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Kultur

Pionier der elektronischen Musik

Oskar Sala ist tot. Als Person war er eher unbekannt. Seine Kompositionen jedoch schrieben Filmgeschichte, seine Technik war der Zeit um Jahrzehnte voraus.

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Oskar Sala (1910-2002)

Elektronische Musik ist viel älter, als man glauben mag.

In das Bewusstsein eines breiten Musikpublikums sind die synthetisch erzeugten Klängen in den Siebzigern getreten. Einer der bekanntesten Vertreter der damals sehr sphärischen Töne war Jean Michel Jarre. In den Achtzigern machte sich das Pop-Business den Synthesizer zu Eigen. Wieder mehr experimentelle Töne haben wir dem Techno der Neunziger zu verdanken. Inzwischen gibt es mit Electro einen Musikstil, der ganz explizit auf die künstliche Art der Tonerzeugung verweist.

Zeitsprung: 1930 in Berlin. Der junge Oskar Sala, Musikstudent bei Paul Hindemith, trifft auf Friedrich Trautwein an der Berliner Rundfunkversuchsstelle – der Ort an dem btw. auch das heutige Fernsehen erfunden wurde. Trautwein hatte eine Maschine zur Erzeugung von Tönen konstruiert, das er Trautonium nannte.

Musik aus dem Automaten

Mit Elektronen-Röhren, einem elektrischen Schwingkreis, einer Metallschiene und Drahtsaiten konnte Trautwein bis dahin ungehörte Töne erzeugen.

Sala war von dieser elektro-akustischen Musik derart begeistert, dass er ein Physik-Studium begann, um das Gerät weiterentwickeln zu können.

1935 stellte er das Rundfunk-Trautonium vor - ein Vorläufer des modernen Synthezisers war geboren. Drei Jahre später folgte ein Konzert-Trautonium, mit dem Sala durch Europa tourte. Anfang der Fünfziger entstand das Mixtur-Trautonium und Oskar Sala begann seine weltweite Karriere.

Komponist der besonderen Art

Die Trautonium-Töne werden nicht über eine Tastatur erzeugt, sondern müssen durch Hand- und Fussarbeit, mittels Drehknöpfen und Schaltern modelliert werden. Oskar Sala war der einzige, der dieses hochkomplizierte Spiel vollständig beherrschte. Es gibt keinen weiteren Interpreten für das in den Achtzigern zum letzten Mal modernisierte, nie in Serie produzierte Instrument.

Seit 1995 befindet sich das Mixtur-Trautonium im Besitz des Deutschen Museums für zeitgenössische Technik in Bonn.

In den Vierzigern und Fünfzigern gab es kaum einen Werbefilm in Deutschland, der nicht durch Salas Klang-Konstruktionen seinen eigenen Charakter erhielt, beispielsweise das legendäre HB-Männchen.

Sala arbeitete auch mit Richard Strauss, Arnold Schönberg und Arthur Honneger zusammen. Er komponierte die Musik für zahlreiche UFA-Filme und entwickelte das durch Mark und Bein gehende Vogelgekreische in Alfred Hitchcocks Film "Die Vögel" aus dem Jahr 1963, das seither untrennbar mit seinem Namen verbunden ist.

Oskar Sala starb am 27. Februar in Berlin im Alter von 91 Jahren. (ks)

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