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Aktuell Europa

Pferdefleisch-Skandal weitet sich aus

Im jüngsten Fleischskandal werden immer mehr Fertigprodukte mit nicht deklariertem Pferdefleisch gefunden. In Großbritannien wurde auch mit Medikamenten verunreinigtes Fleisch entdeckt. Es gab erste Festnahmen.

Tests der britischen Behörde für Lebensmittelaufsicht (FSA) haben ergeben, dass Fleisch von mit dem Medikament Phenylbutazon gespritzten Pferden in die Nahrungskette geraten sein könnte. Großbritanniens Landwirtschaftsminister David Heath teilte mit, Spuren des Medikaments seien in Proben von insgesamt acht in Großbritannien geschlachteten Pferden gefunden worden. Drei der Tiere seien nach Frankreich geliefert worden. Nach Heaths Angaben wurden aber keine Spuren des Medikaments in den vom britischen Markt genommenen Tiefkühllasagnen der Marke Findus entdeckt. Der Fund von Pferdefleisch in diesen Produkten hatte den aktuellen Skandal um als Rind deklariertes Pferdefleisch in Fertigprodukten in Europa ins Rollen gebracht.

Rheuma-Medikament mit Nebenwirkungen

Das Medikament Phenylbutazon wird häufig bei Pferden gegen Entzündungen wie Rheuma eingesetzt. Es gilt auch als Doping-Mittel im Pferdesport. Tiere, die damit behandelt wurden, dürfen allerdings nicht zu Lebensmitteln verarbeitet werden. Bei Menschen wird die Substanz nach Angaben von Verbraucherschützern vereinzelt im Kampf gegen Rheuma eingesetzt. Nebenwirkungen können demnach - auch bei kurzzeitiger Anwendung - Blutungen in Magen und Darm sein. Nähere Erkenntnisse über die Gefahren für den Menschen liegen den Angaben zufolge bislang aber nicht vor.

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Pferdefleischskandal weitet sich aus

Drei Festnahmen

Am Donnerstagabend wurde bekannt, dass in Großbritannien inzwischen drei Männer festgenommen wurden. Sie stünden im Verdacht, Betrug in Zusammenhang mit Lebensmitteln begangen zu haben, sagte ein Polizeisprecher. Zwei der Verdächtigen seien in einem Fleischverarbeitungsbetrieb in Südwest-Wales festgenommen worden. Es handele sich um Männer im Alter von 42 und 64 Jahren. Der dritte Mann im Alter von 63 Jahren sei in einem Fleischbetrieb in der englischen Grafschaft West Yorkshire in Gewahrsam gennommen worden.

Die beiden Firmen waren am Dienstag bei einer Razzia von der Polizei durchsucht worden. Sowohl Fleisch als auch Papiere wurden sichergestellt. Die Betriebe wurden von der britischen Lebensmittelaufsicht FSA vorübergehend geschlossen.

Deutsche Lebensmittelschützer alarmiert

Auch in Deutschland wollen Behörden untersuchen, ob in Fertiglasagne enthaltenes Pferdefleisch Medikamente enthält. Es müsse jedoch noch geprüft werden, inwieweit solche Tests möglich seien, sagte ein Sprecher des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministeriums in Düsseldorf. Unter Umständen stünden nicht mehr ausreichend Proben mit falsch etikettierter Fertiglasagne zur Verfügung, die Pferdefleisch enthalte.

Mehrere Unternehmen hätten in den vergangenen Tagen für Fertigprodukte "stille Rückrufe gemacht, ohne die Behörden zu informieren", kritisierte der Ministeriumssprecher. Wegen solch "eigenwilliger Aktionen" stehe unter Umständen nicht mehr genug Fleisch aus Fertigprodukten für Tests zur Verfügung. Auch frisches Pferdefleisch werde auf Spuren des Anti-Schmerzmittels Phenylbutazon getestet. Hier sei die Prüfung ohne weiteres möglich.

Pferdefleisch auch bei Edeka

In Deutschland hat nach der Supermarktkette Real auch Edeka Pferdefleisch in Fertiggerichten gefunden. In dem Tiefkühl-Produkt "Gut & Günstig Lasagne Bolognese" seien bei Analysen in einzelnen Stichproben geringe Mengen Pferdefleisch gefunden worden, bestätigte ein Unternehmenssprecher in Hamburg. Der Artikel sei schon am Dienstag vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden. Verdachtsmomente gibt es inzwischen bei den meisten großen Lebensmittelketten.

EU will Fleischtests

EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg schlug nach einem Krisentreffen mit betroffenen Staaten am Mittwoch in Brüssel DNA-Tests für verarbeitetes Rindfleisch in Europa vor. Damit sollen die Behörden herausfinden, ob es sich nicht um falsch deklariertes Pferdefleisch handelt. Über den Vorschlag sollen Experten aus allen 27 EU-Staaten am Freitag entscheiden. Um sicherzustellen, dass Verbraucher mit dem Fleisch keine Pferdemedikamente zu sich nehmen, will die EU-Kommission eine weitere Testreihe vorschlagen. Dabei sollen die Behörden Pferdefleisch auf mögliche Rückstände des Medikaments Phenylbutazon untersuchen.

qu/gri (dpa, afp, rtr)

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