1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sprachbar

Pfeife

Die einen lieben sie wegen der Gemütlichkeit – die Pfeifenraucher. Die anderen hören auf sie etwa beim Fußball. Bei manch anderem taucht sie im Namen auf. Einige pfeifen jedoch auf sie: die Pfeife.

Es ist Fußballabend – ein wichtiges Länderspiel steht an. In einer Kneipe sind fast alle Augen auf den riesigen Fernseher gerichtet. Bis auf ein Augenpaar. Aus der Menge schimpft plötzlich jemand: "Ich kann diese Pfeifenköpfe alle nicht mehr sehen. Klares Abseits, das hätte er pfeifen müssen… Ein Spiel ist erst mit dem Schlusspfiff zu Ende." Der da schimpft, ist eindeutig kein Fan von Schiedsrichtern und deren Trillerpfeifen.

Herr oder Frau Pfeifer

Bis zu diesem kleinen schwarzen Ding, das einen schrillen und im Normalfall nicht zu überhörenden Ton von sich gibt, bis zur Schiedsrichterpfeife eben, war der Weg sehr lang.

Die Pfeife war, bevor sie zur Tabaks- und dann zur Trillerpfeife wurde, ein Musikinstrument. Derjenige, der sie spielte, hieß Pfeifer; ein Nachname der sich bis heute gehalten hat, ähnlich Schneider und Müller, ebenfalls Bezeichnungen für einen Berufsstand.

Geschichtliches

Die Pfeifer waren Flötenspieler, Spielmänner. Im Mittelalter waren die fahrenden Pfeifer sogar eine Zunft. Jedes Jahr hielten sie im Elsass ihren Pfeifertag ab. Das war so eine Art Wettbewerb, bei dem am Ende ein Pfeiferkönig gewählt wurde.

Stadtpfeifer und die Spielleute, die für einen Adligen arbeiteten, gehörten nicht zu den Fahrenden. Übrigens hat sich in vielen Gemeinden die Tradition der Stadtpfeifer gehalten. Spielmannszüge gibt es immer noch. Eine Heidelberger Musiktruppe trägt die Pfeife in ihrem Namen. Sie nennt sich: Pifferari di Santo Spirito.

Wortstamm

Pifferari? Das klingt irgendwie italienisch. Stimmt. Es geht zurück auf das lateinische pipare, was pfeifen oder piepen bedeutet. Das Piepen und Pfeifen der Vögel findet sich lautmalerisch in pipare und piepen wieder.

Übrigens hat sich dieser Wortstamm im Französischen, Englischen und in den nordischen Sprachen erhalten. "Piper" heißt im englischen Sprachraum der Dudelsackspieler. Der Dudelsack, die Sackpfeife, heißt bagpipe.

Redewendungen

Auch in Redewendungen findet sich die Pfeife wieder. Etwa in nach der Pfeife von jemandem tanzen, ein Ausdruck für jemanden, der einem anderen blind gehorcht und sich unbedingt nach ihm richtet. Diese Redewendung gibt es seit dem Ende des 15. Jahrhunderts. Wahrscheinlich schon früher.

Sie geht zurück auf eine Sage. Die Hexen sollen auf dem Hexentanzplatz im Harz nach der Pfeife des Teufels getanzt haben. In Totentänzen, Bildern und Versen trat der Tod als Musikant auf. Gleichen Ursprungs ist auch der Ausdruck jemandem einen Tanz machen. Hat man sich über eine Person sehr geärgert, schimpft man anschließend ordentlich mit ihr. Genug der Redewendungen.

Piepmätze

"Bei dir piept es wohl", schallt es plötzlich unisono dem Besitzer des einen Augenpaares in der Kneipe entgegen, der über die "Pfeifenköpfe" geschimpft hat: "Schiedsrichter sind keine Pfeifen. Wir pfeifen auf dich und deine Meinung." Von draußen schauen die gefiederten Piepmätze dem Schauspiel zu. Und wie finden sie es? Zum Piepen!

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema

Downloads