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Wirtschaft

Pilgern via Himmel

Pilgerreisen boomen. Jetzt kann man direkt beim Vatikan fromme Flüge buchen - andächtiges Bordprogramm inklusive.

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Vielflieger: Benedikt XVI

Als Haudegen Bud Spencer 1981 die Cargo-Airline Mistral Air gründete, da hätte er sich wohl nicht träumen lassen, dass seine Flugzeuge irgendwann im päpstlichen Auftrag Pilger über den Wolken schweben lassen würden. Heute gehört die Gesellschaft der italienischen Post - und fliegt seit Montag dank einer neuen Zusammenarbeit mit dem vatikanischen Pilgerbüro ("Opera Romana Pellegrinaggi", OPR) Gläubige direkt von Rom zu den heiligen Stätten der Welt.

Der erste Vatikan-Charterflieger mit Pilgern an Bord ist am Montag (27.8.) in Rom gestartet. Ziel sei der französische Pilgerort Lourdes, berichtete die Flughafenagentur Telenews. An Bord sei auch Kardinal Camillo Ruini, der die Pilger bei dem Premierenflug begleiten wollte. "Das Pilgern hat seine Form geändert, es muss heute schneller gehen, aber seine tiefe Seele hat es doch behalten", sagte Kardinal Ruini.

Der religiöse Tourismus boomt wie selten zuvor. Allein 2006 unternahmen 150 Millionen Menschen in aller Welt Pilgerreisen, 2007 sollen es noch 40 Millionen mehr werden, alleine Lourdes besuchen sechs Millionen Gläubige pro Jahr.

"Wachsende Nachfrage"

OPR-Präsident Ruini hat mit der Mistral Air einen zunächst fünf Jahre laufenden Vertrag ausgehandelt. Damit wolle der Vatikan "auf die wachsende Nachfrage von Pilgern reagieren, die die wichtigsten Orte ihres Glaubens besuchen wollen", erläuterte zuletzt ein Sprecher des Heiligen Stuhls die Idee. Wenn alles wie geplant läuft, dann sollen rund 150.000 Pilger pro Jahr von dem neuen Angebot profitieren.

Schon ab 2008 werden die Verbindungen erheblich ausgebaut: Dann sollen Gläubige auch von Verona, Bari, Brindisi, Lamezia Terme, Catania und Ancona aus mit einer Boeing 737-300 zahlreiche Wallfahrtsorte und Heiligtümer in aller Welt ansteuern. Unter anderem will die Mistral Air bald den Fatima-Schrein in Portugal, Santiago de Compostela in Spanien und den weltbekannten Wallfahrtsort Tschenstochau in Polen anfliegen. Kurz vor dem Abflug betonte Ruini, er hoffe auf eine baldige Entspannung der Lage in Israel, damit die neuen Pilgerflüge auch das Heilige Land ansteuern können: "Aber die Voraussetzung dafür ist der Frieden, der es den Pilgern erlaubt, ihre Ängste vor Reisen an diese Orte zu überwinden."

Wo ist das Gesicht des Herrn?

Begleitet werden die Pilger dabei von speziell ausgebildeten Hostessen und Geistlichen. Während der Flüge soll nach Angaben von Mistral versucht werden, eine andächtige Atmosphäre zu erzeugen. Dafür wurden beispielsweise christliche Botschaften in

die Kopfstütz-Überzüge eingeprägt. Um den religiösen Sinn der Charterflüge zu unterstreichen, befinden sich in den Flugzeugen auch Schriftzüge mit dem Motto "I'm searching for your face, Lord" (Ich suche nach deinem Gesicht, Herr). Im Bordprogramm gibt es Filme über Pilgerziele zu sehen. Zudem sei die Einrichtung der Flugzeuge auf die Bedürfnisse älterer oder behinderter Menschen ausgerichtet, teilten die Veranstalter mit.

"Es soll von Anfang an eine Atmosphäre geschaffen werden, die mit dem eigentlichen Sinn der Pilgerreise einhergeht", erklärte OPR-Geschäftsführer Cesare Atuire. Das heißt auch, dass die Reisen erschwinglich sind - schließlich geht es beim Pilgern normalerweise sehr spartanisch zu. (sams)

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