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Pfälzisch

Pfälzisch

Elwetritsche, Schneckedänz und Kribbelbisser: Die Pfalz hat mehr zu bieten als den berüchtigten Saumagen. Sie ist auch die Heimat des weichen und melodischen Pfälzer Dialekts, in dem es einiges zu entdecken gibt.

Sprecherin:

Mei liewwer Schorsch, bevor du jetsch des erschte Mol in die Palz kummst, will isch der mol in demm Brief do schreiwe, was fer uns Pälzer wischtich is, damet du aach weesscht, wies bei uns so zugeht. Du brausch awwer kää Angscht zu henn, die Pälzer sinn all freindlische Leit und mit unsrer schää Sprooch werscht a zurecht kumme, des hann annere a scho gschafft. Alla, wo soll ich denn jetztert mol aanfange... (Musik)

Sprecher:

Moment, Moment, wie war das? Ich glaube, das muss ich noch mal hören. (Musik)

Sprecher:

Schtobbezieher, das soll Flaschenöffner sein? Und Gaadekrott ist Gartenkröte? Hm. Pälzer Krischer, ach ja, Opernsänger. Aber hatte Tante Martha den nicht auch in ihrem Brief erwähnt? Lass mal sehen, ja, ja, da steht's...

Sprecherin:

Alla, mer Pälzer babbele gern, des werscht dann schunn merke, wann Du hier bischt. Awwer net dass du mänscht, mer wärn all Pälzer Krischer, nää, des sinn nur die, wo mal zu laut wern und so e schrille Stimm hänn. Unn was ganz wischtig iss,

Eugen Damm:

"Die Pälzer Leit sinn gute Leit, sie henn oftmals e große Klapp, awwer en genauso großes Herz, sie sinn unkompliziert, un sin hilfsbereit, des macht vielleicht de Reiz von de Pälzer aus.

Sprecherin:

Genauso wie der Eugen Damm, unser Heimatdichter, des saat, so isses. Mer lewe gere un mache kää Schneckedänz.

Sprecher:

Was ist das denn jetzt schon wieder für ein Ausdruck?! Schneckedänz. Was soll das denn wieder bedeuten? Wo ist denn mein pfälzisches Lexikon? Mal eben nachschlagen, Schneckedänz: Umstände, unnötige Geschichten. Na, da bin ich aber mal gespannt.

Sprecherin:

Unn Schorsch, bring bloß ordentlich Hunger un Dorscht mit, denn des Esse und Trinke, des iss fer uns Pälzer eischentlich des Allerschenste.

Sprecher:

Hmmh! Gut essen und gut trinken, ja, klingt gut, aber... gibt's da nicht diesen ... Saumagen? Saumagen. Wurde ja durch Helmut Kohl weltberühmt. Naja, mal sehen, vielleicht kann ich mich da drum rummogeln. Die werden ja wohl noch was anderes zu essen haben als diesen ... Saumagen, 'ne Pizza vielleicht. Egal, am besten pack ich jetzt meinen Koffer und schau mir das Ganze mal aus der Nähe an.

Sprecher:

So, jetzt ab in die Tiefgarage und dann auf den Markt. Kaiserslautern, eigentlich fällt mir da nur Fußball ein oder Ramstein, dieser amerikanische Militärstützpunkt. Aber Tante Martha hat geschrieben, ich müsse unbedingt auf den Markt, dort würden die Leute wunderbar Pfälzisch sprechen. Ob ich überhaupt was versteh?

Auf dem Markt:

"Ei, Goldkind, was kriescht de dann Schäänes? Paar Eier, frische oder annere?" – "Unn e paar gfärbte." – "Wollschte farbige oder wollschte de bunte Eier?" – "Och, isch nemm e paapr vun denne un e aap vunn de annere." – "Alla hopp. Tschüß, bleib gsund, mei Liewer. Wird der flotte Kewwer schon bedient do?"

Sprecher:

Naja, das ging ja gerade noch so. Mal hier am Stand fragen, was die alles so verkaufen:

"Äppel." Hm, Äppel, das ist einfach, das müssten Äpfel sein. "Beere, Quitte, Trauwe." Dann sind Trauwe Trauben. "Quetsche." Quetsche wohl Zwetschgen. "Reddich, Radieselscher, Grumbeere." Aber Grumbeere?

Marktfrau:

"Wenn man jetzt nach Köln würde kumme oder Dortmund oder, wo normal dort heißt Erdäpfel oder Kartoffel, unn wir sinn halt Pälzer und do san mer Grumbeere, ne."

Sprecher:

Die berühmte Pfälzer Kartoffel also. Ja, so ganz allmählich fällt der Groschen. Die Sprache ist weich, melodisch, und anscheinend gibt's da auch ein paar ganz einfache Regeln. "Pf" wird "P" und "b" zu "ww", sie hawwe. Oder "a" zu "o", wie in "do", auf Hochdeutsch "da". Und wir ist "mer", naja so ungefähr. Wie hatte Tante Martha noch gleich geschrieben?

Sprecherin:

Mer Pälzer, wir lieben unsre Sproch, weil:

Marktfrau:

"Wenn man irgendwo hinkommt, wird ma gleich erkannt, kommscht du aus de Pfalz, du sprochst so brät."

Eugen Damm:

"Mer kann sich leichter verständigen, mer macht kee große Umschweife, mer geht de direkt Weg, unn des schlat sich a in de Sprach nieder. Pälzisch is unproblematisch, es iss persönlich un iss auch leicht zu lerne."

Sprecher:

Ach Herr Damm, das ermutigt mich! Verraten Sie mir mal Ihr Pfälzer Lieblingswort? Tante Martha hatte ja erwähnt, dass Sie hier soo schöne Ausdrücke haben...

Eugen Damm:

"Kribbelbisser. Also e Kribbelbisser is ää Mensch, der eigentlich nicht so richtig in die Palz passt, un deswe heeßt der a Kribbelbisser, wann enner so verbohrt is, so unpersönlich, e Kribbelbisser is werklisch ä schönes Pälzer Wort."

Sprecher:

Find' ich auch, Herr Damm. Vielleicht noch eins?

Eugen Damm:

"Des is e Ferzmacher. also wann enner sat, wann enner e bissche hochgestoche is, un mänt er müßt sich vunn de Leit abhewwe, unn hat e bissche großspuriges Ufftrete, dann sat mer, des do is e Ferzmacher."

Sprecher:

Ach klingt das herrlich! Ferzmacher, das werd' ich mir merken! Also, schön Pfälzisch babbele, das können sie hier wirklich. Aber wenn ich an berühmte Pfälzer wie Fritz Walter oder Helmut Kohl denke, mit dem Hochdeutschen, da kommen sie nicht so gut zu Recht, oder?

Marktfrau:

"Also isch komm am beschte mit nem eschte Pälzer aus, weil do kannst babbele wie de willscht, der versteht Dich, un wann de jetzt mit jemamd spreschst, der wo nur Hochdeitsch sprecht, und du sollscht Hochdeitsch babbele, un do geht’s eefach net. Des is so im Läwe. Lacht.

Sprecher:

Wie spät ist es eigentlich? Was, gleich zwölf?! Dann nix wie an die an die Weinstraße. Tante Martha hat mich ja schon angemeldet beim Metzger Hambel in Wachenheim. Der würde mich schon dazu bringen, den hm, Saumagen zu probieren.

Metzger:

"Wir sind jetzt hier in der Original Pälzisch Wurschtküch und vor uns do schwimmen im Moment die Saumäge im Kessel drin, mer könne mol e bissel näher an den Kessel rangehe, damit Se des auch besser sehen, und zwar hier auf der linke Seit, do habbe mer die Saumagewürscht, des is die Originalsaumagefüllung noch mit frische Petersilie und die kann ma als Wurscht brate wie die Pälzer Bratwurscht oder generall ne Bratwurscht. Und im reschte Kessel, do schwimme se jetzt, die Dinger, des sinn unser Originalsaumäge."

Sprecher:

Naja, riechen tut's ja ganz gut. Also dann, Augen zu und durch. Ja, das schmeckt lecker! Macht Hunger auf eine richtig schöne Pfälzer Platte, mit Wurst und Kraut und so. Wo sollte ich da gleich noch mal hingehen?

Sprecherin:

Unn Schorsch, wann de mittags Hunger hoscht, dann fahrsche am besten naa Kallstadt, do gebts im Weincastell net nur de Saumaa uffm Teller, nää, sonder aa im Glas.

Sprecher:

Saumagen im Glas? Ja sind die denn jetzt ganz verrückt geworden?

Sprecherin:

Weil dort in Kallstadt, do henn die ää Woi, der heeßt Saumaa. Ää schääner truckener Riesling, wo bestens zum Saumaa passen tut.

Sprecher:

Aha. Dann frag ich doch am besten mal den Bernd Philippi, was es mit diesem Saumagen im Glas auf sich hat. Als Winzer muss er das wissen:

Bernd Philippi:

"Der Saumagen ist eine relativ junge Lage in Anführungsstrichen. Der Name kommt wahrscheinlich von der Form des Weinbergs. Dieser Weinberg hatte also die Form eines Saumagens. Durch seinen Kalkboden bringt der natürlich 'ne ganz besondere Art, ich sag immer, es ist der Burgunder unter den Rieslingen."

Sprecher:

Na also, oder wie die Pfälzer sagen, na alla, dann will ich mir jetzt mal einen Schoppen Saumagen genehmigen und ein kleines Gedicht von Eugen Damm:

Eugen Damm:

"Nix und Ebbes. Nix is nix, ebbes is ebbes. Manschmol is ebbes nix, manche wissen vun nix ebbes. Wann ebbes nix is, dann isses nix. Manschmol is ebbes ebbes, und trotzdem nix, des do is ebbes. Is ebbes unklar, wann eer ebbes net versteht, des wär nix."

Sprecher:

Fast schon ein Pfälzer Limerick, dieses Nix un Ebbes. Die Latwerch Band, die hat ganz viele Texte von Eugen Damm vertont. Einer befasst sich sogar mit dem Pfälzer Dialekt. Hören Sie mal:

Musik:

"Wie e kläner Bu noch war, ich wäß es gonz genau, do hänn die Alte als gesah, Wer foi schprecht , der is schlau. Was hann die uns e Kees verzehlt, Wer hochdeitsch reed, is g'scheit! Un domit war die Beer gescheelt, des sin halt bess're Leit..."

Sprecher:

Ob gescheit oder nicht, ich will jetzt wissen, wo dieser seltsame Name Latwerch herkommt. Wetten dass, der auch wieder etwas mit dem Essen zu tun hat!

Manfred Diehl:

"Ja, Latwerch heißt, vom Hochdeutschen abgeleitet Latwerge, des isn Ausdruck für Pflaumenmus, ma kann vunn alle mögliche Obstsorten sogannte Latwerch mache, Hauptursach für des Ganze is, des wird gerihrt. Ich habs selbst als kleines Kind noch in meinem Heimatort erlebt wie die Latwerch wirklich von alle Leut ausm Dorf genacht wird, die ham sich dann abgelöst beim Rühre, un am Ende is die Latwerch verteilt worde."

Sprecher:

Sehn Sie, ich hab's ja gleich gesagt. Wieder was zu essen. Aber Manfred Diehl und die anderen Latwerch-Musiker lieben nicht nur Pfälzer Kost, nein, auch ihre Pfälzer Sprache. K-D Brehm spricht hier - echt Pfälzisch - klare Worte:

K-D Brehm:

"Ä Mensch ohne Mundart is bedauenswert, ich sehs als e Stück Identität, das man nie verleugne soll, un wenn einer aus Köln hierhin kommt un Kölsch babbelt, dann babbel ich Pälzisch mit dem, wenn er Hochdeutsch redt, dann red ich Hochdeutsch mit em."

Sprecher:

Was ist das Pfälzische denn nun eigentlich? Da muss jetzt mal ein Sprachwissenschaftler ran. Zum Beispiel Rudolph Post:

Rudolph Post:

"Das Pfälzsche gilt als Rheinfränkischer Dialekt, es grenzt sich dann halt vom Moselfränkischen ab, und vom Ostfränkischen, und unten vom Alemannischen grenzt es sich ab. Es ist also ein Dialekt von Leuten, die als Franken bezeichnet worden sind und die auch dann die Alemannen, die ja früher in der Pfalz gesiedelt haben, zurückgedrängt haben. Und trotzdem gibt es da noch Reste alemannischen Spracheinflusses, vor allem in der Südostecke der Pfalz."

Sprecher:

Psst, soll ich Ihnen mal was verraten? Mach ich. Pfälzisch wird nicht nur in der Pfalz gesprochen. Nein, ehrlich, weltweit kann man diesen schönen Dialekt antreffen. Sie glauben mir nicht? Ja, dann sollten Sie mal hören, was der Roland Paul, der ist vom Institut für Pfälzische Geschichte, was der dazu sagt, der hat das nämlich erforscht:

Roland Paul:

"Pfälzer sind seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert in großer Zahl ausgewandert. Überall dort, wo man hinkommt, wo Nachkommen pfälzischer Auswanderer leben, haben sich auch noch Reste der Mundart erhalten, in mehr oder weniger ausgedehnter Form und das ist also für mich ein Phänomen, dass die sich alle verständigen können in ihrem pfälzischen Dialekt."

Sprecher:

Gut. Jetzt muss ich aber los, in den schönen Pfälzer Wald. Dort soll ich, hat Tante Martha geschrieben ...

Sprecherin:

... Elwetritscher fange gehe. Du wersch selbert erauskrieje, wie dess geht. Froch eefach die Leit unnerwegs.

Fragen zum Text:

Welcher Ausdruck bezeichnet eine Person, die nicht so richtig in die Pfalz passt?

1. Wurschtküch

2. Kribbelbisser

3. Schtobbezieher

Welches Wort bedeutet sprechen?

1. babbele

2. bobbele

3. bibbele

Pfälzisch wir nicht nur in der Pfalz oder in Deutschland gesprochen, sondern auch in einigen anderen Ländern. Warum?

1. Weil Pfälzisch als schick gilt und weltweit immer wichtiger wird.

2. Weil seit dem 17. Jahrhundert viele Pfälzer ausgewandert sind.

3. Weil viele wichtige Bücher nur noch auf Pfälzisch erscheinen.


Arbeitsauftrag:

Versuchen Sie, den ersten Absatz des Texteeeees ins Hochdeutsche zu "übersetzen". Hören Sie sich die Folge auch an, dann fällt es Ihnen leichter.

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