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Kultur

Pflicht zu leben - Recht zu sterben

Viele Kranke empfinden ihr Leiden als so stark, dass sie nicht mehr leben möchten – so auch die Britin Diane Pretty. In Großbritannien darf ihr Mann sie nicht töten. In anderen Ländern ist Sterbehilfe zum Teil erlaubt.

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Umstritten: Giftspritze als Sterbehilfe

Was tun, wenn ein unheilbarer Kranker, der sich nicht selbst töten kann, darum bittet getötet zu werden? Darf man Geräte abschalten ohne die ein Patient nicht weiterleben kann, wenn der Patient darum bittet? Soll es erlaubt sein, dass Ärzte Menschen, die sich den Tod wünschen und das Leben als Qual empfinden, tödliche Medikamente verschreiben?

Großbritannien: Durchhalten bis zum Ende

Die unheilbar kranke Britin Diane Pretty darf nicht sterben - zumindest nicht mit Hilfe ihres Mannes. Generell ist in Großbritannien aktive Sterbehilfe illegal. Allerdings erlaubte das oberste britische Gericht, der Supreme Court, im März bei einer gelähmten, unheilbar kranken Frau passive Sterbehilfe: Die Ärzte schalteten die Beatmungsgeräte ab ohne die die Frau nicht leben konnte.

Diane Pretty

Diane Pretty

Diane Pretty ist ebenfalls vom Hals abwärts gelähmt und kann sich nicht selbst töten. Daher wandte sie sich an den Supreme Court mit dem Anliegen: Ihr Mann sollte nicht dafür bestraft werden, wenn er sie tötet. Der Supreme Court erlaubte in diesem Fall keine aktive Sterbehilfe. Diane Pretty gab ihren Wunsch, frühzeitig zu sterben, nicht auf und beschritt den nächsten Abschnitt auf dem Weg durch die Instanzen. Vor dem Europäischen Hof für Menschenrechte argumentierte sie: Wenn das Recht auf Leben gesetzlich garantiert ist, dann sollte auch ein Recht zu Sterben erlaubt sein. Das Gericht verweigerte ihr jedoch am 29. April 2002 das Recht, durch die Hand ihres Mannes zu sterben.

Viele Wegen führen ins Grab

Es gibt viele Argumente für oder gegen Sterbehilfe. Betroffene wie Diane Pretty plädieren dafür über ihren Tod genauso entscheiden zu können wie über ihr Leben. Gegner der Sterbehilfe sehen dagegen viele Gefahren: Was, wenn der Wille zu Sterben nur vorübergehend ist oder durch eine behandelbare seelische Krise ausgelöst wurde. Darüber hinaus könnten Sterbehelfer aus eigennützigen Gründen den Sensenmann spielen, beispielsweise weil sie auf eine Erbschaft hoffen.

Bei der Diskussion muss berücksichtigt werden, dass Sterbehilfe nicht gleich Sterbehilfe ist. Man unterscheidet zwischen aktiver und passiver Sterbehilfe. Aktive direkte Sterbehilfe leistet beispielsweise ein Arzt, der einem Sterbe-Willigen auf dessen Wunsch eine Spritze mit Gift injiziert. Zur aktiven indirekten Sterbehilfe gehört, wenn dem Patienten schmerzlindernde Mittel verschrieben werden, die zu einem frühzeitigen Tod führen. Dabei ist der Tod nicht das primäre Ziel, sondern eine billigend in Kauf genommene Nebenwirkung. Bei der passiven Sterbehilfe, werden lebenserhaltende Maßnahmen unterlassen.

Andere Länder andere Sitten

In Deutschland ist aktive direkte Sterbehilfe nicht erlaubt. Aktive indirekte und passive Sterbehilfe sind dagegen erlaubt. Damit können Ärzte beispielsweise medizinische Maßnahmen unterlassen, wenn es nur noch darum geht das Sterben zu verlängern.

Niederlande: Giftspritze als letzter Ausweg

Wer in den Niederlanden unheilbar krank ist, an unerträglichen Schmerzen leidet und ernsthaft sterben möchte, dem dürfen Ärzte seit April 2001 helfen. Aktive direkte Sterbehilfe ist also erlaubt. Allerdings müssen Ärzte, bevor sie Sterbehilfe leisten, ihre Diagnose von unabhängigen Kollegen bestätigen lassen. Um Missbrauch zu verhindern, wachen regionale Sonderausschüsse über die Anwendung der Sterbehilfe.

USA: Vorreiter Oregon

Im Juni 1997 beschloss das oberste Gericht der USA, der Supreme Court, dass aktive direkte Sterbehilfe nicht erlaubt ist. Beihilfe zum Selbstmord sei dagegen nicht ungesetzlich. Die entgültige Entscheidung legte der Supreme Court in die Hand der Gerichte der einzelnen Bundesstaaten. 1994 entschieden die Bürger in Oregon mit knapper Mehrheit, dass die indirekte aktive Sterbehilfe erlaubt sein soll. Damit dürfen Ärzte unheilbar Kranken beim Selbstmord assistieren. Die vom Arzt verschriebenen Medikamente muss der Todes-Willige aber selber einnehmen.

Schweiz: Beihilfe zum Tod

Viele, die in Deutschland nicht sterben dürfen, lassen sich in die Schweiz bringen, wo aktive indirekte Sterbehilfe erlaubt ist. Hier organisiert die Hilfsorganisation "Exit" Todes-Willigen und unheilbar Kranken ein ärztliches Attest für Gift, das der Todes-Willige dann selber einnehmen muss. Nur - gerecht ist das nicht, denn Menschen wie Diane Pretty, die vollständig gelähmt sind, haben in diesem System keine Chance zu sterben.

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