1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fokus Osteuropa

Pipelinebau mit deutschem Know-How

Die transkaukasische Erdölpipeline Baku-Tiflis-Ceyhan ist in Betrieb gegangen. Geplant wurde die größte Pipeline der Welt auch mit deutscher Unterstützung.

default

Bauarbeiten in der Ost-Türkei

Die transkaukasische Erölleitung von Aserbaidschan in die Türkei ist derzeit die größte Pipeline der Welt. Künftig soll sie jährlich 50 Millionen Tonnen Rohöl zum türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan schaffen. Das Öl wird dann von dort aus per Tanker in alle Welt gebracht. Zunächst muss allerdings das Öl auf seinem 1760 Kilometer langen Weg von der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku über Tiflis in Georgien bis nach Ceyhan über bis zu 2800 Meter hohe Berge gepumpt werden. Zum Schutz vor Sabotageakten ist die Leitung auf ihrer gesamten Länge einen Meter tief in der Erde vergraben.

Pipelinebau durch die Türkei

Ein gigantisches Projekt also, an dessen Planung die Ingenieurgemeinschaft Lässer Feizlmayr (ILF) beteiligt war. 600 Mitarbeiter arbeiten in den Hauptniederlassungen in München und Innsbruck und in rund 20 Außenstellen weltweit. Während für die Planung der Leitung durch Aserbeidschan und Georgien der amerikanische Branchenriese Bechtel verantwortlich war, sei die Pipeline durch türkisches Gebiet Sache der ILF gewesen, sagt Adolf Feizlmayer. Der 70-Jährige hat vor mehr als 35 Jahren mit seinem Partner Pius Lässer das Ingenieurbüro gegründet: "Dies ist im Moment die größte Pipeline der Welt. Sie bringt das Öl aus Aserbeidschan aus dem Kaspischen Raum nach Ceyhan ans Mittelmeer. Das sind 1760 Kilometer. Wir haben den Auftrag erfolgreich abgearbeitet für den türkischen Teil, das sind 1070 Kilometer. Das Rohr hat einen Durchmesser von über einem Meter. Insgesamt wurden für dieses Teilstück 1,4 Milliarden Dollar investiert."

Mühevolle Kleinarbeit

Das Öl muss auf seinem langen Weg zum türkischen Mittelmeerhafen auf bis zu 2800 Meter über dem Meeresspiegel gepumpt werden. Die Pipeline durchquert anatolisches Erdbebengebiet, sie muss Eis und Schnee widerstehen. Bei voller Kapazität wird sie täglich eine Million Barrel Rohöl transportieren. Die Menge entspricht einem Zehntel der täglichen Ölimporte der USA. Rund 440 Kilometer verlaufe die Pipeline durch Aserbaidschan, etwa 250 Kilometer durch Georgien und dann rund 1070 Kilometer durch die Türkei. Für diesen letzten Abschnitt sei die ILF zuständig gewesen sei, sagt Feizlmayr: "Wir haben uns die Karten besorgt, haben die Trassen zuerst einmal in den Karten bearbeitet, sind das alles mit dem Flugzeug abgeflogen. Dann haben wir am Boden jeden Meter trassiert. Das ist höchst arbeitsintensiv, das hätten wir von Deutschland aus alleine nicht machen können. Das ist auch preislich nicht mehr machbar. Man macht es dann mit lokalen Subunternehmen. In der Türkei gibt es sehr gute Ingenieurfirmen, die diese Aufgabe übernommen haben. Man muss bei einer Pipeline, auch wenn sie noch so lang ist, alles zu Fuß abgehen. Man darf keinen Strich in einer Karte machen, wenn man nicht dort war."

Monika Lohmüller
DW-RADIO, 24.5.2005, Fokus Ost-Südost