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Wirtschaft

Pilotenstreik: Unverantwortliches Handeln

Drei Tage lang wird kaum eine Lufthansa-Maschine abheben. Der kurzfristige finanzielle Schaden ist enorm. Langfristig setzen die Piloten mit ihrem Streik sogar die Zukunft der Airline aufs Spiel, meint Henrik Böhme.

Fliegen von und nach Deutschland sowie in der Republik selbst wird in den kommenden Tagen eine echte Herausforderung. Jedenfalls für alle, die ein Ticket der Lufthansa gebucht haben. Die größte Airline des Landes muss am Boden bleiben, weil sie erpresst wird. Erpresst von Mitarbeitern, die zwar nur zehn Prozent der Belegschaft ausmachen, dafür aber 40 Prozent der gesamten Aufwendungen für Altersvorsorge kassieren. Von Mitarbeitern, an denen zwar das Leben vieler Menschen hängt, die dafür aber auch mit Jahresgehältern von bis zu 250.000 Euro vergleichsweise fürstlich entlohnt werden. Von Mitarbeitern, die im Schnitt mit 59 Jahren in den Vorruhestand gehen und dort bis zum Erreichen der regulären Rente auch nicht am Hungertuch nagen müssen.

Die Rede ist von der stolzen Gilde der Piloten. Natürlich haben auch sie das Recht, einen Arbeitskampf auszufechten. Natürlich sollen auch sie angemessen entlohnt werden. Und dass sie mehr bekommen als andere - geschenkt. Aber wenn sie jetzt ihrer eigenen Airline einen derartigen Schaden zufügen - Experten rechnen mit 30 bis 40 Millionen Euro pro Streiktag - dann gibt mir das zu denken. Denn die Lufthansa steht mittlerweile in einem knallharten Konkurrenzkampf, mit staatsfinanzierten Airlines vom Golf etwa. Auch die Lufthansa war mal ein Staatskonzern, aber die Zeiten sind lange vorbei. Mittlerweile gehören 15 Prozent der Aktien angelsächsischen Finanzinvestoren. Die wollen Rendite sehen. Da muss das Management liefern. Aber genau so drücken die elf Milliarden Euro an Pensionsverpflichtungen - eine Last, die sich der Konzern in besseren Zeiten aufgeladen hat. Eine solche Last haben die Herausforderer wie Emirates oder Etihad nicht zu schultern.

Aber genau die sind es, die der Lufthansa das Leben schwer machen. Etihad ist zum Beispiel gerade dabei, das Bündnis mit seiner Partner-Airline Air Berlin neu zu justieren und bereitet so einen massiven Angriff auf den Platzhirsch Lufthansa vor. Da kann das Management der Kranich-Airline nicht tatenlos zusehen. Die Kosten müssen zumindest ansatzweise konkurrenzfähig bleiben, wenn man auch in Zukunft noch mitspielen will.

Was also ist angesichts des enormen finanziellen Drucks so verkehrt am Vorschlag der Lufthansa, die Altersvorsorge schrittweise zu flexibilisieren? Bei den jetzigen Piloten bleibt alles, wie es ist, bei den jüngeren nimmt man bestimmte Einschnitte vor, die Berufsanfänger müssen künftig selbst fürs Alter vorsorgen.

So wie die Mehrheit der Deutschen übrigens auch.

Der Anlass für diesen beispiellosen Streik der Lufthansa-Piloten ist also der Streit um die Übergangsrenten. Da gerät fast in Vergessenheit, dass natürlich auch eine Lohnforderung auf dem Tisch liegt. Die Gewerkschaft verlangt ein Plus von sage und schreibe zehn Prozent. Noch Fragen?