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Kultur

Piefiger Privatbau - eindrucksvoller Erinnerungsort

Ex-Minister Norbert Blüm lästerte, das Ganze habe den Charme einer Hundehütte, aber Ludwig Erhard, Helmut Schmidt und Helmut Kohl fühlten sich hier wohl.

Blick auf den Kanzlerbungalow im Garten des Palais Schaumburg in Bonn am 13.11.1964.

Kurz nach der Fertigstellung 1964

Eingeweiht wurde der Bonner Kanzlerbungalow 1964, als Ludwig Erhard noch regierte. Es ist ein Abbild der damaligen Zeit: schlicht, spartanisch eingerichtet und alles andere als staatstragend. Gedacht war der Bau für repräsentative Zwecke, bot aber auch Platz für die Wohnung des Kanzlers samt Familie. Bescheidenheit, Maß halten, sparen - hier war die Botschaft Ludwig Erhards zum architektonischen Sinnbild geworden.

Nicht zuviel Askese, bitte!

Andere Regierungschefs waren dagegen weniger von der räumlich Enge begeistert. Schon Kurt-Georg Kiesinger, Erhards Nachfolger, wollte von Askese nichts wissen und fand den Bau zu klein, zu wenig repräsentativ. Vielleicht sei er, so Kiesinger, für dieses Haus zu altmodisch. Willy Brandt zog erst gar nicht ein und logierte lieber woanders, erzählt Hans-Walter Hütter, Präsident der Stiftung "Haus der Geschichte". Brandt habe die Atmosphäre als nicht familientauglich empfunden, zudem habe ihm die sommerliche Schwüle zu schaffen gemacht. "Er hat deshalb seine Außenministervilla auf dem Venusberg weiter bewohnt, hat aber hier im Bungalow eine Reihe von politischen und gesellschaftlichen Treffen gehabt mit verschiedenen Repräsentanten aus der Innenpolitik,aber auch mit ausländischen Vertretern."

Der renovierte ehemalige Bungalow der Bundeskanzler in Bonn ist nun für den Publikumsverkehr geöffnet.