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Pilgern

Mekka, Lourdes, Santiago de Compostela – das sind nur einige der vielen Pilgerstätten, zu denen Pilger reisen. Religion spielt dabei keine Rolle mehr: Auch Menschen ohne Religionszugehörigkeit entdecken das Pilgern.

Es muss etwas dran sein. Das Leben ist anstrengend genug und die Zeiten sind hart. Wer wollte da noch freiwillig weitere Strapazen auf sich nehmen. Nun, es sind Tausende, die genau das tun. Abertausende. Tendenz steigend. Allein in der steiermärkischen Gemeinde Mitterdorf kommen alljährlich ca. 10.000 Personen auf ihrem Weg nach Mariazell vorbei. Das heißt, sie machen dort Rast und das gefällt den Mitterdorfern sehr. Das bringt Geld und das ist auch völlig in Ordnung. Es gibt in Mitterdorf ein vom Tourismusverband angebotenes Dienstleistungspaket, den "Boxenstopp für Pilger". Man muss ja mit der Zeit gehen.

Steiermärkischer Pilgerstopp

Der Boxenstopp gibt den Pilgerinnen und Pilgern die Möglichkeit, aufzutanken. Bildlich gesprochen versteht sich; und da zu Fuß gepilgert wird, steht auch kein Reifen – sondern höchstens ein Schuhwechsel an. Wer seinen Hunger pilgergemäß stillen will, kann eine Pilgersuppe aus der Brotschüssel zu sich nehmen; und da auch beim Pilgern Power vonnöten ist, gibt es Pilger-Riegel und ein ganz besonderes Pilgerbrot, für das sich der Pilgeraufstrich anbietet.

Das alles ist kein Witz, Pilgern ist eine ernste Sache. Nicht nur in Österreich; womit wir unser Nachbarland verlassen und uns dem wohl berühmtesten europäischen Pilgerweg zuwenden: dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela, dem Weg des Heiligen Jakob.

Pilgern für die Selbsterfahrung

Der Jakobsweg beziehungsweise die Jakobswege, es führen viele nach Santiago de Compostela, gilt unter Pilgerfreunden als der Pilgerweg schlechthin. Wer ihn geht – und das können weit über 1000 Kilometer sein – muss nicht unbedingt christlichen, gar katholischen Glaubens sein, aber alle, die sich auf diesen Weg machen, versprechen sich etwas davon. Was auch immer das sein mag, die Pilgerreise nach Santiago de Compostela hat wohl alle, die sie hinter sich gebracht haben, in gewisser Weise verändert. Zum Positiven versteht sich.

Was ist das, Pilgern? Und wer ist ein Pilger? Die Geschichte des Wortes ist aufschlussreich. Das lateinische "Peregrinus", von dem unser "Pilger" entlehnt wurde, bedeutete "Fremdling". Später wurde daraus der aus "religiösen Motiven zeitweise oder dauernd heimatlos Wandernde". So steht es im Brockhaus. Pilgern, das ist die Wallfahrt, die zeitlich begrenzte Pilgerreise zu einer heiligen Stätte. Zum Beispiel nach Mekka für die Muslime, nach Fatima, Lourdes oder eben Santiago de Compostela für die katholischen Christen.

Das Streben nach Verheißung und Glück

Das dauernde, ja lebenslange Pilgern hat es tatsächlich auch gegeben, und gibt es im Buddhismus bis heute. Im frühchristlichen Mönchtum war es als Ausdruck des Verzichts auf Sesshaftigkeit eine Form der Askese. "Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh … der ewigen Heimat zu" heißt es in einem Kirchenlied. Das menschliche Leben als Pilgerreise, als Pilgerfahrt, an deren Ende der Ort der Verheißung liegt.

"Life is a pilgrimage" lautet ein englisches Sprichwort: "Das Leben ist eine Pilgerfahrt". Wenn wir schon beim Englischen sind, müssen beim Thema "Pilgern" die so genannten "Pilgerväter", die "Pilgrim Fathers" unbedingt erwähnt werden. Sie verließen unter anderem aus religiösen Gründen ihr Heimatland und fuhren mit der legendären "Mayflower" im Jahr 1620 über den Atlantik. Das Ziel dieser Pilger war Amerika, wo sie sich Freiheit und Glück erhofften.

Die Veränderung der Ausrüstung

Pilger sind Reisende der besonderen Art. Vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit trugen sie das, was man Pilgerkleidung nannte. Die braune oder graue Kutte, den breitkrempigen Pilgerhut, der oft mit den Schalen der Jakobsmuscheln verziert war und, auch der wurde zur Kleidung gerechnet, den Pilgerstab. Nicht zu vergessen die Pilgerflasche: ein ausgehöhlter Kürbis.

Der moderne Pilger und die moderne Pilgerin gehen natürlich mit der Zeit. High-Tech-Kleidung und Nordic-Walking-Stöcke verkürzen zwar nicht die Wegstrecke, machen sie aber erträglicher. Pilger sollten nur das Allernötigste in ihren Pilgerrucksack packen, jedes Gramm zählt, wenn bei glühender Hitze und weit vor der nächsten Herberge die Beine schwer werden und die Füße schmerzen.

Das Handy für jeden Zwischenfall

Dieser Tage war in einem Zeitungsartikel von einem reichen spanischen Geschäftsmann zu lesen, der sich auch nach Santiago aufgemacht hatte. Wohlweislich pilgerte er gänzlich ohne Gepäck. Aber er hatte sein Mobiltelefon dabei; und wenn Hunger und Durst zu groß wurden, telefonierte er und schon kam sein privater Versorgungswagen. In diesem Zusammenhang ein Tipp für alle modernen Pilger: Beim Boxenstopp nicht vergessen, den Handyakku aufzuladen!

Fragen zum Text

Der Jakobsweg führt nach …

1. Mitterdorf.

2. Santiago de Compostela.

3. Lourdes.

Das Schiff, das 1620 viele Auswanderer nach Amerika brachte hieß …

1. Titanic.

2. Olympia.

3. Mayflower.

Eine Pilgerflasche bestand früher aus …

1. einem ausgehöhlten Kürbis.

2. einer ausgehöhlten Kokosnuss.

3. einer ausgehöhlten Melone.

Arbeitsauftrag

Stellen Sie sich vor, Sie gehen auf eine Pilgerreise. Wie würden Sie sie gestalten? Beschreiben Sie in einem kurzen Text, wie Sie die Reise organisieren und was Sie mitnehmen würden.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken / Ingo Pickel

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