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Sport

Philipp Boy turnt zu EM-Gold

Weil Star-Turner Fabian Hambüchen bei der Heim-EM in Berlin fehlt, steht plötzlich ein anderer im Fokus: Philipp Boy. Aber der ist mehr als ein Hambüchen-Ersatz - er ist neuer Mehrkampf-Europameister.

Philipp Boy jubelt (Foto: AP)

Philipp Boy mit der Siegerfaust nach EM-Gold

Beinahe scheint es, als ob das Publikum völlig vergessen hat, dass der große Star fehlt: Fabian Hambüchen schwingt sich nicht über Barren und Reck bei der Turn-Europameisterschaft in Berlin. Der Weltmeister von 2007 ist nach einer Achillessehnen-Operation noch nicht wieder fit. Doch mit Philipp Boy haben die Zuschauer in der Berliner Max-Schmeling-Halle schon einen neuen Liebling. Und der turnt prompt zu EM-Gold im Mehrkampf. "Ein krasser Wettkampf" war es für ihn, wie er betont. Denn lange hatte Boy hinter den Medaillenrängen gelegen, am Pauschenpferd einen Fehler gemacht, aber mit der letzten Übung sprang er förmlich zu Gold: Am Boden holte er alles aus sich heraus und überflügelte die Konkurrenz.

Ohne Hambüchen? "Nicht so schlimm!"

Es ist eine neue Erfahrung für ihn, nun in Abwesenheit von Hambüchen im Rampenlicht zu stehen – und die genießt Boy: "Dass die Europameisterschaft jetzt ohne Fabian Hambüchen stattfindet, ist nicht so schlimm", meint Boy. "Er kommt ja ohnehin hierher, moderiert und macht Autogrammstunden. Aber wir anderen können uns jetzt präsentieren, wir haben hier eine Plattform und die wollen wir nutzen für uns."

Philipp Boy feiert seine WM-Silber-Medaille 2010 (Foto: AP)

Sein bisher größter Erfolg: WM-Silber 2010

Philipp Boy, erst 23 Jahre alt, stammt aus dem deutsch-polnischen Grenzgebiet, turnt schon seit seinem fünften Lebensjahr und reifte in Cottbus zum Weltklasseturner. Er ist ein weiteres Beispiel für die gute Talentförderung in Deutschlands Osten. Er selbst beschreibt sich als "zielstrebig, teamfähig und fröhlich." Und diese Art ist ansteckend. Das spüren derzeit die Zuschauer in Berlin, wo der "Sunny-Boy" für volle Ränge sorgt. "Ich genieße das richtig. Und es ist natürlich auch eine schöne Sache, dass wir das Turnen wieder nach Außen transportieren können."

Publikumsliebling in Berlin

Das gelingt ihm ausgenommen gut. Das Publikum schätzt seinen Hang zum Risiko, sich auch mal an eine scheinbar unmögliche Übung zu wagen. Boy selbst nennt sich einen "Draufgänger" und Bundestrainer Andreas Hirsch weiß, was er an seinem Schützling hat. "Ich denke, er ist sehr ehrgeizig, aber auch nicht zu sehr", betont der Coach. "Er probiert eine gewisse Lockerheit beizubehalten. Ich weiß nur eins, er kann nicht zaubern, was er zeigen kann, ist das, was er sich erarbeitet hat."

Philipp Boy bei der Europameisterschaften in Berlin an den Ringen (Foto: AP)

"Zielstrebig, teamfähig und fröhlich", beschreibt sich Philipp Boy selbst, hier an den Ringen.

Seinen größten Erfolg vor dem EM-Triumph erturnte sich Boy im Vorjahr als Silbermedaillen-Gewinner der WM. Doch danach lieferte er eher mäßige Ergebnisse ab. Rechtzeitig zur Heim-EM in seiner "Lieblingsstadt" Berlin ist er wieder in Topform. Aber auch ihm geht nicht alles leicht von der Hand. Das Reck ist seine Zitterdisziplin: "Am Reck bin ich sehr unentspannt, sagen wir es mal so. Das ist schon fast ein kleiner Alptraum für mich".

Ein Duell zeichnet sich ab: Boy gegen Hambüchen

Trotz Nervenflattern am Reck ist Boys Auftritt schon erstaunlich routiniert, kann sich fokussieren auf den einen entscheidenden Wettkampf. Das beobachtet auch Deutschlands Topstar im Turnen, Fabian Hambüchen, der die Europameisterschaft als Fernseh-Kommentator begleitet und froh ist, "dass nicht immer alle Erwartungen nur an mir hängen, sondern dass das jetzt auch mal die anderen abkriegen."

Noch überlässt Hambüchen seinem Nationalmannschaftskollegen Boy also die Fläche. Aber spätestens zur WM im Oktober will Hambüchen Boy wieder zeigen, wer der Chef an den Ringen ist – und nicht nur dort. Ein Duell, auf das man sich freuen darf.

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Reinhard Kleber