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Aktuell Europa

Pipeline explodiert in der Ukraine

Kaum wird der Ukraine der Gashahn zugedreht, explodiert eine der interkontinentalen Pipelines im Land, mit denen Europa versorgt wird. Die Regierung in Kiew spricht von einem "Terrorakt" – und zeigt auf Moskau.

Die Explosion hat die 4500 Kilometer lange "Transsibirische Pipeline" unterbrochen, die von den Gasfeldern in Sibirien bis zu den Kunden in Europa führt. Der Schaden entstand in der zentralukrainischen Region Poltawa, weit von den umkämpften Gebieten im Osten des Landes entfernt. Der ukrainische Katastrophenschutz vermutet die Ursache in einer Beschädigung des Rohrs oder durch Druckverlust an einer Dichtung. Nach der Explosion stieg eine 30 Meter hohe Stichflamme auf. Offenbar wurde niemand verletzt.

Für den ukrainischen Innenminister Arsen Awakow ist die wahrscheinlichste Ursache der Explosion ein "Terrorakt". Die "Sabotage" der Leitung sei "ein weiterer Versuch Russlands, die Ukraine als Partner im Gassektor zu diskreditieren". Beim Pipeline-Betreiber Uktransgaz heißt es, die Gaslieferungen nach Europa seien von dem Vorfall nicht betroffen, weil es eine parallel verlaufende Röhre gebe.

Russland baut schon neue Leitungen

Der russische Staatskonzern Gazprom hatte gerade erst vor "möglichen Störungen" bei den Gaslieferungen in die EU gewarnt. Die Explosion erfolgte einen Tag, nachdem Russland der Ukraine im Streit um ausstehende Zahlungen und künftige Preise den Gashahn zugedreht hatte. Für die Europäische Union ist die Ukraine eines der wichtigsten Transitländer für Erdgas aus Russland und hatte zugesichert, den Energieträger durchzuleiten.

Russland treibt aber schon längst den Bau weiterer Röhren voran, die nicht durch ukrainisches Gebiet führen sollen. In Serbien wird ab Juli die Gasleitung "South Stream" weiter gebaut. Der russische Außenminister Sergej Lawrow bezeichnete die Pipeline als notwendige und einzig sichere Gasversorgung für Südosteuropa. Sein serbischer Kollege Ivica Dacic erklärte, "South Stream" sei im nationalen Interesse. Serbien verfolgt einen anderen Kurs als das EU-Mitglied Bulgarien, das die Arbeiten wegen Bedenken der EU-Kommission auf Eis gelegt hat. Die Gasleitung soll unter Umgehung der Ukraine durch das Schwarze Meer führen, an der bulgarischen Küste das Festland erreichen und von dort nach Serbien weitergebaut werden.

Russischer TV-Reporter stirbt bei Gefechten

Vorfälle wie die Explosion der "Transsibirische Pipeline" sind angetan, die Spannungen zwischen Moskau und Kiew weiter zu verschärfen – wie auch der Tod eines russischen Journalisten bei Kämpfen in der Ostukraine. Der Journalist Igor Korneljuk vom russischen Staatsfernsehen war nahe der Rebellenhochburg Luhansk unter Beschuss geraten und starb nach Angaben eines Arztes im Krankenhaus. Der Kreml spricht von einem "weiteren Verbrechen der ukrainischen Truppen". Ein Tonassistent des getöteten Fernsehreporters werde vermisst.

Das russische Außenministerium fordert eine Untersuchung der "Tragödie". Die Verantwortlichen müssten "hart bestraft werden". Korneljuk sei durch Mörserbeschuss auf einen Ort getötet worden, "wo es keinerlei militärische Ziele" gegeben habe. Der Tod des 37-Jährigen zeige ein weiteres Mal "die verbrecherische Natur der Truppen, die den Strafeinsatz im Osten der Ukraine führen", erklärte das Außenministerium.

Die UNO warnt indes vor einer humanitären Krise in der Ostukraine, sollte keine politische Lösung in dem Konflikt gefunden werden. Der russische UN-Botschafter Vitali Tschurkin sagte, die Situation verschlimmere sich "ständig". Er kritisierte insbesondere die "willkürliche" Gewalt der ukrainischen Armee.

rb/gmf (afp, dpa, rtr)