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Kultur

Peter Grünberg hätte lieber eine Entdeckung für die Umwelt gemacht

Der deutsche Physiker Peter Grünberg hat zusammen mit dem Franzosen Albert Fert für Forschung zur Steigerung der Leistungsfähigkeit von Computer-Festplatten den Physik-Nobelpreis erhalten. Wer ist Peter Grünberg?

Foto: Oliver Berg dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Peter Grünberg (Archivfoto)

Seinen Forscherbeitrag zur Computertechnik betrachtet Peter Grünberg ohne übertriebene Leidenschaft: "Ich hätte mir eigentlich mehr gewünscht, dass ich im Bereich Energieeinsparung, im Bereich Umwelt eine Entdeckung mache oder etwas voranbringe", bekannte er vor einigen Jahren, als ihm der Deutsche Zukunftspreis für seine Arbeiten verliehen wurde.

Lob von allen Seiten

Physikerkollegen können die Leistung des 68-Jährigen dagegen nicht genug loben. "Die Entdeckung ist gesellschaftlich von extremer Relevanz und hat dramatische Auswirkungen", sagte Gernot Güntherodt vom II. Physikalischen Institut der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Es sei ja noch gar nicht so lange her, "da waren die Computer raumausfüllend und nicht beweglich", betonte der Leiter des Fachverbands "Magnetismus" der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Grünberg hatte einen Effekt entdeckt, der Festplatten mit riesigem Speichervermögen möglich macht.

Die Verleihung des Nobelpreises an ihn und den Franzosen Albert Fert bezeichnete Grünberg am Dienstag als "große Ehre". "Ich war bei dem Anruf heute Morgen total überwältigt, hatte aber insgeheim gehofft, diesen Preis einmal zu bekommen", sagte der Physiker. "Das Geld ist ja auch ganz schön." Er betonte, dass mit dem Preis eine Teamleistung ausgezeichnet werde.

"Bodenständig und gemütlich!

"Er ist ein recht bodenständiger und gemütlicher Mensch, sehr gesellig", erzählte Güntherodt. Neben seiner Forschung liebt Grünberg vor allem Musik und Sport. "Ich habe viele Jahre intensiv klassische Gitarre gespielt; heute brauche ich als Ausgleich den Sport", betonte der Physiker einmal. "Er ist in den letzten Jahren fasziniert gewesen vom Golfen", sagte Güntherodt. Grünberg habe die Idee gehabt, ein Trainingsgerät zum Golfen mit den Sensoren zu entwickeln, die mittels seiner Entdeckung gebaut wurden. Damit sollte der Abschuss eines Golfballes registriert und festgestellt werden, ob es sich um einen guten oder schlechten Schlag handelte. "Das war so sein Wunschtraum."

Der am 18. Mai 1939 in Pilsen (heute Tschechien) geborene Grünberg emigrierte 1946 nach Lauterbach in Hessen, wo er später auch sein Abitur machte. Nach der Promotion an der damaligen Technischen Hochschule Darmstadt ging er zunächst nach Kanada und kam 1972 zum Forschungszentrum Jülich. Forschungsaufenthalte führten ihn nach Japan und in die USA. In Jülich arbeitete Grünberg mehr als 30 Jahre, bis er 2004 offiziell in den Ruhestand wechselte. Dennoch kommt er noch mehrmals wöchentlich in sein Büro, nimmt an Seminaren teil und wird zu Vorträgen eingeladen.

Grünberg macht weiter

Auch künftig möchte er weiterforschen. "Ja, ich will nach wie vor ins Labor. Ich kann jetzt ohne Druck und wertfrei forschen." Das Schönste an der Auszeichnung sei für ihn, dass er jetzt nie mehr befürchten müsse, aus Altersgründen nicht mehr ins Labor zu dürfen: Der Preis "sichert meine Situation, in der Forschung zu bleiben", sagte Grünberg. Für ihn sei das das Wichtigste.

Seit der Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands 1988 hat Grünberg etliche Auszeichnungen bekommen, darunter 1998 den Deutschen Zukunftspreis. Mit Fert teilte sich Grünberg unter anderem den Internationalen Preis für Neue Materialien 1994 der American Physical Society, den Hewlett-Packard-Europhysics-Preis der Europäischen Physikergesellschaft EPS sowie in diesem Jahr den Japan Prize und den israelischen Wolf Prize. (dpa)

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