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Politik

Perus Bürgerkrieg wirkt noch immer nach

Der Leuchtende Pfad, die maoistische Guerilla Perus, spielt seit Jahren keine Rolle mehr. Doch bei den Ureinwohnern im Hochland wirkt die Gewalt der 1980er-Jahre bis heute nach.

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Aschinka-Indianer im Dorf Junin

Dorfwächter gegen Guerilla

Dorfwächter gegen die Überreste des Leuchtenden Pfades in der Ayacucho-Region (2003)

"La guerra es hoy" - "Der Krieg ist heute!", prangt in großen Lettern über dem Eingang zur Flughalle des Militärpostens im peruanischen Satipo. Mit Hubschraubern und Soldaten sollen von der entlegenen Provinzhauptstadt im Quellgebiet des Amazonas aus die verbliebenen Gruppen des Sendero Luminoso, des Leuchtenden Pfades, bekämpft werden. Seit dem Ende der 1970er-Jahre führte die Terrororganisation einen erbitterten gewaltsamen Kampf gegen das Regime in Lima. Vor allem die Menschen auf dem Land waren von Gewaltakten betroffen. In den 1990-er Jahren beherrschten Militär und Geheimdienste das Land, während Präsident Alberto Fujimori in seinem Kampf gegen die Guerilla die Institutionen des Staates systematisch schwächte und Justiz, Medien und große Teile der Bevölkerung zu bloßen Zuschauern degradierte.

Der Leuchtende Pfad existiert noch als Mafia

Alberto Fujimori in Moguequa, 930 kilometers (580 miles) southeast of Lima

Alberto Fujimori bei einem Besuch auf dem Land (1995)

Heute sind nur noch wenige hundert Kämpfer des Sendero Luminoso übrig. Sie leben in den entlegenen Regionen der Zentralen Selva. Rund zwei Autostunden von Satipo entfernt, am Rio Ene, bieten ihnen dichter Urwald und dünne Besiedlung Schutz vor dem Zugriff des Militärs. Der Kampf des Leuchtenden Pfades gilt heute weniger politischen als kriminellen und wirtschaftlichen Zielen. Sie handeln illegal mit Werthölzern und Drogen.

Satipo ist Provinzhauptstadt - ein Urwaldnest, wie man es vielfach im Amazonasgebiet trifft: Mopedtaxis knattern über kaum geteerte holprige Straßen, Händlern haben Berge von chinesischen Waren zu bunten Haufen auf der Straße aufgetürmt. Satipo gehört zu den Verlierern der peruanischen Geschichte - und der politischen Gegenwart. Die Region gilt als eine der ärmsten Perus. Fast alle Einwohner gehören zur indianischen Urbevölkerung. Gerade sie traf der Bürgerkrieg besonders hart: 30 bis 40 Dörfer in der Region wurden in der Zeit der Violencia völlig ausgelöscht. 6000 der 70.000 Opfer des Bürgerkriegs waren Aschanika-Indianer.

"Schon unsere Vorfahren waren Kämpfer"

Santiago ist der Bürgermeister von Satipo. Über lange Zeit war er Dorfchef von Puertocopa. Als Ende der 1980er-Jahre die Terrorgruppen des Sendero Luminoso die Macht beanspruchten, verboten sie Santiago, sein Amt auszuüben. Gleichzeitig bewaffnete die Regierung die Aschaninka, damit sie sich selbst verteidigten. 1990 kehrt Santiago in sein Dorf zurück und begann, Selbstverteidigungskomitees aufzubauen. Das Militär habe sich in dieser Zeit kaum in die Region vorgewagt, erinnert sich der 39-Jährige. "Wir sind als Kämpfer ausgebildet. Schon unsere Vorfahren waren Kämpfer, wehrten sich gegen die Kolonisation, die Zivilisation, die Siedler aus Europa", sagt Santiago. "Und weil wir Kämpfer sind, haben wir uns auch selbst gegen die Senderisten gewehrt, ohne das Militär. Das Militär kam erst später dazu."

Eine Gewaltgeschichte, die ihre Spuren hinterlassen hat. Kleinsten Konflikten in Familie oder Nachbarschaft wird mit Gewalt begegnet. Durch das Projekt des Zivilen Friedensdienstes bringt der DED Berater vor Ort, welche den Communidads beim Umgang mit solchen Konflikten helfen. In diesem Bereich sei die Hilfe von außen wichtig für die Aschanika. Es gelte die sozialen Beziehungen neu zu knüpfen - in einer Region, wo der peruanische Staat weitgehend abwesend sei, meint Santiago. Die Folgen der Violencia seien immer noch erkennbar. So gebe es viele Waisenkinder und Witwen in der indigenen Bevölkerung.

Witwen und Waisen

"Wir brauchen - um diesen Folgen der Violencia zu begegnen - dringend die Präsenz des Staates und auch die Arbeit internationaler Organisation wie des DED. Mit dem Ziel, die soziale und familiäre Sicherheit wieder herzustellen, Ruhe und Frieden für diese Region", sagt Santiago. Die Kultur der Gewalt sei immer noch präsent: "Die Gewalterfahrung hat sich sozusagen auf unsere Herzen gelegt. Und das lässt sich sogar noch bei Kindern beobachten." Viele Aschanika-Gemeinden versorgten die Terroristen des Leuchtenden Pfades mit Nahrungsmitteln, Transport oder Unterkunft - mitunter kämpften sie an deren Seite, mitunter auch an der Seite des Militärs. Wer sich dem Militärdienst verweigerte, dem drohten Folter oder gar der Tod.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie die Gemeinden um wirtschaftliches Überleben und die Überwindung der Gewalt kämpfen.

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