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Wissen & Umwelt

Philaes historische Kometen-Landung

Es hat tatsächlich geklappt. Philae ist auf dem Kometen Tschuri gelandet. Auch wenn noch unklar ist, ob der Lander fest auf der Oberfläche verankert ist, gilt die Mission schon jetzt als erfolgreich und historisch.

"Touchdown!" Als das Signal kam, dass Philae erfolgreich auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko gelandet ist, waren die Wissenschaftler im Satellitenkontrollzentrum der ESA in Darmstadt nicht mehr zu halten. Ein Jubeln durchbrach die angespannte Stille, die fast nicht mehr auszuhalten war. Tränen, Lachen, Brüllen, Umarmungen, alles auf einmal.

ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain spricht von einem "großen Schritt für die menschliche Zivilisation", für ESA-Direktor Thomas Reiter ist es ein "historischer Moment". Auch ihm ist das grenzenlose Glück anzusehen. Noch am Morgen sprach Reiter vorsichtig von einer "Fifty-Fifty-Chance". Denn auch wenn Rosetta kein Himmelfahrtskommando, sondern eine perfekt geplante und gründlichst durchgeführte Mission war, so gab es etwas ähnliches bislang noch nie.

Anfangs war es eine Vision: Eine Sonde zu einem Kometen zu schicken und ihn dort landen zu lassen. Und das 500 Millionen Kilometer weit weg von der Erde, sehr tief im Weltraum.

Schwierige Mission

Zehn Jahre war Rosetta unterwegs, insgesamt über 6,5 Milliarden Kilometer, den Lander Philae huckepack. Unterwegs schlief sie zwei Jahre, um Energie zu sparen. Im Januar 2014 weckten die Wissenschaftler die Raumsonde wieder auf, das war der erste große Erfolg. Damals spürten sie - diese Mission kann etwas ganz Großes werden. Einige verglichen sie sogar mit der Mondlandung 1969.

Dass es dann so perfekt laufen würde, überraschte letztendlich auch die Optimisten. "Die Mission war sehr, sehr schwierig", versichert der Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), Johann-Dietrich Wörner, im Gespräch mit der DW, "man kann diesen Erfolg gar nicht hoch genug einschätzen".

Bis zum Schluss wussten die Wissenschaftler nicht, wie der Lander mit der Oberfläche des Kometen zurechtkommen würde. Oder ob Philae mit seinen drei Beinen auf einem Felsen landet und umkippt oder im schlimmsten Fall in eine Felsspalte stürzt.

Hinzu kam, dass am Abend zuvor ein Defekt bekannt wurde: Bei einer Prüfung der Sonde kam heraus, dass sich das sogenannte Active Descent System nicht aktivieren ließ. Diese Düse drückt den Lander während des Aufsetzens fest an die Kometenoberfläche.

Das sei überaus wichtig, sagt Andrea Accomazzo, der die "Rosetta"-Mission bei der ESA betreut, denn die Anziehungskraft des Kometen sei so gering, dass der Lander ohne Hilfsmittel wie ein Gummiball zurück in den Weltraum hüpfen würde. Genau da tauchte auch ein kleines Problem auf: Philae schaffte es bei der Landung nicht, die Harpunen in den Boden zu rammen. Er titschte auf und prallte kurz noch einmal ab, bevor er ein zweites Mal auf dem Kometen landete.

Zuvor fiel Philae sieben Stunden lang gemächlich dem Kometen entgegen, nachdem ihn die Raumsonde Rosetta am Morgen abgeworfen hatte. Diese Abkoppelung war der erste große Erfolg. Irgendwann am frühen Nachmittag meinte Andrea Accomazzo zwar immer noch angespannt, aber schon recht optimistisch: "Der Lander ist auf dem richtigen Weg zum Kometen". Mit seinen ausgefahrenen drei Beinen steuerte er den Landeplatz auf dem Kopf des Kometen an, dem die Form einer Gummi-Ente nachgesagt wird. Den Landeplatz wählten die Wissenschaftler gewissenhaft aus. Er sollte möglichst flach sein, ohne Felsen und Abgründe.

Groß ist Tschuri - der nebenbei erwähnt nach faulen Eiern stinken soll - nicht, eine Seite misst etwa 4000 Meter. Doch er erzählt vieles über unsere Vergangenheit. Denn Kometen stammen aus der Entstehungszeit unseres Universums vor 4,6 Milliarden Jahren. Deswegen erhoffen sich die Wissenschaftler von Philae nicht weniger als "Antworten zum Ursprung des Lebens auf der Erde", meint ESA-Direktor Thomas Reiter. Während er das sagt, lächelt er zuversichtlich, so als wollte er sagen: Philae wird das schon richten.

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