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Wirtschaft

Petrobras-Premiere im Golf von Mexiko

Der brasilianische Ölriese fördert erstmals in eigener Regie Öl im Golf von Mexiko. Seit dem Unfall seiner Plattform P-36 im Jahr 2001 hat Petrobras sein Sicherheitskonzept verbessert, meinen US-Experten.

Ölplattformen am 7. Oktober 2010 im Hafen von Pascagoula (Foto: AP)

Petrobras wird bis Ende Januar sein erstes Projekt als Betreiber im Golf von Mexiko starten. Das halbstaatliche Unternehmen ist in der Region bereits in Kooperation mit anderen Unternehmen aktiv, wird nun jedoch zum ersten Mal die alleinige Kontrolle über ein Ölfeld haben.

Der Beginn der Aktivitäten ist auf zwei Ölfeldern geplant: Auf einem davon hat Petrobras die alleinige Kontrolle, auf dem zweiten ist der Konzern zu 66,7 Prozent beteiligt und mit Total aus Frankreich tätig. Von den Plattformen aus, die sich 250 Kilometer vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana befinden, werden Öl und Gas aus mehr als 2000 Kilometern Tiefe gefördert.

Dabei leidet der Golf von Mexiko noch immer unter der Katastrophe vom April 2010, als die Plattform Deepwater Horizon der britischen Firma BP explodierte und elf Menschen starben. Schätzungsweise 780 Millionen Liter Rohöl flossen damals ins Meer. Greenpeace bezeichnet den Unfall als "größte Umweltkatastrophe in der Geschichte des Kontinents."

Fast zwei Jahre nach dem Vorfall sind die Ausmaße immer noch nicht gänzlich bekannt. "Wir wissen nicht viel über die Auswirkungen in den tiefen Wasserschichten. Es ist schwierig, dorthin zu gelangen, das ist ein langfristiges Problem. Derzeit laufen viele Studien dazu", erklärt James Natland von der Universität Miami im Gespräch mit DW-WORLD.DE.

Technologie und Sicherheit

Das brasilianische Unternehmen wird eine Technologie namens FPSO (Floating Production, Storage and Offloading vessel) in die Region bringen. Es handelt sich dabei um eine Schiffsplattform mit Vorrichtungen für Produktion und Lagerung. Täglich können hier 80.000 Barrel Öl und 50.000 Kubikmeter Erdgas verarbeitet werden.

Laut Petrobras loben die US-Behörden "die technische Qualität des Projekts" und heben die gute Zusammenarbeit zwischen Industrie und der Regierung für die sichere Produktion von Energiereserven im Land hervor.

Ölteppich im Golf von Mexiko nach der Explosion auf der Bohrinsel Deepwater Horizon im Mai 2010 (Foto: dpa)

Ölteppich im Golf von Mexiko

Kenneth Arnold vom Förder-Dienstleister WorleyParsons sagt: "FPSO ist eine gängige Technologie. Es ist das erste Mal, dass sie im Golf von Mexiko eingesetzt wird, aber es gibt viele Schiffsplattformen wie diese auf der ganzen Welt. Ich würde nicht sagen, dass es sicherer ist, ich würde sagen, dass es ein Sicherheitsniveau hat, das anderen Produktionssystemen entspricht."

Zu den Vorteilen dieser Technologie zählt laut Petrobras, dass die Schiffsplattform bei Sturmwarnungen zügig von der Quelle getrennt werden kann. "Der Golf von Mexiko ist eine riskante Umgebung. Es gibt praktisch jedes Jahr Evakuierungen wegen Stürmen", unterstreicht Natland.

Empfindliches Ökosystem

Die erste Tiefseeplattform im Golf von Mexiko wurde 1947 installiert – seitdem stand die Produktion nie still, mit Ausnahme des Moratoriums zwischen Mai und Oktober 2010, das von US-Präsident Barack Obama nach der Deepwater Horizon-Katastrophe angeordnet worden war.

Dieser Unfall hatte die Aktivitäten im Golf von Mexiko etwas gebremst, aber laut Arnold normalisiert sich die Situation. "Die Aktivitäten kommen langsam wieder auf das Niveau vor dem Zwischenfall. Es hat sich nur verzögert, weil die Regierung lange für die Entscheidung über die Prozedur der Autorisierung und Inspektion der Quellen gebraucht hat."

Seit der Einführung strengerer Regulierungen im Juni 2010 hat das für den Sektor zuständige staatliche 'Bureau of Ocean Energy Management' (BOEM) 57 Pläne zur Förderung und neun Pläne zur Exploration genehmigt. Es wird geschätzt, dass insgesamt zirka 3.500 Plattformen in der Region betrieben werden.

"Die US-Behörden analysieren die Pläne genauer und stellen in angemessener Weise Genehmigungen aus", sagt Donald Winter, ehemaliger Sekretär der US-Marine und Professor an der Universität von Michigan. Daten der BOEM zeigen, dass bisher Lizenzen zur Nutzung von 5832 Abschnitten ausgestellt wurden – was jedoch nicht bedeutet, dass alle in Betrieb sind.

Winter war Vorsitzender des Komitees der 'National Academy of Engineering' und des Nationalen Forschungsrates, der im Dezember 2011 einen Bericht über die Situation nach der Katastrophe im Golf von Mexiko veröffentlicht hat. "Es hat viele Fortschritte gegeben, sowohl von der Industrie als auch von den Verantwortlichen. Es werden viele Verbesserungen durchgeführt, der Sicherheit wird mehr Aufmerksamkeit gewidmet, auch von den Unternehmen", so Winter gegenüber der DW-WORLD.DE.

Guter Ruf in den USA

Den meisten Menschen in den USA ist Winter zufolge die Marke Petrobras praktisch unbekannt. "Aber alle, die im Öl-Sektor arbeiten, kennen das brasilianische Unternehmen", sagt Arnold.

Havarierte Petrobras-Bohrinsel P-36 vor der Küste von Rio de Janeiro am 15. März 2001 (Foto: AP)

Havarierte Bohrinsel P-36 am 15. März 2001

Petrobras bekam im März 2011 die Genehmigung, die beiden Projekte mit den Namen Cascade und Chinook zu starten. "Viele Jahre zuvor hatte Petrobras keinen guten Ruf. Das war, bevor die Plattform P-36 im Jahr 2001 an der Küste von Rio de Janeiro untergegangen ist", berichtet Arnold und bezieht sich damit auf den schlimmsten Unfall in der Geschichte des Unternehmens. Damals starben elf Arbeiter, ein großer Ölteppich trieb auf das offene Meer.

"Das Unternehmen hat sein Verständnis von Sicherheit grundlegend geändert. In Brasilien hat es sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. In den USA hält Petrobras die lokalen Regeln und Verordnungen ein, genau wie jede andere Firma", so der Berater. "Und die Regierung kontrolliert sehr streng die Einhaltung der Regeln, gerade bei ausländischen Unternehmen", versichert Arnold.

Autorin: Nádia Pontes
Übersetzung: Julia Maas
Redaktion: Henrik Böhme