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Deutschland

Phantasie als Waffe gegen Arbeitslosigkeit

Deutschland will raus aus dem Morast der Arbeitslosigkeit. Aber die meisten werfen lieber mit Schlamm auf die, die sie für schuldig halten - anstatt ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen.

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Deutschland denkt um - aber im Schneckentempo

Bei Arbeitslosigkeit sagt den Deutschen ihre Mentalität, sie müssten vom Staat gefälligst Unterstützung für ein ehrenwertes Leben bekommen. Wenn es dann schwierig wird, zu diesem angeblichen Recht zu kommen, fühlen sie sich beleidigt und fallen in eine Art düstere Lethargie.

Klaus Boehnke, Professor für Sozialwissenschaften an der Internationalen Universität Bremen, sagt, die Deutschen würden generell nicht dazu neigen, den Stier bei den Hörnern zu packen. "Wir haben das Beispiel Ostdeutschlands, wo der Staat sich um alles gekümmert hat und die Bürger nichts für sich selbst tun mussten", sagt er. "Dagegen hat im Westen der Erfolg der sozialen Marktwirtschaft dazu geführt, dass die Leute lethargisch wurden, weil sie glaubten, der Weg vorwärts würde immer auch aufwärts führen."

Der preußische Rest im Denken

Montagsdemonstration 2004

Deutsche warten auf den Staat: Mehrere Tausend Menschen protestieren gegen die Pläne zur Arbeitsmarktreform Hartz IV

Die Menschen haben sich also daran gewöhnt, vor sich hin zu leben und nicht allzu weit über den eigenen Tellerrand hinaus zu sehen – beim Thema Arbeitslosigkeit ist das ein sehr reales Problem. Dem arbeitslosen Deutschen fehlt oft die Phantasie. Tendenziell sucht er nur bei den Behörden Rat.

"Dieses Verhalten geht zurück auf die Herrschaft der preußischen Verwaltung, wo den Menschen beigebracht wurde, nach Recht und Gesetz zu denken und zu handeln", erklärt Boehnke. Um diesen Umstand zu ändern, bräuchte es ein radikales Umdenken – und mindestens eine Generation lang Zeit.

Deutschland redet sich krank

Frau auf dem Flur von Arbeitsamt

Behörden sind immer noch die erste Anlaufstelle für Jobsucher

Spiridon Paraskewopoulos, Wirtschaftstheoretiker und Autor des Buches "Was ist bloß mit den Deutschen los?", hält den Paradigmenwechsel von der deutschen zur US-Mentalität für den falschen Ansatz. "Deutsche und Europäer haben generell mehr Vertrauen zu ihren Regierungen als die Amerikaner", sagt er. "Und die Regierung sollte nicht versuchen, die Deutschen hier zu verändern."

Für Paraskewopoulos ist die Presse zumindest zum Teil mitschuldig. "Die Medien trompeten die ganze Zeit, dass Deutschland in einer Krise steckt. Wenn man jemandem ständig erzählt, dass er krank ist, glaubt er es irgendwann auch. Und deshalb glauben die Deutschen, sie wären mit ihrem Glück am Ende."

Einkaufen für den Aufschwung

Agentur für Arbeit Symbolbild

Die dunklen Wolken über Deutschland reden sich die Menschen manchmal selber herbei

Paraskewopoulos erklärt, dass nicht nur die Mentalität für die wirtschaftliche Lage verantwortlich sei. "Die Leute wurden darauf getrimmt zu denken, ihre Zukunft sei unsicher, und haben deshalb aufgehört zu konsumieren. Sie müssen Geld ausgeben anstatt auf ihrem Ersparten zu hocken und das heimische Wachstum unterstützen."

Doch das allein würde die Arbeitskräfte nicht dazu bewegen, mit innovativer Note zu denken. Thomas Bausch arbeitet an einem Projekt namens "Exist", das an Universitäten im ganzen Land für Existenzgründung wirbt. Er meint, die Deutschen müssten sich verabschieden vom Gedanken an einen Job auf Lebenszeit in einer Firma mit großem Namen. "Die Menschen verbinden eine Karriere bei Unternehmen wie Siemens oder Bosch oder im öffentlichen Dienst mit gesellschaftlichem Ansehen und kommen gar nicht auf die Idee, sich selbstständig zu machen", erklärt Bausch.

Angst vorm zweiten Versuch

Die nächste Generation von Arbeitskräften müsse nicht nur gegen das Vorurteil aus den 1960er Jahren ankämpfen, die Unternehmer seien unmoralische Kapitalisten. Sie habe auch die Angst davor geerbt, mal etwas Neues zu versuchen. "Die Menschen haben Angst zu versagen, nicht nur weil es in Deutschland schwer ist, eine zweite Chance und einen zweiten Firmenkredit zu bekommen", sagt Bausch. "Sie wollen auch nicht mit dem sozialen Stigma eines Verlierers leben."

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