen, 2014 nur neun.

Insgesamt verzeichnete das IMB aber einen deutlichen Rückgang von Piratenangriffen auf zivile Schiffe weltweit. 2016 wurden 191 Fälle registriert, während es 2015 noch 246 Angriffe gab. Durch die Stationierung internationaler Patrouillen auf See hat seit 2012 insbesondere die Piraterie vor dem Horn von Afrika abgenommen. Gefahrenherde sind jetzt vor allem der Golf von Guinea vor der Westküste Afrikas mit 36 Vorfällen und Indonesien mit 49 Überfällen.

Gefährliche Sulu-See

Aber es kommen immer wieder neue Piratennester dazu, in diesem Jahr die peruanische Hafenstadt Callao mit zehn Überfällen und die Sulu-See zwischen den Philippinen und Indonesien. Dort würden ganze Schiffsbesatzungen verschleppt. erklärte das IMB. Es handele sich um eine "bemerkenswerte Eskalation". Das Büro empfahl Schiffseignern, die Sulu-See zu meiden und statt dessen die Route westlich der Insel Borneo zu wählen.

Das philippinische Militär meldete derweil einen neuen Angriff auf Seeleute im Süden des Landes: Acht Fischer seien in den Gewässern vor der Stadt Zamboanga, etwa 875 Kilometer südlich von Manila, erschossen in ihrem Boot aufgefunden worden. Als Hintergrund der Tat werde entweder ein Erpressungsversuch oder ein Machtkampf mit Besatzungen anderer Fischerboote vermutet, teilte ein Militärsprecher mit. Die sieben Überlebenden seien an Land geschwommen, die fünf Angreifer seien flüchtig.

Der mutmaßliche Schädel des Freibeuters Klaus Störtebeker und die Nachbildung seines Kopfes in einem Museum in Hamburg (picture-alliance/dpa/M.Gambarini)

Der mutmaßliche Schädel des Freibeuters Klaus Störtebeker und die Nachbildung seines Kopfes in einem Museum in Hamburg

Angriff auf deutschen Tanker

Deutsche Reeder blieben im vergangenen Jahr von der Piratenplage auf den Weltmeeren weitgehend verschont. Ein Angriff auf einen deutschen Tanker im Oktober rund 300 Kilometer vor Somalia, der durch Schüsse von privaten Sicherheitskräften erfolgreich abgewehrt wurde, blieb die einzige Attacke.

Dennoch könne keine Entwarnung gegeben werden, erklärten die Schiffseigner. "Die Piraterie am Horn von Afrika ist ein Schwelbrand", sagte Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des Verbands Deutscher Reeder (VDR), in Hamburg. "Ohne den Einsatz der Marine und die Schutzmaßnahmen der Reeder würden die Piraten sofort wieder zuschlagen."

Mit Sorge betrachte man die gestiegene Zahl entführter Seeleute, sagte Nagel. "Seeleute als Geiseln zu nehmen, ist ein brutales Verbrechen und hinterlässt neben unmittelbaren Verletzungen tiefe seelische Wunden bei den Opfern", sagte Nagel.

wl/sti (dpa, afp)