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Musik

Philosophie mit Glockenspiel

Vor zwei Jahren wurde Konstantin Gropper von der internationalen Musikpresse als das deutsche Wunderkind gefeiert. Sein neues Album zeigt, er hat das Potential eines großen Künstlers noch lange nicht ausgeschöpft.

Get Well Soon live beim Hurricane 2009 (Foto: picture alliance)

Get Well Soon live beim Hurricane 2009

"Mein Debütalbum ist eine Anhäufung von Unzulänglichkeiten gewesen", beschreibt Konstantin Gropper seine ersten Schritte ins Popbusiness. Damals, vor zwei Jahren kam er direkt von der Mannheimer Popakademie und seine Musik war das Ergebnis jahrelangen Heimwerkens am Computer. Mit dem Album "Vexations" ist Gropper nun schon eher zufrieden. Die Erwartung an das zweite Album waren allgemein auch ziemlich hoch, denn seit dem Erstlingswerk "Rest Now, Weary Head!" war er mit seiner Band "Get Well Soon" ständig present. Er gab unzählige Konzerte und nahm diverse Aufträge für Filmsoundtracks an unter anderem für den Wim Wenders Film "Palermo Shooting".

Die Philosophen als Inspiration

CD Cover Vexations (Foto: DW)

Das Album Vexations entstand in nur zwei Monaten

"Vexations" ist eine Art Konzeptalbum über den Stoizismus geworden, erklärt der in Mannheim lebende Gropper. Nachdem er auf dem Dachboden seines bildungsbürgerlichen Elternhauses die Schriften des römischen Dichters, Philosophen und Beraters von Kaiser Neros, Luicius Annaeus Seneca entdeckt hatte, wollte er dessen Inhalte "Über die Seelenruhe" oder "Über den Zorn" in Musik packen. Die Songtexte auf Vexations verarbeiten philosophische Zitate von Hegel bis Werner Herzog. Tod, Verzweiflung, Verlust – das sind die Themen über die Konstantin Gropper singt. Das Texten hätte ihn an seine Studienzeit erinnert, schmunzelt der Akademiker: "Ich habe zu diesen Songs recherchiert und Bücher gelesen, es war wie eine Hausarbeit, die man schreibt."

Indie-Pop mit großer Besetzung

Konstantin Gropper auf der Bühne (Foto: Britta Pedersen/dpa)

Konstantin Gropper alias Get Well Soon

Auch auf dem zweiten Album bricht Gropper mit seiner Band popmusikalische Strukturen auf, verändert sie, fügt ihnen zahlreiche Instrumente aus der Klassik hinzu und verpackt seine Songs mit opulenten Streicherarrangements. Der studierte Musiker, der als Kind mit dem Cello begann, steht auf Bach, Beethoven oder Mozart, orientiert sich dabei aber auch immer an Bands wie Radiohead, Bright Eyes oder Arcade Fire. Geigen, Glockenspiele und Marimbas setzt er ebenso ein wie mit dem Finger gestrichene Weingläser oder das Vogelzwitschern im Wald hinter seinem Elternhaus.

Live statt Laptop

Zum ersten Mal hatte Gropper die Möglichkeit, in einem `richtigen´ Studio seine Songs aufzunehmen. Der schüchterne Songwriter arbeitete bislang fast immer im Alleingang, spielte fast alle Instrumente allein ein, nahm die Songs auf dem Laptop auf. Alles in Eigenregie, ohne Band. Auch die Kompositionen zu Vexations entstanden zunächst am Rechner. Doch anschließend engagierte er befreundete Musiker, um die Songs im Studio als Band einzuspielen. Und das Ergebnis hat ihn überrascht: "Es klingt einfach organisch und menschlich. Es atmet und hat die bestimmte analoge Wärme, die man aus einem Laptop nicht herausbekommt," so Gropper. Und fügt seinen Gedanken ein "leider" hinzu.

Komplex aber sinnlich

Porträt Konstantin Gropper (Foto: Britta Pedersen/dpa)

Eine ernste Sicht auf die Dinge

Trotz der komplexen und düsteren Texte klingen die Songs auf "Vexations" nicht depressiv und melancholisch, sondern auf eigenartige Weise beflügelnd. Ein Grund dafür war sicherlich auch die Tatsache, dass Konstantin Gropper innerhalb von zwei Wochen das gesamte Album einspielen musste. "Für mich wirkt die CD jetzt viel kompakter als mein Debüt," sagt der Sohn eines schwäbischen Musiklehrers. Und wirklich, Es gibt eine Menge musikalischer Feinheiten bei Get Well Soon zu entdecken. Fast wie ein klassisches Werk ist das Album konzipiert. Nach dem Überraschungserfolg mit seinem Debütalbum beweist Konstantin Gropper und Get Well Soon mit "Vexations", dass er einer der talentiertesten und interessantesten Komponisten und Arrangeure Deutschlands ist.

Autor: Ralf Kennel

Redaktion: Matthias Klaus

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