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Wissen & Umwelt

Peterchens Mondfahrt

Der CDU-Politiker Peter Hintze präsentierte seine Pläne für eine unbemannte deutsche Mondmission. "Platter Wahlkampf", meint Wissenschaftsredakteurin Judith Hartl. "Der Forschung tut er damit keinen Gefallen!"

Peter Hintze, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt (Fotomontage DW)

Peter Hintze, Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt

Wir fliegen zum Mond! 2015 soll's so weit sein. Sechs Jahre. Das ist zu schaffen. Mit deutscher Technologie und deutscher Gründlichkeit. Sagt - zugegeben nicht ganz im Wortlaut, aber sinngemäß - Peter Hintze. Peter wer, fragen Sie? Zu Recht! Denn wer erinnert sich noch an den ehemaligen CDU-Generalsekretär? Hintze ist evangelischer Theologe. Und er war sogar mal Staatssekretär im Bundesministerium für Frauen und Jugend. Hab ich mir zusammengegoogelt - 1991 und 1992 war das. Tja, und seit zwei Jahren ist er Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt. Noch Fragen?

Aber wenigstens blieb er ruhig in seiner Spielecke. Bis jetzt. Da prescht er plötzlich raus und verkündet - halleluja, gebt mir Flügel - ich will zum Mond. Hätte das wenigstens Thomas Reiter gesagt, deutscher Vorzeigeastronaut und Raumfahrttechniker, der übrigens - nebenbei erwähnt - auch zum Mond will. Aber Pfarrer Hintze will Antworten finden auf Urfragen der Menschheit: Wo kommen wir her und wo wollen wir hin?. Boaah! Mit Aussagen wie dieser gibt er eine geplante und teilweise sicherlich sinnvolle Mondmission augenblicklich der Lächerlichkeit preis. Und verliert, schwuppdiwupp, schon im Vorfeld die Unterstützung der steuerzahlenden Bevölkerung.

Mond zu Wahlkampfzwecken

Judith Hartl, Wissenschaftsredakteurin (Foto: DW)

Judith Hartl ist fassungslos über Peter Hintzes desaströsen Mond-Wahlkampf

Er habe dem Finanzminister, dem Peer, nicht in die Augen schauen können, als er seinen Mond-Bericht vorstellte, gab der Peter vor Journalisten schelmig zu. Denn er braucht für seine Mondidee - auch für eine unbemannte Mission - viel Geld. Mindestens 1,5 Milliarden Euro. Und wer soll das angesichts Wirtschaftskrise und Rekordschulden gut finden? Peter Hintze wird das Geld nicht bekommen. Das weiß er. Aber um Forschung und Techologie geht's ihm eh nicht. Eher um Wahlkampf und sicher auch darum, dass man endlich wieder über ihn, den Möchtegern-Visionär Peter ... äääh ... Hintze, spricht.

Aber dafür ist das Thema zu wichtig. Der Mond steht zurzeit bei allen großen Raumfahrtnationen ganz oben auf der Agenda. In den USA, in Russland, natürlich in Europa und ganz stark bei China, Japan und Indien. Denn zu erforschen gibt es in der Tat noch jede Menge.

Wissenschaftlich wäre die Mondmission wertvoll

Komischerweise wissen wir erstaunlich wenig über unseren Begleiter, nicht einmal ganz genau, wie er entstanden ist. In den 60er- und 70er- Jahren lieferten sich Amerikaner und Sowjets politische Wettläufe, die Forschung spielte eher eine Nebenrolle. Aber jetzt, nach zahlreichen und auch sehr erfolgreichen Forschungs-Ausflügen zu Mars, Jupiter und Venus, ist der Mond plötzlich wieder en vogue. Gut so! Auch dass Deutschland bei anstehenden Missionen so etwas wie eine führende Rolle in einem internationalen Raumfahrtprojekt spielen möchte. Nationale Alleingänge wird es nicht mehr geben. Die kann und will sich kein Land, am allerwenigsten Deutschland, leisten.

Und Peter Hintzes angedachte Mondmission wäre eh erst mal die billigere Variante. Unbemannt. Also: Kein Mensch wird auf den Mond geschossen. Schade eigentlich. Mir fiele da schon einer ein ...

Autorin: Judith Hartl

Redaktion: Sabine Faber