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Amerika

Pioniersender kämpft um seine Stellung

Vor 30 Jahren revolutionierte CNN das Fernsehen. Den ganzen Tag über zeigte der Sender nichts anderes als Nachrichten. Heute ist die Konkurrenz groß und nicht nur in den USA kämpft CNN um seine Stellung.

CNN-Hauptqartier in Atlanta (Foto: AP)

Das CNN-Hauptqartier in Atlanta

Es ist nicht lange her, da war kein Superlativ gut genug für das "Cable News Network", besser bekannt als CNN. CNN, das war der Sender, der die TV-Nachrichten neu erfand. Der 24 Stunden nonstop Nachrichten brachte. Der 1991 aus dem Irak den ersten "Krieg live" übertrug. "Eine Revolution", wie Medienwissenschaftler einhellig meinen, die da am 1. Juni 1980 begonnen hatte.

In den ersten Monaten erinnerte das Hauptquartier in Atlanta aber eher an einen Haufen College-Studenten, als an einen seriösen Fernsehkanal. In den improvisierten Studios in ging ständig etwas schief. Einspieler und Telefonleitungen konnten nicht geschaltet werden, Moderatoren schauten in die falsche Kamera, Wetterkarten wurden nicht angezeigt, es kam ständig zu technischen Pannen.

"Es tut sich was"

Ted Turner (Foto: AP)

Verkaufte sein Imperium für 7,4 Milliarden Dollar: Ted Turner (Archivbild)

Doch angespornt vom energischen Gründer Ted Turner etablierte sich der Sender. 1986 kamen die einzigen Live-Bilder vom Absturz der Raumfähre "Challenger" von CNN. Und mit Ausbruch des ersten Irak-Kriegs im Januar 1991 schaffte der Sender den weltweiten Durchbruch. Aus einem Hotel beschrieben die Journalisten ihre Eindrücke. "Es tut sich was am Himmel von Bagdad", waren die ersten Worte des Reporters Bernard Shaw. "Der Himmel über Bagdad ist hell erleuchtet." Da begann ein Bombenkrieg im Nahen Osten - und Millionen TV-Zuschauer weltweit war direkt dabei; hautnah.

Rückblickend erinnert sich Bernard Shaw an die Angst, die er in dem Hotel hatte. "Ich machte mir weniger Sorgen um die Flugzeuge, die Bomben abwarfen, die Flak-Kanonen, die wild in den Himmel schossen oder die bewaffneten Menschen auf den Straßen. Ich machte mir mehr Sorgen darum, dass Leute aus Saddams Baath-Partei uns ermorden würden." Denn Shaw und seine Kollegen berichteten der Welt, dass Saddam seinen eigenen Luftraum nicht kontrollierte.

Ereignisse hautnah und ungefiltert

Das Konzept der pausenlosen Nachrichten ging auf. In der ganzen Welt wurden Büros eröffnet und das Sendegebiet vergrößert. Anfangs richtete sich CNN an 1,7 Millionen Haushalte. Heute ist es in über 200 Ländern von rund 1,5 Milliarden potentiellen Zuschauern zu empfangen, auch auf Spanisch und Türkisch.

Christiane Amanpour (Archivfoto: AP)

Wechselte zur Konkurrenz: Christiane Amanpour

Die Einführung von Dauernachrichten hat auch die Politik enorm beeinflusst, Medienforscher sprechen gar vom "CNN-Effekt". Er hat den Rhythmus der Welt beschleunigt. Die Sender sind derart hautnah an den Ereignissen, transportieren mitunter ungefilterte Propaganda- und Gegenpropaganda und werden selbst zum Teil des Geschehens. Vor allem im zweiten Irak-Feldzug 2003 wurde das deutlich, als CNN-Journalisten "embedded", also gemeinsam mit US-Truppen, vorrückten und patriotischen "Hurra-Journalismus" lieferten - hautnah dabei sein verringert eben auch den Abstand.

Die Welt schaut durch die Kameras

Weiterer Aspekt des "CNN-Effekts": Die Macht der permanent und global verfügbaren Bilder, kann Regierungen zum Handeln zwingen. Eine oft beklagte Schattenseite: Erst wenn die Kameras ihren Blick auf etwas richten, wird es wirklich wahrgenommen.

"Die UN-Mitglieder werden erst aktiv, wenn die Medien berichten. Stimmungen der Öffentlichkeit sind so stark, dass die Arbeit der UN untergraben und staatsmännische Entscheidungen fast unmöglich werden", klagt der ehemalige UN-Chef Boutros Ghali. Wenn keine Kameras der großen TV-Sender dabei sind, schaut die Welt im wahrsten Sinne des Wortes nicht hin.

Larry King (Foto: ABACAUSA)

Kämpft um Zuschauer: Talk-Legende Larry King

Überhaupt mussten sich Politiker und Unternehmen sich mit der Einführung von CNN umstellen. Das Tempo, mit dem Informationen um die Welt gingen, erhöhte sich. "Das erzeugte hohen Druck auf Regierungen und Unternehmen", sagt Bernard Shaw. Politiker müssten viel schneller auf ein Ereignis reagieren.

Fallende Quoten

Groß gefeiert wird in diesem Jahr nicht in Atlanta, London oder Hong Kong, den wichtigsten Standorten. Denn die Mutter der Nachrichtensender kämpft mit großen Problemen. Mittlerweile gibt es überall auf der Welt Konkurrenz und vor allem in den USA fallen die Einschaltquoten. Dort dominieren seit Jahren der rechtskonservative Kanal Fox und der linke Kanal MSNBC. Talk-Legende Larry King ist längst in die Jahre gekommen, die weltberühmte Kriegsreporterin Christiane Amanpour hat den Sender gerade verlassen.

TV-Pionier Ted Turner bedauerte vor kurzem, dass er die Führung aus der Hand gegeben hat, weil ihm ist das Programm zu seicht geworden ist. Er wünsche sich mehr internationale Nachrichten. Zumindest hat ihn seine Idee reich gemacht. Turner verkaufte 1996 sein Imperium für 7,4 Milliarden Dollar an Time Warner.

Autor: Julian Mertens
Redaktion: Mirjam Gehrke

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