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Musik

PeterLicht verkündet das Ende der Beschwerde

Der Kölner PeterLicht, Schöpfer des Hits "Sonnendeck", huldigt auf seinem fünften Studioalbum "Das Ende der Beschwerde" dem Pop. Textlich geht es um Auflösung, iPhones und das sich stete Verändern müssen in dieser Welt.

Cover Das Ende der Beschwerde von PeterLicht (Copyright: Christian Knieps)

Bis heute weiß man nicht genau, ob PeterLicht ein Künstlername ist oder nicht. Seine Alben tragen Titel wie: "Lieder vom Ende des Kapitalismus", seine Songs heißen: "Wettentspannen" oder: "Die transsylvanische Verwandte ist da". Kurzum: PeterLicht macht merkwürdige Sachen, ob als Popsong, Theaterstück oder Prosa-Text. Das neue Album von PeterLicht heißt: "Das Ende der Beschwerde" und paart rätselhafte Texte mit höchst eingängiger Musik.

"Wenn ich nicht hier bin, bin ich auf dem Sonnendeck." So sang er vor zehn Jahren in seinem bis dato größten Hit. PeterLicht, der Musiker aus Köln, der nebenher noch Bücher und Theaterstücke schreibt, war schon damals nicht leicht zu verstehen: Das Lied, in dem es um das Sterben geht, wurde schließlich zum Sommerhit.

Pop als Treibsatz

Jetzt erscheint sein fünftes Studioalbum: "Das Ende der Beschwerde". Dieser Titel geht nicht nur schön über die Lippen, er ist auch ernst gemeint. Wo es in den Vorgängeralben noch um Melancholie, Gesellschaft und das Ende des Kapitalismus ging, soll jetzt mal Schluss sein mit dem Jammern. Stattdessen: Optimismus, Flucht in schöne Welten, neue Ideen und die Aufforderung, den Barmann zu schütteln.

PeterLicht sitzt hinter einem Plakat auf dem Sofa (Foto: Christian Knieps)

PeterLicht scheucht das Licht der Öffentlichkeit

Musikalisch kommt das Album so süß und poppig daher wie Kirmes-Zuckerwatte. PeterLicht, Gewinner des 'Ingeborg-Bachmann-Publikums-Preises', hat mit Entertainment keine Probleme. "Pop ist eben auch so ein Treibsatz", meint er. "Der Größenwahnsinn, der zum Beispiel bei den Pet Shop Boys im Pop drin steckt, passt sehr gut zu bestimmten Texten."

Herzförmige iPhones unter der Erde

In diesen Texten kann es dann schon mal um iPhones gehen. "Begrabt mein iPhone an der Biegung des Flusses" ist ein Zitat in Anlehnung an ein Buch über die gewaltsame Verdrängung der Indianer in der amerikanischen Geschichte. Doch wo es bei den Indianern noch um Herzen ging, ist bei PeterLicht dieser elementarste Teil des Menschen ausgerechnet ein iPhone – wenn da mal nicht wieder Kritik durchschimmert. Aber nein, Licht will es positiv sehen: "Das iPhone ist ja eigentlich ein Seelengerät; das geht ganz nah an dein Herz und an deine Gefühle. Und so ist auch Pop: Er ist gemacht, damit die Leute ihn gut finden“, stellt PeterLicht fest. Und er findet: "Das Aufhören, sich selber zu gehören, ist faszinierend, denn dieses ganze soziale Netzwerkwesen macht ja den Identitätsverlust aus."

Selbstauflösung als Chance

PeterLicht, deutscher Indiepop-Musiker und Autor. (Foto: Christian Knieps)

In einem anderen Song, dem "Fluchtstück", will PeterLicht sich auf verschiedenste Arten vollständig auflösen. Er kuriert die selbst erklärte "Geisteskrankheit des Individualismus" auf ganz philosophische Weise. In Zeiten von Selbstvermarktung und Casting Shows hilft ihm nur noch die Flucht. Umgekehrt ist allerdings nicht klar, ob das Heil in der Gemeinschaft zu finden ist: "Gesellschaft ist toll, wenn nur all die Leute nicht wären", singt er im Titelstück des Albums. Dem zugrunde liegt seine Beobachtung, dass es vielen Menschen in der Gesellschaft schnell zu eng werde; sie wollen sich lieber abgrenzen.

Zusammengefasst und in Anlehnung an Rainer Maria Rilke heißt das bei PeterLicht, dass wir unser Leben ändern müssen: "Das ganze kollektive Bewusstsein suggeriert, dass niemand okay ist, so wie er ist. Es sind nur änderungswürdige Wesen unterwegs und das ist natürlich ein sehr effektives System." Obwohl man den Ansprüchen nie zu genügen scheint, sieht PeterLicht das schon wieder positiv, sozusagen als Chance der Veränderung durch stete Arbeit am Ist-Zustand.

Dennoch: Ob "Das Ende der Beschwerde" immer wörtlich genommen werden kann, lässt sich manchmal bezweifeln. Wenn man aber sein Leben dadurch verändern kann, dass man dieses Album hört, dann macht es wenigstens Spaß; über den musikalischen Unterhaltungswert kann man sich definitiv nicht beschweren.

Autorin: Eva Gutensohn
Redaktion: Matthias Klaus

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