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Wissen & Umwelt

Pinguin-Massensterben vor Chile

Über 1200 tote Pinguine wurden seit letzter Woche an die Küsten Südchiles geschwemmt. Waren giftige Algen schuld oder erstickten sie qualvoll in Fischernetzen?

Zwei Magellanpinguine am Strand (Foto: picture alliance)

Was wohl mit ihren Artgenossen geschah? (Magellanpinguine)

Das Drama ereignete sich an zwei Stränden in Caleta Queule, rund 900 Kilometer südlich von Santiago. Bei den Tieren handelte es sich um Magellan-Pinguine (Spheniscus magellanicus) und ihre Verwandten, die Humboldt-Pinguine (Spheniscus humboldti). Die Todesursache ist noch ungeklärt. Die Tiere wurden zunächst an die Universität von Valdivia übergeben und anschließend an zwei Universitäten in Temuco untersucht.

Landkarte von Chile (Quelle: DW)

In Queule, südlich von Santiago, wurden die Pinguine gefunden

Verzweifelte Suche nach Gründen

Bernardo Pardo, Vorsitzender des Chilenischen Fischereirats Sernapesca, schließt zumindest Umweltverschmutzung als Grund für das Pinguinsterben aus. Allerdings wurden Gerüchte laut, dass Netze aus der traditionellen Fischerei verantwortlich sein könnten oder dass die Pinguine verhungerten.

Laut Schätzung von Experten wie Boris Culik, Meeresbiologe aus Kiel, ist auch eine Vergiftung durch Algen möglich. Zumindest wurden in der letzten Zeit bereits mehrere Küstengebiete in Chile wegen giftiger Algen gesperrt. Meeresfrüchte wie Muscheln durften von diesen Strandabschnitten wegen Vergiftungsgefahr nicht verzehrt werden. Zwar sei es möglich, dass auch andere Meeresbewohner von den Algen vergiftet würden, so Culik. "Da Pinguine aber oft sehr tief tauchen, könnten die giftigen Algen ausschließlich in ihrem Beuteschema liegen."

Pinguine mögen's auch warm

Das Seegebiet, in dem die Strandungen verzeichnet wurden, wird sowohl von Magellan- als auch von Humboldt-Pinguinen bewohnt. Humboldt-Pinguine sind sonst eher nördlich anzutreffen, da sie schneller kalte Füße bekommen. Egal ob Größe, Gewicht oder Jagdverhalten, die beiden Arten sind sich sehr ähnlich. Nur durch einen Unterschied in der Schwarz-Weiß-Zeichnung auf ihrer Brust kann man die Tiere unterscheiden.

Eine Gruppe Magellanpinguine (Foto: AP)

60 cm groß werden die flugunfähigen Seevögel und bringen um die fünf Kilo auf die Waage

Zu warm wird es den Pinguinen in den südamerikanischen Breiten sicher nicht. Denn die Tiere haben den Ausgangspunkt ihrer Entwicklung nicht etwa in der Antarktis, wie man vermuten mag, sondern in Neuseeland. "Es ist sogar eher eine spezielle Anpassung, dass die Tiere bis in die Antarktis vorgestoßen sind", erklärt Boris Culik. Deshalb findet man in der Zentralantarktis auch nur zwei Arten, die sich dort noch richtig wohlfühlen: den Kaiser-Pinguin und den Adeliepinguin. Und richtig warm mag es diese Art: Speniscus mendiculus, ein Verwandter des Humboldt-Pinguins auf den Galápagos-Inseln am Äquator.

Der Mensch ist der größte Feind der Seevögel

Junger Humboldt-Pinguin schwimmt im Wasser (Foto: AP)

Und dieser junge Humboldt-Pinguin soll auf dem Teller landen?

Aber das Leben der unter Naturschutz stehenden Humboldt- und Magellan-Pinguine ist in vielerlei Hinsicht bedroht. Nicht nur zahlreiche natürliche Feinde wie Füchse, Seelöwen oder Schwertwale machen den Seevögeln das Leben schwer. Durch Umweltereignisse wie El Niño droht ihnen schnell der Hungertod. Denn dann versiegt der kalte Humboldtstrom aus dem Süden. Dieser gilt als sehr nährstoffreich und feuert das Ökosystem sonst kräftig an. Auch Sardellen- und Sardinenschwärme, die wichtigste Nahrungsquelle der Pinguine, bleiben dann aus. Pinguine können ihre Ernährung zwar zeitweise auch auf Tintenfische oder Krebse verlagern, aber besonders Jungtiere verenden in El Niño-Jahren in großer Zahl.

Noch schwerer zu schaffen macht den Tieren das Eingreifen des Menschen in ihren Lebensraum. Die Überfischung an den Küsten Südamerikas spielt da nur eine Rolle unter vielen. Eine weitere tödliche Falle für die Pinguine sind Fischernetze, in denen sie sich unter Wasser verheddern und qualvoll ersticken.

Aber schon früher wurden die Pinguinbestände durch den Menschen empfindlich geschwächt. So landeten die Vögel oder deren Eier gerne als besonderer Leckerbissen auf dem Speiseplan der Fischer.

Autorin: Sabine Gogolok

Redaktion: Judith Hartl