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Kultur

Philanthropen aller Länder, vereinigt euch!

Die "Clinton Global Initiative" will die dringendsten Probleme der Welt klären: vom Klimawandel über ethnische Konflikte bis zur Armutsbekämpfung. Am 20. September beginnt die zweite Konferenz der Initiative in New York.

Bill Clinton (rechts) mit Bill Gates auf der Weltaidskonferenz

Zeit zu handeln: die Altruisten Clinton und Gates bei der Aids-Konferenz in Toronto 2006

Bill Clinton hat sich viel vorgenommen: Seine "Clinton Global Initiative" (CGI) versucht im Grunde genommen nichts Geringeres, als die Welt retten. Zu diesem Zweck investiert Clinton viel Zeit und Geld, reist in die Elendsviertel der Dritten Welt - und bekommt als Ausgleich eine Menge internationale Anerkennung.

Enge Koordination mit der UN

Clinton in Äthiopien HIV AIDS The Clinton Foundation

Clinton, hier beim Besuch eines Krankenhauses in Äthiopien, will good governance fördern

Im September 2005 startete der Ex-Präsident seine Initiative zur Weltpolitik mit einer dreitägigen Konferenz in New York, deren Hauptthemen Armut, Religion und Konflikt, Klimawandel und Regierungsführung waren. Mit diesen soll sich auch das hochkarätige Publikum befassen, dass Clinton zur zweiten Konferenz geladen hat, die er am Mittwoch (20.9.2006) eröffnet. Wissenschaftler, Politiker und Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) aus aller Welt geben sich die Ehre, unter ihnen UN-Generalsekretär Kofi Annan, König Abdullah von Jordanien und Pakistans Präsident Pervez Musharraf. Und auch solche, die man bei einem Heimspiel Clintons eigentlich nicht erwarten würde: First Lady Laura Bush ist da und Bushs ehemaliger Außenminister Collin Powell. Alle friedlich vereint für den guten Zweck.

Clintons Konferenz findet nicht nur zur gleichen Zeit, sondern auch am gleichen Ort und mit einer sehr ähnlichen Agenda wie das Gipfeltreffen der Vereinten Nationen (UN) statt. Kritikern, die ihm vorwerfen, Konkurrenz zu staatlichen Organisationen zu betreiben, hält Clinton entgegen, dass er den Staat nicht bekriegen, sondern ganz im Gegenteil unterstützen wolle. "Clinton lenkt einen Großteil seiner Mittel in bereits bestehende Kanäle", bestätigt Thomas Fues vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE). Beispielsweise sei das Programm der CGI mit dem von UNAIDS, der Anti-Aids-Kampagne der Vereinten Nationen, abgestimmt. Fues zufolge ist "eine solche enge Koordination von Akteuren weitaus sinnvoller als die Gründung neuer Stiftungen."

Globale Vernetzung

Bill Clinton diskutiert mit Jugendlichen über AIDS

Volksnah: Ex-Präsident Clinton diskutiert mit Jugendlichen über Aids

"Ich möchte mit meiner Stiftung dazu beitragen, dass sich eine globale Zivilgesellschaft entwickeln kann, die regionale und nationale Grenzen überschreitet", sagte Clinton in einem Interview mit dem Magazin "Cicero" (Dezember 2005). Ihm schwebt eine Vernetzung von NGOs, Unternehmen und Gewerkschaften vor, die gemeinsam die Globalisierung steuern - sozial und ökologisch korrekt.

Birgit Dederichs-Bain von der Deutschen Welthungerhilfe (DWHH) begrüßt diesen Gedanken: "Wenn man ein gemeinsames Ziel erkannt hat, ist es wichtig, zusammen darauf zuzugehen, anstatt parallel zu arbeiten." Im Kontext der Aids/HIV-Bekämpfung, die auch eines der Hauptanliegen der DWHH ist, habe Clinton bei der Preisreduzierung antiretroviraler Medikamente bereits gute Erfolge erzielt. "Er handelt im Sinne der Betroffenen", sagt Dederichs.

"Wer reich stirbt, stirbt in Schande"

Clinton ist nicht der erste und gewiss nicht der einzige Philanthrop Amerikas. Im Vergleich zur "Bill und Melinda Gates Foundation" ist die CGI arm: Seitdem Warren Buffet, der zweitreichste Mann der Welt, dem reichsten, Gates nämlich, 32 Milliarden Dollar vermachte, verfügt dessen Stiftung über ein Jahresbudget von 2,4 Milliarden Dollar - doppelt so hoch wie der Etat der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Gates Kapital zur Weltrettung verdoppelte sich durch die großzügige Spende auf etwa 50 Milliarden Dollar. Bei Clintons Konferenz werden Buffet und Gates natürlich ebenfalls anwesend sein.

Seebeben Asien - Bush und Vorgänger rufen zum Spenden auf

Vereint für den guten Zweck: Bush und Clinton rufen zu Spenden für Tsunami-Opfer auf

"Wer reich stirbt, stirbt in Schande", schrieb der Stahlbaron und erster Groß-Altruist Amerikas Andrew Carnegie bereits 1889. Er begründete damit einen Trend, der sich durchgesetzt hat: Vererben ist mittlerweile "out" in den USA, immer mehr Millionäre vermachen ihre Hinterlassenschaft wohltätigen Stiftungen oder gründen gleich selbst eine.

Welt retten - nach amerikanischem Vorbild

Selbst schärfsten Kritikern fällt es schwer, daran etwas zu meckern zu finden. Die Rede ist von "Ablass-Kapitalismus", vom "Freikaufen von der Schuld". Es werden auch Vorwürfe laut, Gates favorisiere die High-Tech-Medizin, anstatt den wesentlichen Problemen, die hinter Krankheiten stünden, zu begegnen. Das aber kann man der CGI nicht vorwerfen, die sich mutig allen Herausforderungen der globalisierten Welt stellt.

"Die Aufmerksamkeit, die Clinton dem Subject Aids/HIV einbringt, können wir nur begrüßen", erklärt Dederichs-Bain. Fues befürwortet, wie Clinton "die Möglichkeiten ausspielt, die sein Ansehen ihm bringt, um Menschen zusammenzubringen." Und allen Vorwürfen zum Trotz ist eines nicht zu bezweifeln: Clinton, Gates und Co. könnten ihre Popularität für schlechtere Zwecke nutzen.

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