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Alltagsdeutsch – Podcast

Pfarrer - ein Traumberuf?

Berufsträume von Kindern sind etwa Pilot, Journalist oder Kapitän. Aber Pfarrer? Die Zahl der Theologie-Studenten in Deutschland ist überschaubar. Wer sich für ein solches Studium entscheidet, tut dies aus Überzeugung.

Sprecher:

Früher war es ein Traumberuf mit viel Einfluss und hohem Ansehen. Heute ist es nicht mehr besonders attraktiv, Pfarrer zu werden. Kein Wunder, denn die beiden christlichen Kirchen in Deutschland verlieren stetig Mitglieder, die Gemeinden werden kleiner und haben finanzielle Sorgen. Trotzdem gibt es noch genug Theologiestudenten an den Fakultäten der Universitäten und an den kirchlichen Hochschulen – und das, obwohl besonders die sprachlichen Hürden für das Studium hoch sind.

Henriette Rerich und Professor Alexander Ernst:

"We'ahavta ed adonai elohenu, wechol… / Gucken Sie noch mal ganz genau. Das letzte Wort, was Sie da gelesen haben. We'ahavta ed adonai… / Elohecha. / Super. / Wechol levavecha uwechol nafshecha uwechol me'odecha."

Sprecher:

Die Bibel auf Hebräisch zu lesen, ist gar nicht so einfach. Bei schwierigen Texten holt sich Henriette Rerich deshalb gerne Unterstützung von Professor Alexander Ernst, auch wenn sie ihre Sprachprüfung bereits bestanden hat. Mal eben anklopfen und den Dozenten oder ältere Studenten um Hilfe bitten – an der Kirchlichen Hochschule ist das kein Problem. Nicht zuletzt deshalb hat sich Henriette für das Studium der evangelischen Theologie in Wuppertal entschieden.

Henriette Rerich:

"Also, ich musste noch alle drei Sprachen machen, Latein, Griechisch und Hebräisch. Das habe ich jetzt gerade im Sommer fertig gemacht und man hat immer gehört, man kann hier gut die Sprachen lernen, und es sind kleine Gruppen – man kann leicht Lerngruppen bilden mit mehreren Studenten zusammen und das funktioniert einfach besser."

Sprecher:

Henriette musste noch alle drei Sprachen machen. Im Sommer hat sie ihr Studium fertig gemacht. Das Verb machen ersetzt in der Umgangssprache oft andere Tätigkeitswörter– hier lernen und zu Ende bringen, abschließen. Henriette hat ihr Studium an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal, kurz KiHo beendet. Die KiHO hat rund 200 Studierende. 70 von ihnen wohnen auch auf dem Gelände, das hoch über der Stadt liegt und deshalb gerne als "Heiliger Berg" bezeichnet wird. Wer hier studiert, für den ist klar: Er möchte Pfarrer werden. Doch das ist heute gar nicht so leicht, weiß Alexander Ernst.

Professor Alexander Ernst:

"Die Kirche hat zurzeit viel mehr ausgebildete Theologen, als sie imstande ist zu bezahlen. Das bedeutet, dass die Examensjahrgänge, die wir haben, jetzt sich einem Assessmentverfahren stellen müssen, um dann ausgewählt zu werden fürs Pfarramt."

Sprecher:

Früher war es also einfacher als heute, sofort nach der Ausbildung eine Pfarrstelle zu finden. Inzwischen müssen sich die Absolventen einem Assessmentverfahren stellen. Dieses Auswahlverfahren ist in sehr vielen Berufsbereichen inzwischen üblich. Die Bewerber um eine Stelle müssen sich dabei zum Beispiel Interviews zu ihrer Person stellen. Eine Jobgarantie nach einem Theologiestudium gibt es nicht. Die Kirchen verlieren Mitglieder, die Gemeinden werden kleiner und brauchen nicht mehr so viele Pfarrer. Studierende müssen heute deutschland- oder sogar europaweit nach einer Stelle suchen. Trotzdem möchte Henriette unbedingt Pfarrerin werden.

Henriette Rerich:

"Ich glaub, das Hauptinteresse ist irgendwie, dass man den Menschen vom Glauben erzählen möchte, und ja, dass man vielleicht irgendwie in einer Gemeinde eine Gemeinschaft haben möchte, dass die Menschen dort zusammenkommen können, dass sie etwas über den Glauben erfahren, ihren Glauben auch teilen können und ja, man arbeitet ja viel mit Menschen zusammen. Das ist, glaub' ich, so die Hauptmotivation."

Sprecher:

Weil sie ihr Berufsziel klar vor Augen hat, studiert Henriette gerne Theologie. Sie will anderen Menschen von ihrem Glauben erzählen, möchte ihnen also den Glauben an einen Gott näherbringen – und sie will das Gemeinschaftsgefühl stärken. Rund sechs Jahre braucht sie in Deutschland für ihr Theologiestudium. Bachelor- und Masterabschlüsse gibt es in der Theologie noch nicht. Das Studium lässt den Studenten noch viele Freiheiten, findet Gil Ju Jang. Er ist aus Korea nach Wuppertal gekommen, um hier seinen Doktor zu machen.

Gil Ju Jang:

"Wir haben schon Bachelorstudiengang und Master und deswegen musste ich zack, zack, zack lernen, und ich wollte mehr Freiheit haben – deswegen bin ich nach Deutschland gekommen. Und ich kann lernen, was ich will. Das ist gut."

Sprecher:

Weil es für das Studium nur einen begrenzten Zeitrahmen gibt, musste der Koreaner zack, zack, zack lernen, also schnell. Die Redewendung kommt aus der Militärsprache. Besonders die preußischen Soldaten waren bekannt für ihre eiserne Disziplin. Ihr Marschschritt wurde als zackig bezeichnet. Es waren keine fließenden Bewegungen, sondern abgehackte. Das lautmalerische zack, zack, zack gibt also diese Bewegung wieder. Gil Ju Jang lebt mit seiner Kommilitonin Henriette in einer Wohngemeinschaft auf dem KiHo-Campus. Gemeinsam mit acht anderen Studenten teilen sie sich eine Küche. Dort helfen sie sich nicht nur beim Übersetzen biblischer Texte.

Gil Ju Jang und Henriette Rerich:

"Meine Mutter ist gerade ein bisschen krank und meine Oma auch. (Wassergeräusch) / Hast du noch mit ihnen telefoniert, oder? / Nee, ich hab' einen Brief bekommen und sie meinte, meine Oma ist krank und sie muss bei ihr bleiben. Sie war ins Krankenhaus und sie konnte nicht gut bewegen."

Sprecher:

Gespräche wie diese sind es, die Gil Ju das Gefühl von Heimat geben. Er möchte gerne auf dem "Heiligen Berg" bleiben, bis er den Doktortitel in der Tasche hat und wieder nach Korea zurückgeht – um dann dort Theologieprofessor zu werden. Henriette dagegen wünscht sich nach zwei Jahren KiHo etwas mehr studentisches Leben. Sie will vom Berg runterkommen. Denn die Hochschule in Wuppertal ist im Vergleich zu großen Universitäten wie Heidelberg oder Marburg klein.

Henriette Rerich:

"Aber ich denke, es ist für den späteren Weg auch gut, wenn man dann wieder vom Berg runterkommt und irgendwie auch an eine große Uni geht und dort auch verschiedene andere Fakultäten kennenlernt und andere Bereiche, einfach andere Einstellungen. Also hier hat man dann doch oft das Gewohnte. Man weiß, dass jeder irgendwie zur Kirche gehört und so weiter, aber das hat man ja in Wirklichkeit nicht überall."

Fragen zum Text

Wenn jemand weiß, was er will, dann …

1. hat jemand das Ziel klar vor Augen.

2. sieht jemand Licht am Ende des Tunnels.

3. ist jemand unentschieden.

Bei einem Assessmentverfahren muss man keine Fragen … beantworten.

1. zum Lebenslauf

2. zur Kleidung

3. zu seinen Vorzügen und Schwächen

Gil Ju ist von der Krankheit seiner Oma informiert worden durch …

1. ein Telefonat mit seiner Oma.

2. eine Email seiner Schwester.

3. einen Brief seiner Mutter.

Arbeitsauftrag

Welche Rolle spielt der Glauben in Ihrer Umgebung und für Sie persönlich – egal, ob und welcher Glaubensrichtung Sie angehören? Diskutieren Sie in der Gruppe diese Frage und fassen Sie die Ergebnisse in jeweiligen Einzelberichten zusammen.

Autorinnen: Sabine Damaschke/ Beatrice Warken

Redaktion: Ingo Pickel

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