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Bundesliga

Philipp Lahm sagt mit Schale Servus

Mit dem Abschied von Philipp Lahm endet eine der größten deutschen Fußballkarrieren. Noch einmal wird der Weltmeister als Bayern-Kapitän die Schale empfangen. Dann wird er Privatier - mit alltäglichen Wünschen.

Die Vorfreude auf die emotionale Titelparty ist groß bei Philipp Lahm. Zum Abschied einer Karriere für die deutsche Fußball-Ewigkeit wird der Weltmeister noch einmal die Meisterschale im Konfettiregen in die Höhe recken. Nach rund anderthalb Jahrzehnten als Profi freut sich der 33-Jährige aber auch schon auf sein neues Leben als Privatier, auf ausgedehnte Frühstücke mit der Familie, auf viel Zeit mit Ehefrau Claudia, Sohn Julian und der bald geborenen Tochter.

Philipp Lahm privat mit Frau und Kind beim Oktoberfest 2014 (Foto: picture alliance/sampics/Stefan Matzke)

Mehr Zeit für die Familie: Lahm wird Privatier - zunächst!

"Erst einmal mache ich mit meiner Familie Urlaub und lebe frei in den Tag hinein. Doch ich werde mir einen Tag setzen und den für mich als Startschuss in mein neues Leben definieren", kündigte Lahm an und ergänzte: "Man weiß nie, was kommt. Erstmal möchte ich Abstand gewinnen nach 22 Jahren FC Bayern mit einer kurzen Auszeit in Stuttgart." Jetzt freut er sich auf den letzten Profi-Auftritt am Samstag. "Ich habe nach wie vor Gänsehaut, wenn die Fans meinen Namen rufen", sagte der Alles-Gewinner im "Bayern-Magazin".

"Immer gespielt, um erfolgreich zu sein"

Als der Nachwuchsmann Lahm am 13. November 2002 beim bedeutungslosen Champions-League-Spiel der bereits ausgeschiedenen Münchner gegen RC Lens eingewechselt wurde, konnte niemand wissen, wie groß diese Karriere werden würde. Acht deutsche Meistertitel, sechs DFB-Pokalsiege, der Erfolg bei der Club-WM 2013 und als Krönung der Vereinskarriere der Champions-League-Triumph 2013 stehen in der einzigartigen Vita Lahms. "Ich habe nie für irgendwelche Rekorde gespielt. Ich habe immer gespielt, um erfolgreich zu sein", erklärte Lahm. Auch im DFB-Trikot, in dem er als Weltmeister in seinem 113. und letzten Länderspiel zu den größten deutschen Fußballern überhaupt aufstieg. Am Morgen nach dem Endspiel teilte er Bundestrainer Joachim Löw die Entscheidung mit, die DFB-Laufbahn auf dem Höhepunkt zu beenden.

Kapitän Philipp Lahm mit der Schale in der Hand und die Mannschaft des FC Bayern jubeln über den Meistertitel 2016 (Foto: picture-alliance/dpa/A. Gebert)

Gewohntes Bild: Kapitän Philipp Lahm und der FC Bayern jubeln über den Meistertitel - hier im Jahr 2016

Typisch Lahm. Der 33-Jährige war schon immer ein Selbstbestimmer, und so ist das Karriereende ein Jahr vor Auslaufen seines Vertrags fast folgerichtig. Jetzt tritt er in einer starken Position zurück, auch wenn ihn Trainer Carlo Ancelotti gerne als "neuen Paolo Maldini" bis ins Alter von 40 Jahren auf dem Platz behalten hätte. Aber so tickt Lahm nicht. Geldverdienen in einer Altherren-Liga oder ein Karriereende à la Bastian Schweinsteiger in den USA kommen für den Unternehmer nach über 500 Bayern-Spielen nicht in Frage. Schon jetzt ist Lahm bei einer Reihe von Firmen involviert, so beispielsweise als Gesellschafter des Müsliherstellers Schneekoppe, der Berliner Agentur Die Brückenköpfe und beim bayerischen Sportproduktehersteller Sixtus. Zum Lahm'schen Portfolio gehört ebenso Danova, ein Nürnberger Anbieter von betrieblicher Gesundheitsvorsorge. 40 Prozent des Unternehmens darf Lahm sein Eigen nennen.

Eigene Meinung, egal was es kostet

Philipp Lahm von Bayern spielt den Ball (Foto: picture-alliance/dpa/T. Hase)

Allrounder Lahm: Vielseitig eingesetzt und immer gut

Unabhängigkeit gehörte immer zu seiner Karriere. Die demonstrierte der Defensivspieler auch in einem Interview im Jahr 2009 mit Aussagen zur Transferpolitik und zur Spiel-Philosophie. 50.000 Euro Strafe musste Lahm damals zahlen. Seine Autonomie wollte er sich für die Zeit nach der Profilaufbahn erhalten. Eine Rolle ohne Vorstandsplatz unter den Bayern-Bossen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge kam für Lahm daher nicht in Frage. Auch hier verfolgt der 33-Jährige einen klaren Karriereplan.

Auf dem Platz machte er eigentlich immer das Richtige. Wenngleich es sich für den Familienvater von bald zwei Kindern nicht mehr ganz so mühelos anfühlte wie einst. Der frühere Nachwuchstrainer und aktuelle Bayern-Assistent Hermann Gerland erzählt immer wieder gerne die Geschichte, wie schwierig es war, Lahm in die Bundesliga zu bringen: "Es waren renommierte Trainer dabei, die abgewunken haben. Erst Felix Magath hat zugegriffen." Aus Stuttgart kam Lahm gereift zurück und stieg zu einem großen Anführer der Bayern auf.

Eine Auszeichnung fehlt noch

Als Lahm seine Karriere begann, hatten Alphatiere wie Oliver Kahn oder Michael Ballack das Sagen. Der nur 1,70 Meter große Lahm ist auch nicht weniger einflussreich, doch er prägte in seiner Generation einen anderen Führungsstil. Allerdings auch meinungsstark und durchaus geltungsbewusst: Die vom verletzten Michael Ballack für die WM 2010 übernommene Kapitänsbinde gab er nicht mehr her.

Philipp Lahm hält 2014 den Weltmeister-Pokal in die Höhe. Links jubelt Lukas Podolski, rechtes Thomas Müller. (Foto: picture-alliance/dpa)

Ein Moment für die Ewigkeit: Lukas Podolski, Philipp Lahm und Thomas Müller 2014 im Weltmeister-Rausch

Eine Ehrung fehlt in Lahms Vita überraschend, nie wurde er "Fußballer des Jahres" in Deutschland. "Was er in der ganzen Zeit für den deutschen Fußball geleistet hat: Da hätte er mindestens einmal verdient gehabt, Fußballer des Jahres zu sein", sagte Kapitäns-Nachfolger Manuel Neuer. Die besten Chancen auf diese Auszeichnung in diesem Sommer aber hat Lahm allemal.

ck/sn (dpa)

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