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Kultur

Pianistin Grimaud erhebt schwere Vorwürfe

Nach der Absage ihres Konzerts in Prag mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden hat die französische Pianistin Helene Grimaud schwere Vorwürfe gegen das Festival "Prager Herbst" erhoben. "Ich bin schockiert über den Vorfall", sagte die 37-jährige Künstlerin der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin. Der Leiter des Festivals, Pavel Spiroch, habe sie vor Zeugen in betrunkenem Zustand bedroht, nachdem sie um eine Überholung des "völlig unspielbaren" Flügels vor dem Konzert gebeten hatte. Sie habe sich angesichts von Spirochs aggressiver Haltung gefährdet gefühlt.

Der Festivaldirektor habe die Neueinrichtung des Instruments verweigert und nach seiner erzürnten Reaktion die Vorstellung ganz
abgesagt und das Publikum nach Hause geschickt, sagte Grimaud, die als eine der weltweit besten Pianistinnen gilt. Spiroch habe kein
Interesse gezeigt, das Problem zu lösen. Bei ihren Konzerten weltweit müsse sie stets mit verschiedenen Instrumenten spielen, es werde bei Problemen aber immer eine Lösung gefunden. Grimaud sollte in Prag Beethovens 5. Klavierkonzert spielen.

Die Staatskapelle Dresden erklärte sich mit der Pianistin solidarisch. "Frau Grimauds Beschwerde war aus meiner Sicht absolut verständlich, die Reaktion des Veranstalters dagegen nicht nur ein völlig unangemessener Affront, sondern ein klarer Rechtsbruch", sagte Chefdirigent Fabio Luisi. "Die Beleidigung gegen Frau Grimaud war eine Beleidigung gegen das ganze Orchester." Er widersprach der Darstellung des Festivals, der Flügel sei bespielbar gewesen. Aus der 460-jährigen Geschichte des Orchesters sei ihm ein solcher Fall nicht bekannt, sagte Orchesterdirektor Jan Nast. Die erste Tournee des Orchesters unter seinem neuen Generalmusikdirektor führt über Turin nach Wien, Frankfurt, Essen und Paris.