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Wirtschaft

Pionier des Versandhandels ist 100

Für Werner Otto ist Unternehmertum ein schöpferischer Prozess. Wer dabei statisch denkt und aus Angst vor Fehlern keinen Schritt nach vorne wagt, sollte kein Unternehmer werden, so seine Überzeugung.

Werner Otto (2.v.l.) erhält begleitet von seinen Söhnen Alexander (l.) und Michael (3.v.l.) durch den Regierenden Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit (r.) die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin (Foto: dpa)

Zwei Tage vor seinem 100. Geburtstag wurde Werner Otto zum Ehrenbürger der Stadt Berlin ernannt

Werner Otto im Jahre 2003 (Foto: AP)

"Fehler gehören dazu", meint Werner Otto (Archivbild)

"Wer neue Wege beschreitet, macht auch Fehler. Neue Wege ohne Fehler gibt es nicht." Werner Otto - seine Weggefährten beschreiben ihn als Visionär - ist der Pionier des deutschen Versandhandels. Am Donnerstag (13.08.2009) feiert er seinen 100. Geburtstag.

Der Spross einer Prenzlauer Handelsfamilie macht zunächst eine Ausbildung zum Lebensmittelhändler. Nach dem Krieg geht er, als mittelloser Flüchtling, mit seiner Frau und zwei Kindern zunächst nach Schleswig-Holstein, dann nach Hamburg. Er gründet dort eine Schuhfabrik, die jedoch 1949 nach kurzer Zeit pleite geht. Dann folgt die neue Idee: der Versand-Katalog.

Mit eingeklebten Fotos fing es an

Michael Otto mit dem Katalog des Unternehmens (Foto: dpa)

Michael Otto, Aufsichtsrats-Vorsitzender der Otto Group, mit dem Otto-Katalog

Die Geschichte liegt so lange zurück, dass sie zum Mythos reicht. Der erste Katalog von 1950: 28 Schuhmodelle konnten die Kunden auswählen, auf 14 Seiten mit eigenhändig eingeklebten Fotos. 300 Exemplare der handgebundenen Kataloge - noch heute ist das Urstück im "Haus der Geschichte" in Bonn zu bewundern.

Dieser Katalog war der Grundstein für einen weltweiten Handels- und Dienstleistungskonzern mit Zehntausenden von Arbeitsplätzen. Zu den Schuhen kamen Textilien, später Möbel und Verbrauchsgüter hinzu. Heute gehört die Firma Otto zur größten Versandhandelsgruppe der Welt. In 19 Ländern hat das Unternehmen einen Sitz. Aufsichtsratsvorsitzender ist Michael Otto, der mit 66 Jahren älteste Sohn der Otto-Dynastie.

Der Entdecker

Top-Model Heidi Klum (M.) steht inmitten von Models, bekleidet mit Bademode, während einer Mode-Präsentation der Heidi-Klum-Collection und des Otto-Versand in einem Hamburger Hotel (Foto: AP)

Der Otto-Versand und Heidi Klum boten 2004 gemeinsam entworfene Mode an

In der Aufbauphase des Otto-Versands habe sein Vater sich besonders für die Vereinigten Staaten interessiert, erinnert sich Alexander Otto, der jüngste Sohn. "Er ist mit anderen Versandhändlern nach Amerika gereist, um zu sehen, was er von den großen Versandhändlern lernen kann", sagt der 42-Jährige.

Die Ideen brachte Werner Otto mit nach Deutschland. Er guckte sich jedoch noch mehr von den Amerikanern ab - nämlich, wie man jenseits des Atlantiks investiert: Er baute in Kanada und den USA zahlreiche Immobilienfirmen auf, erschloss Industrieparks und nahm insbesondere die amerikanischen Shopping-Malls unter die Lupe.

Ende der 60er-Jahre - Werner Otto war ebenfalls in seinen 60ern - gründete er die ECE, heute die bedeutendste Entwicklungs- und Managementgesellschaft für zurzeit 112 Einkaufszentren in Europa. "Der Standort zählt. Location, Location, Location - das hat mir mein Vater eingetrichtert", sagt Alexander Otto, der seit dem Jahr 2000 die Geschäfte der ECE führt. Es gehöre nach wie vor zu den wichtigsten Unternehmensprinzipien der Firma, dass man sich nur auf erstklassige Standorte konzentriere.

Der Wohltäter

Werner Otto im Jahre 2003 im Hof des sanierten Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam (Foto: dpa)

2003 hat Otto 6,4 Millionen Euro für die Sanierung des Belvedere auf dem Pfingstberg in Potsdam gespendet

"Werner Otto ist für mich geradezu ein Bilderbuch-Typ eines erfolgreichen Unternehmers, der zugleich immer seine Mitverantwortung für das öffentliche Wohl gespürt hat und der dieser Verantwortung gerecht geworden ist." Große Worte eines großen Mannes für einen großen Mann: Helmut Schmidt, der Altbundeskanzler, ist ein Weggefährte Ottos. Heute verbinde die beiden Freundschaft, so Schmidt.

Die gesellschaftliche Verantwortung hat für Werner Otto immer eine wichtige Rolle gespielt. Neben seinen unternehmerischen Taten hat sich der gebürtige Brandenburger aus der Uckermark vor allem als Wohltäter einen Namen gemacht. 1969 gründet er die Werner-Otto Stiftung, die dort einspringt, wo der Staat nicht schnell genug eingreift. Er finanziert medizinische Forschung, das Behandlungszentrum für Krebskrankheiten im Kindesalter am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

1974 gründet er zudem das Werner-Otto-Institut: die erste und einzige Spezialeinrichtung in Norddeutschland, die sich der Behandlung entwicklungsgestörter Kinder und Jugendlicher widmet. "Mein Vater hat gesagt, dass er wahnsinnig viel Glück in seinem Leben hatte", sagt Alexander Otto. Deshalb sei es ihm von Anfang an wichtig gewesen, der Gesellschaft etwas zurück zu geben.

Der Familienmensch

Ein Mann befestigt in Hamburg ein Plakat zum 50. Firmenjubiläum an einem Fahrzeug (Foto: AP)

1999 feierte das Unternehmen 50jähriges Bestehen

"Eine Scheidung ist keine Lebenspleite, sondern eine Korrektur", wird Werner Otto zitiert. Dreimal heiratet er, hat fünf Kinder. Die dritte Ehe mit seiner Frau Maren hält nun schon 46 Jahre. Zum Zeitpunkt der Eheschließung war er 54 Jahre alt, seine Frau 22.

Seine Kinder sind zwischen 42 und 68 Jahre alt: Die älteste Tochter, Ingvild, lebt als Kunstsammlerin in München. Die andere Tochter, Katharina, ist 45 und in New York zu Hause. Die Brüder Michael, Alexander und der Medienunternehmer Frank Otto (51) leben in Hamburg. Werner Otto selbst lebt heute mit seiner Frau in der Nähe von Berlin. Am Dienstag wurde ihm die Ehrenbürgerwürde der Hauptstadt verliehen.

Autorin: Verena Herb
Redaktion: Julia Elvers-Guyot

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