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Kultur

Pfeif' mir das Lied vom Tod

Geht es Ihnen nicht auch manchmal so? Sie haben einen Ohrwurm. Aber: Welches Stück? Welches Lied? Von und mit wem? Ihrer Verzweiflung kann jetzt geholfen werden. Elektronisch.

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Gershwin, Beatles, Shakira?

Den Anfang im Bereich der Musikerkennung machte das Programm MoodLogic. Das Tool beruht auf dem Prinzip, dass seine Benutzer detaillierte Informationen über einzelne Lieder eingeben.

Diese Informationen werden in einer zentralen Datenbank gespeichert, mit den Angaben anderer Nutzer verglichen und einem musikalischen Fingerabdruck des Musikstückes zugeordnet. Aus der Datenbank können registrierte Benutzer sich dann die Daten für ihre übrigen MP3-Dateien herunterladen und anhand dieser Informationen individuelle Playlisten erstellen.

Die Technologie dafür ist bestechend einfach und soll auch zum Schutz des Copyrights im Internet dienen. Bei der berüchtigten Tauschbörse Napster ist seit Jahren im Gespräch, bei einem Neustart des Angebots Fingerabdrücke Copyright-geschützter Dateien mit getauschten Daten abzugleichen, um so zu verhindern, dass das Netzwerk wieder zu einem Hort der Musikpiraterie wird.

Zukunftsmusik: Analyse abstrakter Muster

Seit Anfang 2003 ist die Musikerkennung in eine weitere Phase eingetreten. Neue Algorithmen erlauben nicht nur den Vergleich nahezu identischer Dateien, sondern ermöglichen auch die Analyse von Musikstücken auf abstrakte Muster. Das eröffnet neue Dimensionen, die nicht nur Verbraucher, sondern auch Wissenschaftler begeistern.

Forscher am Dutch National Research Institute in Amsterdam haben Experimente angestellt, in denen von der Analyse komprimierter Musikdaten her auf das Genre der Stücke zurückgeschlossen wurde. Die überraschend hohe Trefferquote (es wurden bis zu zehn von zwölf Stücken dem richtigen Genre zugeordnet) verleitete Jeremy Summerly von der Royal Academy of Music in London schon zu der Prognose, dass es bald möglich seien könnte, anonyme Stücke anhand der Noten einem Komponisten zuzuordnen.

Wie's jetzt schon funktioniert

Eine marktreife Anwendung hat die englische Firma "Shazam Entertainment" entwickelt: Wählt man eine Kurzwahlnummer und hält sein Handy ans Radio oder eine andere Musikquelle, so sendet Shazam dem Wissbegierigen innerhalb kurzer Zeit eine SMS mit Titel und Interpreten des Songs. In Deutschland bietet inzwischen Vodafone den Service unter dem Namen "MusicFinder" an.

Dabei kommt eine Technik zum Einsatz, die auch bei Bereitstellung nur sehr ungenauer Daten Lieder an gewissen Strukturen erkennt. Perfektioniert hat diese Technologie nun das Frauenhofer Institut, das sich unter anderem mit der Entwicklung vom MP3-Format einen Namen gemacht hat.

"Suche durch Summen"

Die Suchmaschine "Query by Humming", zu deutsch "Suche durch Summen", wurde auf der diesjährigen CeBit vorgestellt und macht es möglich, durch das Summen eines kurzen Abschnittes eines Liedes von einer Datenbank den korrekten Interpreten und Titel der Komposition zu erfahren – die Angestellten der Musikgeschäfte werden es danken.

Die dabei zum Einsatz kommende MPEG-7 Technik hat nun die ersten Testläufe hinter sich. In einem Münchner Musikgeschäft konnten Kunden durch kurzes Nachsummen einen Titel aus den Top 100 finden, auf der Internetseite MusicLine läßt sich eine Datenbank mit 3000 Titeln abfragen, die allerdings weiter ausgebaut werden soll. Und laut Matthias Kaufmann, einem Mitarbeiter von Prof. Brandenburg, dem Urheber von MPEG7, ist die Technik inzwischen "erstaunlich tolerant" – insofern müssen auch ungeübte Sänger keine Angst haben, dass die Software ihnen nur mit Unverständnis begegnet.

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