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Wirtschaft

Piloten der Lufthansa kündigen Streik an

Fluggäste der Lufthansa und ihrer Tochter Germanwings müssen sich in der nächsten Woche in Geduld üben. Denn die Piloten haben angekündigt, die Arbeit niederzulegen. Dann droht nicht nur an deutschen Flughäfen ein Chaos.

Geparktes Lufthansa-Flugzeug, davor leere Gepäck-Wagen (Foto: AP)

Die Lufthansa-Piloten befürchten Konkurrenz durch billige Auslandstöchter

Die Lufthansa steht vor einem der größten Streiks ihrer Geschichte. Mit mehr als 93 Prozent stimmten die Piloten der größten deutschen Fluggesellschaft dafür, Anfang der kommenden Woche für vier Tage die Arbeit niederzulegen. Wie die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) am Mittwoch (17.02.2010) in Frankfurt am Main mitteilte, sind auch die Billigflug-Tochter Germanwings sowie die Frachtsparte Cargo von dem Arbeitskampf betroffen.

Keine Flüge mehr ab Montag

Damit droht an deutschen Flughäfen in der kommenden Woche ein Chaos auszubrechen. Wie viele Flüge vermutlich ausfallen werden, konnte die Vereinigung Cockpit nicht beziffern. Außerdem wird der Streik sich vermutlich auch auf andere Länder und Kontinente auswirken. Die Flughäfen Frankfurt und München werden von vielen ausländischen Passagieren zum Umsteigen genutzt. Zudem ist Lufthansa führendes Mitglied der Star Alliance, der unter anderen die amerikanische United Airlines und Singapore Airlines angehören.

Zwei Frauen sitzen auf gepackten Koffern vor der Anzeigentafel am Frankfurter Flughafen (Foto: dpa)

Sollten die Piloten ihre Drohung wahr machen, dürfte sich für tausende Fluggäste die Reise verzögern

Für die Kunden der Star Alliance könnten viele Anschlussflüge von Deutschland aus dem Streik zum Opfer fallen. Die Arbeitsniederlegungen sollen am Montagmorgen um 00.00 Uhr beginnen und bis Donnerstag um eine Minute vor Mitternacht dauern, teilte die Gewerkschaft mitteilte. Aufgerufen sind alle rund 4000 Piloten, die an diesen Tagen im Dienst sind.

Deutsche Piloten fürchten um ihre Jobs

Die Tarifexpertin der Pilotengewerkschaft, Ilona Ritter, sieht die Lufthansa als Schuldige an dem Arbeitskampf. Das Unternehmen sei "sehenden Auges" auf den Konflikt zugesteuert. Die Vereinigung Cockpit fordert 6,4 Prozent mehr Gehalt für eine Laufzeit von zwölf Monaten und die Sicherung der Arbeitsplätze der deutschen Piloten. Die Verhandlungen darüber waren im Dezember von der VC für gescheitert erklärt worden. Gleichwohl ist die Tür noch nicht ganz zu: Lufthansa könne den Arbeitskampf noch vermeiden, wenn sie schnell auf die Gewerkschaft zukomme, sagte Ritter.

Eine brisante Maßnahme

Pilot und Copilot im Cockpit (Foto: AP)

Die Vereinigung Cockpit vertritt 4200 Lufthansa-Piloten

Lufthansa kritisierte den angekündigten Streik als "unverhältnismäßig" und forderte die Pilotengewerkschaft zu weiteren Verhandlungen auf, um eine "konstruktive Lösung" zu erarbeiten. "Das Unternehmen wird alles daran setzen, die Auswirkungen auf Kunden und Fluggäste so gering wie möglich zu halten", heißt es in einer Erklärung.

Die Vereinigung Cockpit ist sich der Brisanz ihres Schritts bewusst, und Gewerkschaftsvertreterin Ritter räumte ein, der tagelange Arbeitskampf sei "zugegebenermaßen eine harte Maßnahme, die uns allen schwer im Magen liegt".

Verlagerung auf externe Gesellschaften

Ziel der Gewerkschaft ist die Sicherung der Arbeitsplätze der deutschen Piloten. Denn in den vergangenen Jahren hat Lufthansa viele Arbeitsplätze zu externen Gesellschaften ausgelagert, bei denen Piloten schlechter bezahlt werden. Die Gewerkschaft nannte eine Größenordnung von 20 bis 25 Prozent. Seit Mitte Januar lief die Urabstimmung über den Arbeitskampf. Zu den externen Töchtern gehören unter anderem Swiss, Austrian Airlines und British Midland. Im Gegenzug für eine Zusicherung zum Erhalt der deutschen Jobs ist die VC eigenen Angaben zufolge zu Zugeständnissen bei den Gehaltsforderungen bis hin zu einer Nullrunde bereit.

Lufthansa lehnte die Position der Piloten jetzt erneut ab. Die Gewerkschaft habe "Forderungen nach Arbeitsplatzsicherheit zusätzlich mit weitgehenden Mitspracherechten bei unternehmerischen Grundsatzfragen und damit einem Eingriff in die Geschäftsführung verknüpft", erklärte das Unternehmen. Dies könne auf keinen Fall akzeptiert werden.

Autorin: Eleonore Uhlich (afp, dpa, apn)
Redaktion: Martin Schrader

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