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Wirtschaft

Pille kommt per Post

Im Ausland gehört der Medikamenten-Handel über das Internet zum Alltag. Ab 2004 dürfen auch deutsche Apotheker online verkaufen. Sie basteln darum an ihren Websites, um sich gegen internationale Konkurrenz zu wappnen.

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Medikamente aus deutschen Apotheken gibt es bald auch online

Im rheinland-pfälzischen Frankenthal herrscht Aufbruchstimmung: Achim Kaul hat sich neben seiner örtlichen Filial-Apotheke ein zweites Standbein geschaffen. Mit eine Versandapotheke ergänzt er sein Produktangebot und bietet im Internet schon seit einiger Zeit rezeptfreie Gesundheitsprodukte und Kosmetika an. Der Pharmazeut kann es kaum erwarten, bis er auch rezeptpflichtige Medikamente an seine Internetkunden ausliefern darf:

"Ich warte schon seit gut zehn Jahren auf diese Möglichkeit", sagt Achim Kaul, der bald eine 750 Quadratmeter große Halle als neues Firmendomizil beziehen will. "Wir schaffen es mit unseren bisherigen Räumen einfach nicht mehr, die große Nachfrage zu erfüllen." In der mehrmonatigen Testphase habe sich die Anzahl der Bestellungen fast verdoppelt.

"Apotheken gibt es auch in Zukunft"

Bei seinem Angebot setzt Achim Kaul auf moderne Technik: "Im Call Center bieten wir kostenlose Beratung an. Die EDV und die Logistik werden derzeit optimiert. Alles absolutes High-Tech-Material", erklärt er stolz. Kleine Brötchen will der Frankenthaler mit seinem Versandhandel keineswegs backen. Dennoch, so betont er, werde es herkömmliche Apotheken auch in Zukunft weiter geben. Der Versandhandel sei eine Ergänzung und kein Ersatz für Apotheken.

Bislang sieht das Gesetz vor, dass rezeptpflichtige Medikamente in Deutschland nur in den Räumen einer Apotheke in Empfang genommen werden dürfen, ein gültiges Rezept vorausgesetzt. Ausnahmen sind nur möglich, wenn dem Patienten nicht zugemutet werden kann, persönlich zu erscheinen. Das Rezept oder das Medikament per Post zu versenden, ist bislang nicht erlaubt.

Versandapotheken im EU-Ausland profitieren zurzeit von dieser Einschränkung und nehmen fleißig die Rezepte ihrer deutschen Kunden per Post entgegen und versorgen diese im Gegenzug mit Medikamenten. Was für die einen ein lukratives Geschäft ist, stellt sich für die anderen als Wettbewerbsverzerrung dar. Mit dem neuen Gesetz soll dieser Misstand künftig beseitigt werden.

Chaos bei den Behörden

Bis Januar 2004 gibt es jedoch noch viel zu tun: Eine Anbieter aus Niedersachsen berichtete gegenüber DW-WORLD zum Beispiel von "chaotischen Zuständen" bei der Antragsstellung. Die Mitarbeiter der Bezirksregierung Weser-Ems hätten als zuständige Aufsichtsbehörde so gut wie keine Informationen über das Antragsverfahren parat. Antragsformulare sowie Merkblätter seien außerdem noch gar nicht erhältlich.

Die Behörde bestätigte diese Aussage, wies jedoch darauf hin, dass Merkblätter in Vorbereitung seien. Ab Dezember sollen schließlich auch Auskünfte und Antragsformulare bei der Behörde in Oldenburg verfügbar sein.

Thomas Kerckhoff, Vorsitzender beim Bundesverband deutscher VersandapothekerInnen, kennt diese Probleme. Im Moment müsse man ein wenig Geduld zeigen, so Kerckhoff: "Das Gesetz sagt, dass der Versandhandel vom 1.1.2004 an zulässig ist. Es werden auch eindeutige Kriterien für die Zulassung als Versandapotheke genannt. Dennoch ist das Verfahren noch nicht erprobt und deshalb gibt es noch große Unsicherheiten, die nach und nach verschwinden werden."

Krankenkassen setzen auf Internethandel

Einkaufen im Internet

Virtuelle Apotheke

Das Interesse am Medikamentenhandel per Internet ist groß. Selbst die Krankenkassen setzen auf Spareffekte durch das neue Angebot. Die Gmünder Ersatzkasse hat mit der niederländischen Web-Apotheke DocMorris einen Vertrag abgeschlossen, mit dem künftig weniger Kosten auf die Krankenkasse zukommen.

Auch die Techniker Krankenkasse ist derzeit in Verhandlungen mit verschiedenen Anbietern. Der Apotheker Johannes Mönter aus Bad Laer kündigte zudem an: "Von unserem Logistikzentrum werden wir die Versicherten des Bundesverbandes der Innungskrankenkassen mit günstigen Medikamenten versorgen."

Trotz aller Erleichterungen gibt es auch nach Januar 2004 eine Wettbewerbsverzerrung, die den deutschen Versandapothekern Kopfschmerzen bereitet: DocMorris hatte unlängst angekündigt, dass es von seinen Kunden nur die Hälfte der jeweiligen Zuzahlung kassieren will, während deutsche Apotheker diesen Rabatt nicht einräumen dürfen.

Kein Wunder also, dass es den niederländischen Versandhändler auch im kommenden Jahr nicht nach Deutschland zieht: "Der deutsche Arzneimittelmarkt ist noch zu stark reglementiert", sagte Geschäftsführer Ralf Däinghaus. Die weiterhin geltende Preisbindung für rezeptpflichtige Präparate sei "ein klarer Wettbewerbsnachteil für deutsche Apotheker".

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