1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Pfefferspray kann böse ins Auge gehen

Nach den Vorfällen an Silvester in Köln tragen immer mehr Frauen eine Dose Pfefferspray mit sich in der Manteltasche oder in der Handtasche - zur Selbstverteidigung. Wie aber wirkt Pfefferspray beim Menschen?

Wenn Pfefferspray in die Augen kommt, kann der Betroffene zunächst einmal nichts mehr sehen, ist quasi außer Gefecht gesetzt, denn die Augen brennen furchtbar. Im schlimmsten Fall kann es dann zu Schäden an der Hornhaut kommen.

An den Augen reiben, das solle man am besten bleiben lassen, so Hans-Jörg Busch vom Universitäts-Notfallzentrum am Universitätsklinikum Freiburg. "Verätzungen an den Augen können zu Langzeitschäden führen. Gerade wenn man dem Juckreiz nachgibt, kann das die Hornhaut beeinträchtigen. Die Leute müssen dann in der Tat ärztlich behandelt werden."

Augen Spülen!

Ein Arzt wird die Augen gründlich spülen, genauso wie andere Partien des Körpers, die mit dem Spray in Berührung gekommen sind. So wird dem Wirkstoff im Pfefferspray entgegengewirkt.

Dazu nehmen die Ärzte meist lediglich lauwarmes Wasser. "Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass es zu keinen dauerhaften Schäden kommt. Aber man muss sich schon darüber bewusst sein, dass man nicht nur einen Angreifer schädigen kann, sondern eben auch sich selbst", sagt Busch.

Frau mit Taschentuch (Foto: dpa)

Wenn's ins Auge geht: Nicht reiben! Da hilft nur mit Wasser spülen!

Atemwege und Haut

Gefährlich kann es werden, wenn Menschen unter Atemwegserkrankungen leiden, denn das Einatmen des Sprays könnte Husten, Atemnot oder einen Asthma-Anfall auslösen. Pfefferspray enthält einen Stoff, der auf die Schleimhäute wirkt.

Dadurch kann es zu schmerzhaften Reizungen bis hin zur Schwellung dieser Schleimhäute kommen - in den Augen, im Mund, in der Nase und auch auf der Haut, sagt der Mediziner Busch. "Die besprühten Stellen brennen dann, und man spürt einen starken Juckreiz." Das Brennen dauere zirka 15 bis 20 Minuten, ergänzt Busch, aber man könne die Wirkung noch Stunden später spüren.

Eine scharfe Sache

Jeder, der sich nach dem Schneiden von Chilischoten danach irrtümlicherweise schon mal ans Auge gefasst hat, kennt die Wirkung: Es brennt furchtbar und egal, wie gründlich man sich danach die Hände wäscht – für die nächste Zeit besser die Hände weg vom Auge. Ein Wirkstoff, der aus dem Fruchtfleisch von Chilischoten gewonnen wird, ist Bestandteil von Pfefferspray. Oleoresin Capsicum heißt dieser natürlich Pflanzenextrakt, oder kurz "OC". "Aber man braucht schon auch noch Chemie. Denn man braucht ja ein Gas, um das Spray sprühen zu können", so Busch.

Neben dem Pfefferspray mit echtem Chili-Wirkstoff gibt es auch noch die Chemische Keule mit den synthetischen Wirkstoffen CN oder CS. Diese werden häufiger von Polizei oder Militär eingesetzt, findet sich aber auch in Munition für Schreckschusspistolen.

Polizistin mit Pfefferspray Tränengas (Foto: dpa/ S. Jansen)

Polizisten nutzen meist chemische Keulen mit synthetischen Wirkstoffen

In Deutschland darf Pfefferspray nur in einer Notwehrsituation gegen Menschen oder Tiere eingesetzt werden. Es ist zum Beispiel für Jäger gedacht. Nicht selten kommt es vor, dass sich ein Waidmann einem wildgewordenen Eber gegenübersieht, oder ein Postbote einem bissigen Hund. Da kann der Griff zur Pfefferspraydose Leben retten.

Wenn der Schuss nach hinten losgeht

Es gibt immer wieder Fälle, bei denen nicht der Angreifer verletzt wird, sondern derjenige, der sich mithilfe von Pfefferspray verteidigen will. Dazu muss beispielsweise nur der Wind in die falsche Richtung wehen. Solche und andere Missgeschicke habe es immer gegeben, so Busch: "Es gab da einen Polizei-Einsatz, bei dem gleich mehrere Beamte hier behandelt werden mussten."