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Politik

Pharmariese Roche erhält Schmähpreis

Über diesen Preis freut sich keiner: Auf dem Weltwirtschaftsforum küren NGOs alljährlich die Menschen- und umweltverachtendste Firma. Gewonnen hat dieses Jahr Pharmariese Roche, wegen fragwürdiger Organ-Experimente.

Logo Public Eye Awards (Foto: DPA)

Auch in diesem Jahr sind die Gewinner nicht angereist, um den Preis entgegenzunehmen. Aber das kennen die Veranstalter "Greenpeace" und die NGO "Erklärung von Bern" (EvB) nicht anders. Denn die Baseler Arzneimittelfirma Roche wurde in Davos mit dem Public-Eye Award geehrt - als besonders menschen- und umweltverachtende Firma. Kein schöner Preis, in der Tat.

Verdient hat sich der Pharma-Konzern den Award wegen fragwürdiger Organ-Experimente: Der Konzern verwende bei medizinischen Studien in China höchst wahrscheinlich die Organe von hingerichteten Gefangenen, werfen Greenpeace und EvB dem Unternehmen vor.

Öffentliche Abstimmung

Seit genau zehn Jahren setzen die NGOs mit den Public-Eye-Awards einen Kontrapunkt zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Während die Mächtigen der Welt ein paar hundert Meter weiter im Kongresszentrum über den Zustand ihrer Unternehmen und der Weltwirtschaft im Allgemeinen philosophieren, zeigen die NGOs auf, welche Folgen bedenkenloses Wirtschaften haben kann.

Eine Fachjury hat aus 40 Vorschlägen die aus ihrer Sicht skandalösesten Unternehmen für die diesjährige "Shortlist ausgewählt". Darüber abgestimmt wurde öffentlich: Bis Dienstagnacht (26.01.2010) konnte jeder Interessierte im Netz seine Stimme abgeben.

Organ-Spenden von Todeskandidaten

Das Logo des Schweizer Pharma-Unternehmens Roche (Foto: DPA)

Die Firma Roche hat sich den Preis durch die Forschung an einem Transplantations-Medikament eingehandelt. Cell Cept heißt die Arznei, welche die Abstoßung transplantierter Organe verhindert. Seit einigen Jahren produziert Roche den Stoff in China. In zwei Studien erforscht das Unternehmen zurzeit außerdem die Wirkung an etwa 300 transplantierten Organen - und zwar auch in zahlreichen chinesischen Kliniken.

Dass die Firma die Patienten in China rekrutiert habe, räumt Roche auch in einer Stellungnahme ein. Doch die Organe kämen keineswegs von Hingerichteten. "Sämtliche Prüfzentren, mit denen Roche in China zusammenarbeitet, sind behördlich zugelassene und anerkannte Transplantationszentren", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.

Den Kritikern in Davos reicht diese Erklärung allerdings nicht aus: Schließlich kämen 90 Prozent aller transplantierten Organe in China von hingerichteten Gefangenen - das räumte der chinesische Vize-Gesundheitsminister Ende 2008 sogar in einer medizinischen Fachzeitschrift ein.

Herz wird für Transplantation vorbereitet (Foto: AP)

Woher kommen die Organe?

Die World Medical Association lehnt Transplantationen der Organe von Gefangenen deshalb als unethisch ab. Denn selbst wenn Gefangene einer Organspende angeblich zustimmen, kann das in Gefangenschaft wohl kaum als freiwillig gelten. Roche solle die Studien in China deshalb unverzüglich einstellen, fordert Greenpeace. Vielleicht verleiht der Award diesen Forderungen jetzt Nachdruck.

Riesige Brachflächen, vergiftete Seen

Preisträger Nummer zwei, die Royal Bank of Canada, nennen die Veranstalter lapidar "den dreckigsten Geldautomaten der Welt". Das Unternehmen finanziert den Abbau von Teersand im kanadischen Alberta. Diese relativ neuartige Art der Ölgewinnung gilt als besonders umweltschädlich: Auf riesigen Flächen wird die ölhaltige Erde abgetragen und ausgepresst. Eine Fläche, die größer ist als Österreich und die Schweiz zusammen, wurde bereits geopfert.

Und die gigantischen Brachflächen sind nicht mal das einzige Problem: Das Öl aus Teersand verursacht hohe CO2-Emissionen, zum Abbau werden hohe Mengen Wasser verbraucht und verseucht. Dieses Wasser muss wegen seiner Giftigkeit in einem eigens angelegten Stausee aufbewahrt werden. Toxische Stoffe gelangen trotzdem in den Kreislauf: Bei Wildtieren treten Verkrüppelungen auf, bei den Indigenen der Region mehren sich laut Greenpeace Krebserkrankungen. Die Bank finanzierte dieses fragwürdige Geschäft in den letzten zwei Jahren mit 20 Milliarden US-Dollar.

Autor: Manfred Goetzke, zurzeit in Davos

Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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