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Aktuell Deutschland

Pilotenchecks und Akteneinsicht für mehr Flugsicherheit

Wie lässt sich die Flugsicherheit erhöhen? Die Verantwortlichen denken über unangemeldete Medizin-Checks für Piloten und die Freigabe ihrer Krankenakte nach.

Zwei Monate nach dem Germanwings-Absturz geht die Suche nach einem lückenlosen Sicherheitskonzept für Passagierflüge weiter. Unangemeldete Pilotenchecks sollen nach einem Vorschlag von Lufthansa-Chef Carsten Spohr die Flugsicherheit verbessern. Solche Test könnten Unsicherheiten über den psychischen Gesundheitszustand von Piloten verringern, sagte Spohr der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Die Pilotenvereinigung Cockpit (VC) begrüßte den Vorschlag grundsätzlich, die Taskforce für Luftsicherheit müsse ihn noch prüfen. Dieser Taskforce entstammt laut dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" auch der Vorstoß, dass das Luftfahrt-Bundesamt künftig die kompletten Krankenakten von Piloten erhält und nicht nur wie bisher eine anonymisierte Form.

Überraschungstests müssten jedoch hoheitliche Aufgabe des Staates sein, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Es sei daher notwendig, die Anregung zunächst in der entsprechenden Taskforce für Flugsicherheit zu diskutieren. Einen Alleingang schließt das Unternehmen nach eigenen Angaben aus. Die Pilotenvereinigung begrüßte das Vorgehen. "Dort gehört er hin - und nirgendwo anders", sagte ein Sprecher. Allerdings sei es noch zu früh, um aus dem Absturz in Frankreich Schlussfolgerungen zu ziehen. "Wir müssen erst den Abschlussbericht abwarten."

Keine Schweigepflicht und einsehbare Krankenakten

Ein weiterer Vorschlag wäre, behandelnde Ärzte von ihrer Schweigepflicht zu entbinden. Unter welchen Bedingungen und in welchen Fällen das geschehen könnte, müsse noch überlegt werden, meint Spohr gegenüber der FAZ. Hinweise auf psychische Störungen könnte die regelmäßige Einnahme von Antidepressiva geben, die allerdings auch bei chronischen Schmerzen verordnet werden. Gegen eine Lockerung der Schweigepflicht hatte sich die Pilotenvereinigung Cockpit bereits kurz nach dem Absturz ausgesprochen.

Auch die Übergabe von kompletten Krankenakten an das Luftfahrt-Bundesamt wäre eine Möglichkeit, Piloten mit psychischen Problemen besser zu identifizieren, so ein Vorschlag der Taskforce. Eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft bestätigte dies nicht. Die Taskforce arbeite noch, es werde noch mehrere Sitzungen geben, sagte sie in Berlin.

Nach dem Absturz des Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings am 24. März wurde bekannt, dass der

Copilot psychische Probleme

gehabt haben soll. Wie die französische Untersuchungsbehörde BEA feststellte, hatte der 27 Jahre alte Copilot bewusst den tödlichen Sinkflug eingeleitet, während der Pilot nicht im Cockpit war. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und die Luftverkehrswirtschaft hatten daraufhin die Taskforce gegründet, die unter anderem über Änderungen am Türschutz-Mechanismus in Cockpits und über Checks für Piloten beraten soll.

Überführung der Toten noch nicht abgeschlossen

Bei dem Todesflug in den französischen Alpen starben alle 150 Menschen an Bord, unter ihnen 72 Deutsche. Zwei Monate nach dem Unglück müssen die meisten Angehörigen immer noch auf die sterblichen Überreste warten. Nach Angaben des Beauftragten der Bundesregierung, Steffen Rudolph, gibt es bislang keinen Termin, wann die Überführung abgeschlossen sein wird. Wegen der besonderen Umstände des Unglücks habe es bereits bei Bergung und Identifizierung der Opfer einen "erhöhten Zeitaufwand" gegeben, sagte Rudolph. "Das wird sich auch jetzt bei der Überführung nicht vermeiden lassen. Ziel bleibt natürlich, den Anliegen der Angehörigen so schnell wie möglich nachzukommen."

Die Identifizierung der Toten ist erst seit Mitte Mai abgeschlossen. Nach Angaben des Regierungsbeauftragten bekamen die Angehörigen erst unmittelbar danach die amtliche Todesnachricht. "Dieser Prozess ist inzwischen im Wesentlichen abgeschlossen", sagte Rudolph. Als zentraler Ansprechpartner für die Hinterbliebenen hat er im Auswärtigen Amt einen Arbeitsstab zur Verfügung. Für die Überführung der sterblichen Überreste ist die Lufthansa zuständig. Der Konzern zahlte den Angehörigen für jedes Todesopfer 50.000 Euro Soforthilfe. Rudolph äußerte sich nicht näher zum Stand der Gespräche über Schadensersatz.

pab/stu (dpa)