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Wissen & Umwelt

'Pille danach' bald rezeptfrei

Frauen können die "Pille danach" bald rezeptfrei in Apotheken kaufen. Bisher muss das Medikament in Deutschland vom Arzt verschrieben werden. Eine Entscheidung der EU-Kommission wird das jetzt ändern.

Kein Arzttermin, kein langes Warten, kein Herumsitzen in der Notaufnahme, wenn der Gynäkologe des Vertrauens nicht erreichbar und bei der Verhütung etwas schief gegangen ist. Statt dessen die "Pille danach" einfach in der Apotheke kaufen: Viele Frauen in Deutschland würden das als Erleichterung empfinden. In anderen europäischen Staaten wie zum Beispiel Frankreich ist das längst möglich. Jetzt hat die EU Kommission das Präparat "Ellaone" für den rezeptfreien Verkauf freigegeben. Die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hatte das schon im November 2014 empfohlen. Damit wird wohl auch die Rezeptpflicht in der Bundesrepublik fallen. Dabei haben viele in Deutschland sie lange verteidigt.

Was spricht für eine Rezeptpflicht?

Bisher haben sich beispielsweise die Fachverbände der Frauenärzte dafür ausgesprochen, die Rezeptpflicht beizubehalten. Die Argumente der Mediziner: Frauen müssten umfassend beraten werden, ob es sinnvoll und erfolgversprechend ist, die "Pille danach" einzunehmen. Sie sei ein ernstzunehmendes Medikament, das in den Hormonhaushalt eingreife und Frauen müssten über die Nebenwirkungen informieren werden. Das könne am Besten der Arzt.

Außerdem gäbe es in Deutschland im internationalen Vergleich sehr wenige Schwangerschaftsabbrüche. Das würde dafür sprechen, dass die deutschen Regelungen zur Empfängnisverhütung gut seien.

Was spricht gegen eine Rezeptpflicht?

Wer die "Pille danach" braucht, muss sich beeilen. Sie wirkt am besten, wenn sie möglichst bald nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Gäbe es keine Rezeptpflicht, müssten Frauen in dieser Notsituation nicht noch aufwendig einen Arzt aufsuchen, argumentiert zum Beispiel die Beratungsstelle für Familienplanung "pro familia". Das sei besonders in ländlichen Gegenden oft schwierig. Apotheken dagegen hätten Tag und Nacht geöffnet. Außerdem sei die Pille gut verträglich.

Auch der deutsche "Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht" hat mehrfach erklärt, es gebe keine medizinischen Argumente, die zwingend für eine Rezeptpflicht sprechen. Es sei aber wichtig, dass Frauen dann in der Apotheke gut beraten würden.

Wie wirkt die "Pille danach"?

Es gibt zwei verschiedene Wirkstoffe, die als "Pille danach" auf dem Markt sind. Beide beeinflussen den Hormonhaushalt und verschieben den Eisprung der Frau nach hinten. Damit verhindern sie, dass ein Ei heranreift, solange die Spermien lebensfähig sind.

Ist bereits ein befruchtungsfähiges Ei herangereift, können die Mittel eine Schwangerschaft nicht mehr verhindern, denn sie bewirken nicht, dass ein befruchtetes Ei abgestoßen wird. Deshalb gelten sie als Verhütungsmittel und nicht als Mittel für einen Schwangerschaftsabbruch.

Wie unterscheiden sich die Präparate?

Das ältere Präparat "Pidana" mit dem Wirkstoff "Levonorgestrel" müssen Frauen bis spätestens 72 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr einnehmen. Das neuere Medikament "Ellaone" mit dem Wirkstoff "Ulipristalacetat" ist etwas länger wirksam und verhindert nach Studien auch mehr Schwangerschaften. Hier ist die späteste Einnahme noch nach 120 Stunden möglich. Dafür existieren bei "Ellaone" weniger Daten zur Sicherheit als bei dem älteren Medikament.

Wie waren die Präparate bisher zugelassen?

Schon bisher war das ältere Medikament mit dem Wirkstoff "Levonorgestrel" in vielen europäischen Staaten für den rezeptfreien Verkauf zugelassen, in Deutschland aber nicht.

Das neuere Medikament "Ellaone" war bisher in ganz Europa nicht für den rezeptfreien Verkauf zugelassen.

Weil "Ellaone" als wirksamer gilt, argumentierten Gegner des rezeptfreien Verkaufs bisher auch, es habe keinen Sinn, das weniger wirksame Medikament ohne Rezept abzugeben, das wirksamere aber nicht.

Was wird sich jetzt in Deutschland ändern? Und wann?

Nachdem die EU-Kommission entschiedenen hat, das Präparat "Ellaone" als rezeptfreies Medikament zuzulassen, wird die "Pille danach" wohl auch in Deutschland bald rezeptfrei erhältlich sein. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erklärte am Donnerstag (08.01.2015) in Berlin:"Wir werden der Entscheidung der Kommission folgen und das deutsche Recht für beide Präparate, die derzeit auf dem Markt sind, schnellstmöglich ändern."

Wann genau das sein wird, ist aber noch offen. Ebenso wer die "Pille danach" in Zukunft bezahlen wird. Pro Familia fordert, dass die Krankenkassen die Kosten der "Pille danach" für Mädchen unter 20 Jahren weiter übernehmen, auch wenn sie rezeptfrei erhältlich sein wird. Auch der Bundesverband der Frauenärzte spricht sich für eine weitere Übernahme der Kosten aus. Das Präparat "Ellaone" kostet derzeit etwa 36 Euro, "Pidana" etwa 18 Euro.

Auch wie eine intensive, aber diskrete Beratung der Frauen in den Apotheken aussehen soll, ist noch unklar. Frauenärzte, Apotheker und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sollen dafür Standards entwickeln.

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