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Pfingsten

Pfingsten und das US-Verteidigungsministerium haben eines gemeinsam. Den Wortursprung. Pfingsten, der Pfingstochse und die Pfingstrose haben auch etwas gemeinsam. Aber etwas anderes.

Schnorr-Bibel, Ausgiessung des hl.Geistes Schnorr von Carolsfeld, Julius 1794-1874. 'Die Ausgiessung des Heiligen Geistes', Apostelgesch. 2, 2-4.

Der Ursprung von Pfingsten in einer Bibeldarstellung

Pfingsten – ein merkwürdiges Wort. Woher kommt es? Was hat es zu bedeuten? Was hat es beispielsweise mit den fünf Büchern Moses aus dem Alten Testament gemeinsam? Oder mit dem Namen des amerikanischen Verteidigungsministeriums?

Ein hoher Feiertag

Jeder weiß, dass Pfingsten für die Christen ein hoher Feiertag ist. Am fünfzigsten Tag nach Ostern wird das Pfingstfest gefeiert. Die Apostelgeschichte erzählt, dass der Heilige Geist auf die Apostel und die Jünger Jesu herabkam, als sie sich zum Pfingstfest in Jerusalem versammelt hatten.

Der Geschichte nach erfüllte ein großes Brausen das Haus, in dem sie saßen. Ihnen erschienen zerteilte Zungen, die sich auf jeden von ihnen herabließen. Und jeder fing auf einmal an, in der Sprache zu predigen, die der Heilige Geist für ihn vorgesehen hatte. Das Pfingstfest ist der feierliche Abschluss der Osterzeit. Als christliches Fest wird Pfingsten erstmals im Jahr 130 erwähnt.

Der Wortursprung

Die Wurzeln des Wortes Pfingsten liegen im Griechischen. Penta heißt fünf, Pentekoste fünfzig Tage. Der griechische Wortursprung ist in der englischen und französichen Sprache noch deutlicher zu sehen als im Deutschen. Dort heißt Pfingsten Pentecost beziehungsweise Penteĉote. Im Mittelhochdeutschen hieß Pfingsten pfingeste. Die Silbe pfing ist eine Entlehnung aus pente beziehungsweise penta.

Pentagon und Pentateuch

Luftbild vom Pentagon in Washington

Das Pentagon in Washington

Ja, und was hat Pfingsten nun mit dem amerikanischen Verteidigungsministerium und den fünf Büchern Moses gemeinsam? Das wahrscheinlich berühmteste fünfeckige Gebäude der Welt ist das US-Verteidigungsministerium. Und was heißt wohl Fünfeck auf Griechisch? Richtig: Pentagon.

Und Pentateuch? Nun, das sind die fünf Bücher Moses. Wobei teuch so viel wie aus Büchern bestehend bedeutet. Im bayrischen Sprachraum hat sich der Pfinztag für Donnerstag gehalten, entlehnt aus dem griechischen pempte hemera, fünfter Tag. Nach diesem Ausflug ins Sprachliche zurück zum Pfingst fest.

Pfingsten als Festtag

Das Pfingstfest fällt wie Ostern in den Frühling, die helle, freundliche Jahreszeit. Was liegt da näher, als im Freien, in der Frühlingssonne zu feiern. Schon König Artus soll am 50. Tag nach Ostern große Feste an seinem Hof abgehalten haben. Im Mittelalter fanden an Pfingsten glanzvolle Turniere und andere Ritterspiele an den Fürstenhöfen statt.

Und auch das so genannte einfache Volk feierte. Meistens auf der Pfingstwiese außerhalb des Dorfes. Dort wurde – ganz ähnlich wie zum 1. Mai – ein geschmückter Baum aufgerichtet: Die Pfingstbirke. Dann wurde getanzt. Auch fanden verschiedene Wettkämpfe statt, zum Beispiel Scheibenschießen oder das Ringwerfen über einen Stock, der in der Wiese steckte.

Pfingstbräuche

Zu den Klängen einer Ziehharmonika ziehen die Teilnehmer des traditionellen Wasservogelsingens am Pfingstwochenende durch Dörfer und über Felder und Wiesen bei Bad Griesbach im niederbayerischen Rottal. In bizarre, überlebensgroße Vogelmasken gekleidet, klappern die Wasservogeltänzer bei dem alten Fruchtbarkeitsbrauch rhythmisch mit ihren Schnäbeln. Der Brauch, im Volksmund auch als Pfingsteln bezeichnet, geht auf heidnische Zeiten zurück und ist ein Bittritual für eine gute Ernte später im Jahr.

Ein Pfingstbrauch in Bayern: das Wasservogelsingen

Wer gewonnen hatte, wurde Pfingstkönig oder Pfingstkönigin und musste einen ausgeben. Mit anderen Worten, Getränke für alle bezahlen. Und was tranken die Leute? Pfingstbier natürlich. Übrigens: viele Brauereien stellen ja jedes Jahr Osterbier her. Vielleicht kommt ein Braumeister irgendwann mal auf die Idee, wieder Pfingstbier herzustellen. Das könnte ja dann Pentabräu heißen. Nur ein Vorschlag – so zum Spaß.

Viele Pfingstbräuche haben sich weiter erhalten. Einer der schönsten kirchlichen Bräuche, der bis heute zum Beispiel in Bayern praktiziert wird, ist der Flurumritt. Mit geschmückten Pferden geht es hinaus auf Wiesen und Felder, auf die Flur. Ein Pfarrer segnet das Land und bittet zusammen mit den Gläubigen um eine gute Ernte. Dabei wird die Flur – also die Felder und Wiesen – gesegnet.

Der Pfingstochse

Im ostdeutschen Mecklenburg findet jedes Jahr zu Pfingsten das Schmücken des Pfingstochsen statt. Der kräftigste Bulle wird mit Blumen und Bändern geschmückt. Früher wurde er als Leitochse einer Herde durch die Straßen getrieben. Heutzutage beschränkt sich der Brauch auf das Schmücken aller Rinder. Auch landet der Leitochse nicht mehr unbedingt im Kochtopf.

Der prächtige Pfingstochse stand wohl auch Pate für die umgangssprachliche Redewendung jemand ist geschmückt wie ein Pfingstochse. Stolz kann derjenige oder diejenige dann aber nicht sein. Denn die Redewendung bedeutet, dass er oder sie geschmacklos und zu auffallend gekleidet ist.

Die Pfingstrose

Eine rote Pfingstrose, die ihre Blüte geöffnet hat

In Purpurglut ausgebrochen: Eine Pfingstrose

Sie braucht sich nicht herauszuputzen, sie ist per se schon schön: die Pfingstrose. Ab Mai entfaltet die Paeonia – so ihr botanischer Name – ihre volle Pracht. Ihre Heilkraft haben schon antike Dichter besungen. So soll die Göttin Artemis einen jungen Mann mit Hilfe einer Pfingstrose wieder zum Leben erweckt haben.

Auch Maler und Schriftsteller haben sich ihrer angenommen. Der deutsche Dichter Ferdinand von Saar vergleicht die Pfingstrose in seinem gleichnamigen Gedicht mit "einer späten Liebe, die lang in sich geruht mit mächtigen Trieben in Purpurglut ausbricht".

Wissende Pfingstrose?

Und eine wunderschöne Legende besagt, dass die allererste Pfingstrose 50 Tage nach der Auferstehung Christi ihre roten Blüten entfaltet haben soll. Aber Legenden sind ja eben Legenden – sie müssen nicht unbedingt stimmen.

Fragen zum Text

Das US-Verteidigungsministerium heißt Pentagon, weil …

1. es nach einem früheren Verteidigungsminister benannt ist.

2. es die Form eines Fünfecks hat.

3. es auf einem namensgleichen Hügel liegt.

Wenn jemand einen ausgibt, dann …

1. schlägt jemand eine andere Person.

2. bezahlt jemand die Getränke für alle.

3. serviert jemand ein Getränk.

Ein Flurumritt findet statt …

1. im Hausflur.

2. im Treppenhaus.

3. in der Natur.

Arbeitsauftrag

Informieren Sie sich, welche Pfingstbräuche es in Deutschland gibt. Verfassen Sie ein Kurzreferat darüber und stellen Sie die verschiedenen Bräuche in der Gruppe vor.

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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